1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Neusser deckt Hackerangriff auf

Neuss : Neusser deckt Hackerangriff auf

Computerserver in der SPD-Parteizentrale in Berlin wurden Ziel eines Angriffs von einem Hacker. Ein Neusser Datenfachmann entdeckte diese Lücke – und ist jetzt ein gefragter Gesprächspartner des Bundeskriminalamtes.

Computerserver in der SPD-Parteizentrale in Berlin wurden Ziel eines Angriffs von einem Hacker. Ein Neusser Datenfachmann entdeckte diese Lücke — und ist jetzt ein gefragter Gesprächspartner des Bundeskriminalamtes.

Der Datenfachmann eines Unternehmens im Neusser Süden hat maßgeblichen Anteil daran, dass der Angriff eines Hackers auf Computerserver in der Berliner SPD-Zentrale entdeckt und das Datenleck gestopft wurde. Seitdem ist der Neusser ein gesuchter Gesprächspartner des Bundeskriminalamtes, denn der Hacker, der mit dem unsäglichen Alias-Namen "Zyklon B" im Internet auf entsprechenden Foren mit seinen Erfolgen prahlt, soll auch für elektronische Einbrüche bei Websites der Nasa, und der amerikanischen Luftwaffe verantwortlich sein.

Als erstem eröffnete der parteilose Neusser IT-Fachmann seine Entdeckung dem SPD-Stadtverordneten Heinz London. Der gab die Information über seinen Parteifreund Ingo Stolz im Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten Bernd Scheelen an die Parteizentrale weiter. "Und die wurden wohl richtig blass", übersetzt Stolz die erste Reaktion dort. "Die waren sprachlos."

"Alle Daten lagen offen vor mir."

Stolz stellte einen Kontakt des SPD-Datenschutzbeauftragten zu dem Neusser IT-Profi her, der ihm kurz die Klicks erläuterte, die ins Herz der SPD-Daten führte. "Ich traute meinen Augen nicht", erinnert sich Heinz London, der dieser Anleitung schon vorher gefolgt war. Wenige Minuten reichten, um über eine Datenbank, die der Hacker mit einem geknackten Server über einen Trojaner verlinkt hatte, zum Insider zu werden. "Sämtliche Passwortdateien mit Administratorrechten für alle Landesverbände, alle SPD-Foren und noch mehr Daten lagen offen vor mir", erinnert sich London. Alle Datenbestände hätte man in dem Moment aufrufen, verändern oder löschen können. Oder, so London, "für böse Zwecke nutzen." Die SPD erstattet Strafanzeige, die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt. Deshalb war gestern keine Stellungnahme vom Berliner Parteivorstand zu erhalten. Die "gehackte" Seite wurde umgehend vom Netz genommen.

Doch die Geschichte geht weiter. Der IT-Fachmann stellte fest, so Stolz, dass der Hacker den gleichen Trojaner auch auf einem Server der Berliner CDU-Parteizentrale platzieren konnte. Dieses Wissen gab Stolz an das Büro "seines" Bundestagsabgeordneten Hermann Gröhe weiter. Von dort erhielt er gestern ein freundliches Dankeschön. "Einen Angriff", so auch die offizielle Auskunft der Pressestelle im Konrad-Adenauer-Haus, "konnten wir nicht feststellen."

Vernehmung durch das BKA folgt

Für den IT-Fachmann ist die Sache noch nicht ausgestanden. Das BKA wird ihn noch offiziell als Zeugen vernehmen, auch deshalb möchte er ungenannt bleiben. Die Bildschirm-Bilder von den "gehackten" Seiten, die dem BKA und der SPD vorgelegt wurden, habe der Neusser mittlerweile gelöscht, sagt London. "Weil niemand weiß, ob alleine der Besitz solcher Seiten schon strafbar ist." Und irgendwie habe der Mann, der im Dienst der Datensicherheit seiner Firma in Hacker-Foren unterwegs ist und dort die Methoden der Angreifer studiert, ja auch einen elektronischen Einbruch begangen.

(NGZ/ila/das/top)