Protest in der Düsseldorfer Altstadt: Neusser Bürgermeister spricht auf Raucher-Demo

Protest in der Düsseldorfer Altstadt : Neusser Bürgermeister spricht auf Raucher-Demo

Rund 3000 Karnevalisten, Wirte und Schützen protestieren am Samstag in Düsseldorf gegen das Rauchverbot, darunter auch Herbert Napp.

Der Bürgermeister von Neuss hat es nicht gern, bevormundet zu werden. Schon gar nicht von den Grünen auf der anderen Rheinseite im Düsseldorfer Landtag, die ihm vorschreiben wollen, dass er in seinem Büro im Rathaus nicht rauchen darf, weil es das Gesetz so vorsieht.

Herbert Napp (CDU) qualmt weiter - auch weil es ihm ums Prinzip geht. Auf seinem Schreibtisch stehen mehrere Aschenbecher, im Raum riecht es nach Zigaretten. Erst neulich hat ihm ein Kollege für sein Büro eine Tabakpflanze geschenkt. Über der Eingangstür hängt ein Schild: "Herberts Havanna Lounge".

Wegen seiner Haltung hat er von der Münchener Initiative "Pro Rauchfrei", dem nach eigenen Angaben größten Nichtraucherverband in Deutschland, den Beinamen "Vesuv von Neuss" erhalten. Bei Demonstrationen gegen Rauchverbote ist seine Stimme gefragt. So auch heute in Düsseldorf, wo der Neusser Bürgermeister auf der Veranstaltung des "Aktionsbündnisses gegen das Rauchverbot in NRW"der prominenteste Redner sein wird.

Die Veranstalter rechnen damit, dass Napp vor mindestens 3000 Teilnehmern sprechen wird. Schützenverbände, Karnevalisten, Gastwirte und Geschäftsführer der Brauereien wollen kommen. "Wir werden es Frau Steffens schon zeigen", sagt Annette Helmus, eine der Initiatoren des Protestes und Wirtin einer Kneipe in der Düsseldorfer Altstadt. Sie meint Gesundheitsminsterin Barbara Steffens (Grüne), die Gastwirte als die Hauptverantwortliche für das strikte Nichtraucherschutzgesetz ausgemacht haben. Dem Aktionsbündnis geht es um die Bevormundung, darum, dass sie sich von der Landesregierung nicht vorschreiben lassen wollen, wo und wann sie rauchen dürfen. "Wir können uns das nicht gefallen lassen", sagt Helmus. Sonst dürfe man bald auch kein Schnitzel mehr essen, "weil zu viel Fleisch nicht gut für die Gesundheit ist".

"Wir machen in der Altstadt Rabatz"

Eigentlich sollte die Demonstration am Samstag vor dem Landtag stattfinden, aber da sei ja samstags keiner der Politiker drin, sagt Helmus. "Darum machen wir in der Altstadt Rabatz, da, wo die betroffenen Wirte ihre Kneipen haben." Um 12 Uhr soll die Demo beginnen.

Das absolute Rauchverbot in Kneipen, Diskotheken und Restaurants gilt in NRW seit dem 1. Mai. Nur Bayern hat noch eine ähnlich scharfe Regelung. Wirte, die sich darüber hinwegsetzen, drohen Geldstrafen - im schlimmsten Fall sogar der Entzug der Schanklizenz. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga hat 700 Gastronomen in NRW befragt. "71,4 Prozent der Wirte von Kneipen und Bars vermeldeten starke Einbußen von mehr als zehn Prozent", sagt Sprecher Thorsten Hellwig. "Es gibt aber auch viele Wirte, die noch deutlich höhere Einbußen zu verzeichnen haben."

So zum Beispiel Annette Helmus. Sie hat nach eigenen Angaben monatlich 45 Prozent weniger Geld in der Kasse. Hinzu käme die Zechprellerei, die seit dem strikten Rauchverbot stark gestiegen sei. "Die Gäste sagen, sie gehen mal kurz vor die Tür eine rauchen - und weg sind sie", berichtet die Wirtin. "Und der Dumme ist der Kellner, der mit dem offenen Deckel dasteht."

Ein Manuskript für seine Rede hat sich Napp nicht zurecht gelegt. Das mache er frei, sagt er, steckt sich eine Zigarette an und kündigt eine emotionale Ansprache an - "mit ein paar bösen Sprüchen". Von Nichtraucherschutzgesetz wird er dabei nicht sprechen, denn das ist für ihn ein "Raucherverfolgungsgesetz", ein "Gesetz gegen Freude und Vergnügen". Im Kern aber spricht Herbert Napp über das, wie er sagt, elfte Gebot. Das "der wechselseitigen Rücksichtnahme", wie Napp es nennt. Für ihn heißt das: Kommt Besuch in sein Büro, geht auch in "Herberts Havanna Lounge" die Kippe aus.

(jco/rl)