Neuss: Neusser beschenken Papsthaus

Neuss: Neusser beschenken Papsthaus

Ein Original-Dürer-Stich aus dem Nachlass des Neusser Ehrenbürgers Joseph Frings hängt nun in Marktl am Inn. Neusser hatten bereits 2005 als Hauptgeldgeber den Kauf des Geburtshauses von Joseph Ratzinger ermöglicht.

neuss/Marktl am inn Cornel Hüsch (47) ist stolz. Über 100 000 Besucher sahen sich seit der Eröffnung 2007 in dem 260 Jahre alten Haus um, in dem Papst Benedikt XVI. als Joseph Ratzinger 1927 geboren wurde. "Und alle spüren den Bezug zu Kardinal Frings und Neuss", sagt der Anwalt Hüsch, der die Interessen der "Familie von Kardinal Frings" vertritt. Jüngster Beitrag aus der Quirinusstadt für das Papsthaus: Ein Original-Dürer-Stich aus dem Nachlass von Joseph Frings.

Warum nimmt der aus Neuss stammende Kölner Erzbischof eine so bedeutende Stellung im Papsthaus ein? Kardinal Frings (1887 - 1978) hatte sich Anfang der 1960er Jahre den damaligen Bonner Theologieprofessor Joseph Ratzinger als Berater für das Zweite Vatikanische Konzil (1962 - 1965) geholt. Nach Auffassung von Beobachtern hat diese Zusammenarbeit den weiteren Lebensweg Ratzingers maßgeblich geprägt. "Das war der entscheidende Schritt in die Weltkirche", sagt Ludwig Raischl (45), theologischer Leiter im Papsthaus. Folgerichtig, so Raischl, werde der Einfluss von Frings auf den jungen Ratzinger im Theologen-Zimmer umfassend dargestellt, so umfassend, dass Neusser selbstbewusst vom "Frings-Zimmer" sprechen.

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Das Selbstbewusstsein schöpft aus einer zweiten Quelle. Von Neuss ging die Initiative zur Gründung der katholischen "Stiftung Geburtshaus Papst Benedikt XVI." aus, die letztlich auch das denkmalgeschützte Gebäude erwerben konnte. Die Hauptgeldgeber, die inner- und außerhalb von Neuss leben, gehören zur Familie des Kölner Erzbischofs. Joseph Frings, mit der Unternehmer-Dynastie Werhahn verwandt, gehörte zu den einflussreichsten Kardinalen seiner Zeit. Über 450 Kaufinteressenten hatten sich 2005 bei der damaligen Eigentümerin Claudia Dandl gemeldet, darunter ein Ölscheich vom Golf und ein Motorsport-Manager aus der Formel 1. Den Zuschlag erhielt die Stiftung. Während der Verhandlungen hatte Hüsch auf Einladung von Dandl im Kaufobjekt Kaffee getrunken. Er erinnert sich: "Das Haus ist zauberhaft und war liebevoll saniert." Die Stiftung und die hinter ihr stehenden Neusser erhielten den Zuschlag. Laut Medienberichten lag der Kaufpreis bei 3,5 Millionen Euro. So wurde das Haus einer kommerziellen Vermarktung entzogen und zu einem "musealen Ort der Begegnung".

Die Herkulesarbeit hat Cornel Hüsch hinter sich, begleitet die "spannende Aufgabe" aber weiter: "In diesem Mandat stecken sehr viele Emotionen." Es sei schließlich auch für die angesehene Kanzlei am Markt nicht an der Tagesordnung, dass der Privatsekretär des Papstes, Monsignore Georg Gänswein, persönlich anrufe, um sich nach dem Stand der (Papsthaus-)Dinge zu erkundigen. Gänsweins Botschaft: "Der Heilige Vater ist gerührt."

(NGZ)
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