Neuss: Neusser arbeitet für die Bosbach-Kommission

Neuss: Neusser arbeitet für die Bosbach-Kommission

Staatsanwalt Alexander Dierselhuis wurde zur Regierungskommission "Mehr Sicherheit für Nordrhein-Westfalen" abgeordnet.

Verlorenes Vertrauen in den Rechtsstaat zurückgewinnen und Nordrhein-Westfalen, vielleicht auch ganz Deutschland, ein Stück - weit sicherer machen - es gibt Aufgaben, die leichter klingen. Staatsanwalt Alexander Dierselhuis (34) aus Neuss ist dabei, wenn Wolfgang Bosbach, langähriger Bundestagsabgeordneter und Innenexperte der Union, im Auftrag von Ministerpräsident Armin Laschet mit einer Expertenkommission genau das versucht.

Als Geschäftsführer unterstützt der Neusser das Gremium, das offiziell "Regierungskommission 'Mehr Sicherheit für Nordrhein-Westfalen'" heißt, aber bereits im Landtagswahlkampf allgemein als "Bosbach-Kommission" bekannt wurde. "Angesichts einschneidender Ereignisse wie der Kölner Silvesternacht und des terroristischen Anschlages auf den Berliner Weihnachtsmarkt haben viele Bürger in den letzten Jahren Vertrauen in unseren Rechtsstaat verloren. Wir brauchen in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland eine grundsätzliche Prüfung unserer Aufstellung für die Innere Sicherheit und wollen Impulse geben für eine dauerhafte Verbesserung der Sicherheitsarchitektur", so umreißt Laschet den Auftrag des 16-köpfigen Expertengremiums, das direkt bei der Staatskanzlei angesiedelt ist. "Ich freue mich, dass die Wahl auf Alexander Dierselhuis gefallen ist", sagt Jörg Geerlings, Landtagsabgeordneter und CDU-Chef in Neuss. Dierselhuis sei nicht nur Beisitzer im Vorstand der Neusser Christdemokraten und Mitglied des CDU-Arbeitskreises Sicherheit und Ordnung, sondern vor allem ein sehr engagierter und erfolgreicher Staatsanwalt.

In den vergangenen drei Jahren war Dierselhuis bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf im Schwerpunkt mit Fällen der organisierten Kriminalität befasst. "Ich bin Staatsanwalt aus Leidenschaft", sagt der Neusser. Seine Arbeit biete ihm die Möglichkeit, "wirklich etwas zu bewegen". Als Beispiel nennt er einen Fall von organisierter Zwangsprostitution. Ein Mann aus Essen hatte mit der sogenannten Loverboy-Masche im Internet Frauen über Flirt-Portale für Bordelle geködert. 2016 kam der Fall vor Gericht. "Die Frauen konnten wir aus der Situation rausholen", sagt der Staatsanwalt, der sich als Jurist für genau diese Tätigkeit entschieden hat, weil sie von Unabhängigkeit und Objektivität geprägt ist und die Möglichkeit bietet, Ermittlungsarbeit mitgestalten zu können.

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Trotzdem hat Dierselhuis nicht gezögert, das Angebot der Abordnung zur Bosbach-Kommission anzunehmen: "Natürlich ist die Arbeit eine andere, aber mit der Kommission können wir für die Sicherheit in NRW viel erreichen." Der Neusser arbeitet dem Expertengremium zu, bereitet Sitzungen vor, berät und unterstützt aber auch inhaltlich mit Ideen und Erfahrungen. Wie lange die Arbeit dauert, ist noch nicht abzusehen. "Die Kommission arbeitet unabhängig und ohne zeitliche Vorgabe. Die Ergebnisse werden in einem Bericht an den Ministerpräsidenten zusammengefasst", so Dierselhuis. Als ersten Schwerpunkt hat sich die Kommission das Thema Wohnungseinbrüche vorgenommen. Weitere Schwerpunkte sind Polizei und Ermittlungsarbeit, zwischenstaatliche Zusammenarbeit sowie politischer Extremismus. "Nordrhein-Westfalen muss in vielen Bereichen aufholen, wir waren in der Vergangenheit zu oft Schlusslicht im bundesweiten Vergleich", sagt Geerlings. Deshalb habe die CDU in der neuen Landesregierung auf eine Änderung des Polizeigesetzes gedrängt. Geplant sind unter anderem mehr Befugnisse für Fahnder mehr Videoüberwachung oder die Aufnahme von Elektroschockpistolen in den Waffenkatalog des Polizeigesetzes.

Das allerdings sei, so Geerlings, nur die Basis für eine effizientere Polizeiarbeit und mehr Sicherheit. Die Bosbach-Kommission werde prüfen, was die Sicherheitsbehörden in NRW über die jetzt angeschobenen Änderungen im Polizeigesetz hinaus an Personal, technischer Ausstattung und rechtlichen Befugnissen brauchen, um ihren Auftrag besser erfüllen zu können. "Dabei geht es auch um die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden auf EU-, Bundes- und Landesebene", sagt Dierselhuis. Ein mehr an Personal und Ausstattung sei nicht alles, das hat Kommissions-Chef Bosbach bereits deutlich gemacht: "Nicht eine hohe Anzahl an Sicherheitsbehörden sorgt für mehr Sicherheit, sondern deren reibungslose und effiziente Zusammenarbeit."

(ki-)