Neuss: Zu viel Ramsch im Altkleidercontainer

Kleidersammlung in Neuss : Zu viel Ramsch im Altkleidercontainer

Immer mehr dreckige und kaputte Kleidung landet in Altkleidercontainern – das wird zum großen Problem für karitative Verbände in Neuss. Diese finanzieren soziale Projekte mit den Einnahmen aus dem Verkauf der Kleidung.

Eine der Hauptfinanzierungssäulen für soziale und humanitäre Projekte sind für karitative Vereine die Einnahmen aus Second-Hand-Läden. Diese werden mit Kleidung aus Sammelcontainern bestückt – doch landet immer mehr unbrauchbare Kleidung in den Behältern.

Laut Marc Dietrich, Vorstandssprecher des Deutschen Roten Kreuzes Neuss, sind die Erträge für den Verein in den vergangenen Jahren deshalb um „mindestens 30 Prozent gesunken“. Er ist froh, dass das Deutsche Rote Kreuz das Problem rechtzeitig erkannt hat und nun vermehrt auf ein Kleiderladen-Konzept setzt. In dem Rotkreuz-Laden an der Friedrichstraße kann aussortierte Kleidung persönlich abgegeben werden, dort würden die meisten Leute dann auch nur gut erhaltene Textilien abgeben.

Bei der Neusser Tafel funktioniert dieses Prinzip nur teilweise. Zwar würden viele Stammlieferanten in der Regel sehr gute Kleidung abgeben, doch landeten auch immer wieder stinkende und schmutzige Textilien bei der Tafel. „Es hat sich auf jeden Fall verschlimmert“, sagt Tafel-Vorsitzende Rebecca Schuh. „Das ist manchmal schon eine Zumutung für meine Leute.“

Doch nicht nur dreckige oder kaputte Kleidung, sondern auch billig produzierte Textilien, die aufgrund der schlechten Qualität nicht weiterverwendet werden können, sind ein großes Problem. Fast-Fashion ist kein zukunftsfähiges Konzept – das dürfte mittlerweile jedem klar sein. Bei diesem Geschäftsmodell des Textilhandels geht es darum, immer mehr Kleidung zu immer günstigeren Preisen zu verkaufen. Damit die Kleiderschränke nicht irgendwann platzen, geben viele ihre gebrauchten Textilien in Sammelcontainer. Aufgrund der minderwertigen Qualität der Kleidung kann diese meist nicht an Bedürftige weitergegeben oder als Second-Hand-Ware verkauft werden. Dadurch verzeichnen karitative Organisationen und Verwertungsunternehmen immer mehr finanzielle Einbußen. „Die ganze Branche hat riesengroße Probleme durch das erhöhte Mengenaufkommen der Kleidung in den Containern, aber die immer weiter sinkende Qualität der Textilien“, sagt Paul Schmitz von der Hamacher & Zimmermann GmbH, einem Altkleiderrecyclingunterneh­me­n, das einen Teil der Malteser-Altkleidercontainer in Neuss leert und vorsortiert.

In Neuss gehören die meisten Kleidercontainer zu karitativen Organisationen wie den Maltesern oder dem Deutschen Roten Kreuz (DRK). Die Container werden von zertifizierten Fachunternehmen geleert, die die Kleidung sortieren. Einen Teil der Textilien geben die Unternehmen zurück an karitative Vereine, die diese in eigenen Kleiderkammern oder Second-Hand Läden an Bedürftige geben oder verkaufen. Mit dem Erlös aus dem Verkauf werden gemeinnützige und humanitäre Projekte der Organisationen finanziert. Ein anderer Teil der Kleidung wird von den Verwertungsunternehmen an gewerbliche Textilverwerter weiterverkauft. Die jeweilige soziale Organisation, der der Container gehört, erhält anschließend Geldbeträge von den Verwertungsunternehmen.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass Altkleidercontainer häufig als Müllentsorgungsstätte benutzt werden. „Dadurch, dass immer mehr Hausmüll über die Container entsorgt wird, verschmutzen auch die Kleidungsstücke, die eigentlich in Ordnung sind oder macht diese zum Teil unbrauchbar“, erklärt Alexandra Hartig, stellvertretende Sprecherin der Abfall- und Wertstofflogistik Neuss (AWL). Die AWL kümmert sich um die regelmäßige Leerung und Säuberung vieler Containerstandplätze in Neuss. Der Missbrauch der Container als Abfallbehälter habe in den vergangenen Jahren zugenommen.

Dabei sind Kleiderspenden für karitative Organisationen essentiell. Mit aussortierter Kleidung können Mitmenschen Gutes für die Umwelt tun, da Ressourcen für eine Neuproduktion eingespart werden und zudem soziale Vereine und deren Projekte unterstützen. Doch sollte tatsächlich nur saubere sowie tragbare Kleidung in den Containern landen. Außerdem sollte sie unbedingt reiß- und wetterfest in Beuteln oder Tüten verpackt sein. Und: Sollte der Container überfüllt sein, die Ware nicht daneben abstellen, sondern telefonisch Bescheid geben.

Andreas Brumhard, Pressesprecher der Malteser, betont, wie wichtig es ist, nur gut erhaltene Kleidung in die Sammelcontainer zu geben: „Nur so kann Bedürftigen im In- und Ausland geholfen werden, den existenziell wichtigen Bedarf an Kleidung auch für sehr kleine Haushalts-Einkommen bestmöglich zu decken.“ Auch Achim Schmitz, stellvertretender Diözesangeschäftsführer der Malteser im Großraum Köln, mahnt: „Es muss ein Bewusstsein für Bekleidung als nachhaltiges, wertvolles Gut geschaffen werden.“ Denn: Sollten die Erträge weiter sinken und keine alternative Finanzierungsmöglichkeit gefunden werden, müssten ein Großteil der Projekte der Malteser im Bereich der Jugendarbeit sowie Angebote für Ältere und Menschen mit einem Handicap eingestellt werden.

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