Neuss: Zu Besuch bei der Tafel

Zu Gast bei der Neusser Tafel: "Es wird jeder versorgt"

Wie funktioniert die Essensvergabe eigentlich in Neuss? Wir haben uns in den Räumen umgeschaut. Dabei spielt es keine Rolle, aus welchem Umfeld die Menschen kommen, die hier Hilfe suchen.

Der kleine Vorraum der Neusser Tafel ist voll. Drei Frauen mit Einkaufstaschen passen nicht mehr rein. Sie warten trotz Kälte draußen. Es ist 15 Uhr. Die "blaue Gruppe" darf jetzt einkaufen. So steht es auch auf dem Schild, das an der Tür hängt. Einen Grund, Ausländer von der Vergabe auszuschließen, wie es in Essen aktuell der Fall ist, sieht die Neusser Tafel nicht.

Zwischen 40 und 50 Personen kommen an einem der drei Öffnungstage an die Düsseldorfer Straße. Diesen Monat ist es die "blaue Gruppe", die als erstes einkaufen darf. Um 15.40 Uhr ist dann zunächst die "rote Gruppe" für weitere 40 Minuten an der Reihe und zum Schluss betreten Personen mit grün gekennzeichneten Vergabekarten den Raum. Diese Reihenfolge wechselt monatlich. Der Anfangsbuchstabe des Nachnamens entscheidet, welcher Farbe man angehört. Der Vorteil der ersten Gruppe: Mehr Auswahl an Lebensmitteln. Und heute darf sich sogar jeder einen Strauß Tulpen mitnehmen.

Ein hölzerner Tresen trennt die Ware von den Bedürftigen. Ehrenamtliche Helfer packen Brokkoli, Brot und Kaffeefilter in grüne und weiße Körbchen. Ein Korb kostet 2,50 Euro. "Wir bezeichnen die Menschen nicht als Kunden, sondern wir erhalten für die Lebensmittel eine Spende von ihnen", sagt Gerd Palm, Mitarbeiter der Neusser Tafel. Wie viele Körbe eine Person mit nach Hause nehmen darf, hängt von der verfügbaren Ware ab und wie viele Personen in einem Haushalt ernährt werden müssen. Und nicht etwa von der Staatsangehörigkeit. "Es wird jeder versorgt, egal welcher Couleur, Kultur, Staatsangehörigkeit oder Glaubensrichtung", sagt Monika Luchs, Vorstandsmitglied der Neusser Tafel. Eine Einzelperson darf an guten Tagen bis zu zwei Körbe voll machen, eine Familie zwischen drei bis vier.

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Um 12 Uhr kommt der erste Wagen mit Körben. Heute sind es um die 30. "Das wird bei weitem nicht reichen", sagt Luchs. Für die erste Ladung sei es zwar noch in Ordnung und sie hoffe, dass später noch mehr komme. Denn es sei mitunter schwer zu vermitteln, dass die Tafel auf ehrenamtliche Helfer angewiesen ist und keinerlei Unterstützung erhalte. Zu negativen Vorfällen sei es aber bisher noch nicht gekommen. "Auch wenn die Regale leer sind, versuchen wir noch irgendwas zusammenzukratzen, so dass jeder was bekommt", sagt Luchs.

Die Voraussetzung ist allerdings, dass die Personen "bedürftig" sind. "Das ist sie, sobald sie Hartz IV bekommt", sagt Norbert Vahldiek, der für die Ausgabe verantwortlich ist. Man könne pauschal sagen, dass der Durchschnittsrentner bereits darunter fällt. Nicht selten kommt es vor, dass die Menge der Ware nicht besonders groß ist. "Wir erklären dann, dass nicht genug Ware da ist und sie an einem anderen Tag bestimmt wieder mehr bekommen."

(jms)