Neuss: Zeughauskonzert mit Sharon Kam und dem Jerusalem Quartet

Zeughauskonzert: Zwischen Rausch und zarter Melodie

Im Zeughauskonzert waren das Jerusalem Quartet und Klarinettistin Sharon Kam zu Gast.

Das Zeughaus, insbesondere die Konzertreihe mit dem Namen der ehemals mittelalterlichen Klosterkirche, hat sich als Spielstätte für renommierte Streichquartette etabliert. Jetzt war das „Jerusalem Quartet“ zu Gast, das wie kaum ein anderes Ensemble die lebendige Tradition des Streichquartetts verinnerlicht. Alexander Pavlovsky und Sergei Bresler (Violine) sowie Ori Kam (Viola) und Kyril Zlotnikov (Violoncello) harmonieren bei aller individuellen virtuosen Klasse vor allem im Ensemble phantastisch miteinander.

Das galt zunächst für das späte „Streichquartett G-Dur“ von Joseph Haydn. Nach energischem Beginn finden sich die vier Streicher in einheitlicher Melodie und exaktem Unisono zusammen. Ein choralartiges „Adagio“ wird feierlich gespielt, umso schneller das „Menuett“, im Finale steigert das Quartett sein Zusammenspiel rauschhaft.

Weil das „Jerusalem Quartet“ am Abend zuvor im Amsterdamer Concertgebow das „Streichquartett Nr. 2 Es-Dur“ von Erich Wolfgang Korngold mit großem Erfolg aufgeführt hatte, änderte es kurzfristig das Programm und spielte Korngolds Quartett im Zeughaus anstelle des folkloristischen „Streichquartett A-Dur“ von Dmitri Schostakowitsch.

Das zweite Streicherstück von Korngold stammt noch aus seiner wienerischen Zeit, bevor er 1934 wegen seiner jüdischen Abstammung in die USA emigrierte. Während der erste Satz seiner „wienerischsten“ Komposition fast ein wenig lieblos abgespielt wurde, konzentrierte sich das „Jerusalem Quartet“ glücklicherweise auf jeden Seufzer und jedes Glissando im Intermezzo, schwelgte im folgenden Larghetto und spielte den abschließenden Walzer mit wunderbaren Soli im Violoncello so, als wäre der Rosenkavalier im Zeughaus.

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Der hätte dann sicherlich auch Sharon Kam begrüßt. Die israelische Musikerin gehört zu den weltweit führenden Klarinettistinnen und spielte mit dem Streichquartett das „Klarinettenquintett h-Moll“  von Johannes Brahms. Während im ersten Satz das fast einheitlich erscheinende Klangbild zwischen Klarinette und Streichern verblüfft, wird die Klarinette im zweiten Satz wie ein Soloinstrument geführt.

Sharon Kam, ohnehin temperamentvoll, spielte alle Möglichkeiten zwischen zarter Melodie und virtuoser Geläufigkeit auf ihrem weichen Instrument aus.

Die Zugabe, das „Larghetto“ aus dem Klarinettenquintett von Wolfgang Amadeus Mozart, wirkte dann mit weit schwebender Klarinette über homogenen und gedämpften Streichern  wie ein wunderschönes „Betthupferl“.

(Nima)
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