Neuss: Wolfgang Bosbach will mehr National-Stolz

CDU-Politiker zu Gast in Neuss: Wolfgang Bosbach wünscht sich mehr National-Stolz

Der CDU-Politiker gastierte am Freitagabend im Haus Derikum – und richtete einen Appell.

Bedienungen in Trachtenkleidung, blau-weiße Servietten und Stehtische aus Pappe. Hätte man Wolfgang Bosbach mit verbundenen Augen ins Haus Derikum geführt und erst nach seiner Ankunft die Binde entfernt, der 66-Jährige würde wetten, auf einer zünftigen Oktoberfest-Sause gelandet zu sein. Doch von der rustikalen Kulisse ließ sich der erfahrene Politiker natürlich nicht beirren. Denn wenn Bosbach eins nicht beherrscht, dann das Erzeugen von Langeweile.

Auf Einladung der CDU-Stadtverordneten Waltraud Beyen gastierte Bosbach gestern an der Ruhrstraße. Beyen beruhigte ihren Gast gleich zu Beginn scherzhaft: „Frau Ditfurth ist heute nicht hier“ – und spielte damit auf jenen Moment an, als Bosbach erbost die Talkshow von Sandra Maischberger vorzeitig verließ, weil er der Sozialwissenschaftlerin Jutta Ditfurth nicht mehr zuhören wollte. Zuhören wollten ihm am Freitagabend viele im Haus Derikum. Und sie sollten eine Thematische Reise erleben. Aus der Hüfte, wie es Bosbach am liebsten macht. Das extra für ihn aufgestellte Rednerpult lehnte er ab.

Politikverdrossenheit? Die könne Bosbach bei den Menschen keineswegs beobachten – eine Politikerverdrossenheit hingegen schon: „Man traut uns alles zu. Oder nichts.“ Mit Ablauf der 18. Wahlperiode am 24. Oktober 2017 beendete Bosbach seine politische Arbeit im Deutschen Bundestag. Ein bisschen Wehmut? Mit Sicherheit. Die teilweise „unappetitlich harten“ Debatten im Bundestag hätten ihm den Abschied aber leichter gemacht.

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Welches Verhältnis haben die Deutschen zu ihrem Land? Bosbachs Eindruck: Oft ein schwieriges. Sein Appell: Man sollte stolz auf sein Vaterland sein dürfen und auch den Tag der Deutschen Einheit entsprechend zelebrieren: „Es ist toll, was wir in den letzten 28 Jahren gemeinschaftlich geschafft haben.“ Mit Nationalismus habe das nicht im Geringsten etwas zu tun.

Doch Bosbachs Kernkompetenz war und ist die Innere Sicherheit. Und natürlich verpasste der 66-Jährige auch im Haus Derikum nicht die Gelegenheit, eine Einschätzung zu geben. Der Terrorismus habe sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte gewandelt. Versuchten beispielsweise die Attentäter der RAF noch zu fliehen, gebe es heutzutage immer mehr Täter, die ihr Leben opfern, um möglichst viele Menschen zu ermorden. Diesbezüglich sprach sich Bosbach für eine bessere Prävention aus, um Täter vorher „abzufangen“.

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