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Neuss: Wohnberechtigungsschein geht auch mit 72.548 Euro brutto im Jahr

Bauen und Wohnen in Neuss : Vergünstigt wohnen bis 72.548 Euro brutto

Das Haushaltseinkommen bestimmt, wer einen Wohnberechtigungsschein (WBS) bekommt. Wer einen hat, der kann preiswerter mieten. Die meisten mit öffentlichen Mitteln geförderte Wohnungen, hält in Neuss der Bauverein bereit.

Stadtweit stehen 7700 Wohnungen zur Verfügung, die mit öffentlichen Geldern gebaut wurden. Tendenz fallend. Zur Jahrtausendwende waren es noch 12.625. Die Folge: Große Vermieter wie die Neusser Bauverein AG oder die Genossenschaft führen lange Listen. Die Stadt geht davon aus, dass eine Versorgung mit Wohnraum „nicht in allen Fällen mit den Wohnungen erfolgen kann, auf die die Haushalte nach dem Wohnberechtigungsschein Anspruch hätten“.

Doch spätestens hier beginnt das Problem. Niemand weiß genau, wie viele Menschen für einen Wohnberechtigungsschein – kurz WBS gerufen – in Frage kommen und wie viele von ihnen derzeit auch konkret eine Wohnung suchen. 1260 Namen werden auf der Warteliste des Bauvereins geführt; zwei von drei Interessenten geben an, Anspruch auf einen WBS zu haben. „Ob diese Einlassung einer amtlichen Prüfung stand hält, wissen wir nicht“, sagt Bauverein-Prokurist Niki Lüdtke.

Eine andere Zahl, die bekannt, aber nur bedingt aussagekräftig ist, nennt die NRW-Bank, die landesweit den Wohnungsmarkt beobachtet. Danach wurden 2017 im Neusser Rathaus 1022 WBS ausgestellt; die meisten von Alleinstehenden (464) und von Zwei-Personen-Haushalten (277). Aber ein WBS kann von drei Personengruppen beim städtischen Wohnungsamt beantragt werden: Haushalte, die nach Neuss ziehen möchten; Haushalte, die von Neuss wegziehen möchten, und Haushalte, die innerhalb von Neuss umziehen möchten.

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Vermutlich ist die Zahl derjenigen Neusser, die Anspruch auf einen WBS haben, viel höher als bisher angenommen. Zu dieser Überzeugung kommen die Manager der Neusser Bauverein AG. Zunächst, so sagt Lüdtke, sehe er ein Imageproblem: „Menschen melden sich aus falscher Scham nicht, weil sie WBS mit Sozialwohnungen gleichsetzen.“ Die Zeiten seien aber längst vorbei. Es gehe nicht um Almosen, sondern um Förderung. Wichtig sei, und darauf achte der Bauverein, „dass in den Quartieren ein gesellschaftlicher Mix unter den Bewohnern gelänge“. Beispielhaft verweist er auf das Areal der ehemaligen Sauerkrautfabrik Leuchtenberg. Dort entstehen 154 Wohneinheiten, von denen 121 öffentlich gefördert und 33 frei finanziert sind.

Einen Schritt weiter geht in seiner Analyse noch Frank Lubig, Vorstandschef des Bauvereins: „Viele wissen gar nicht, dass sie berechtigt sind, einen WBS zu beantragen.“ Dabei sei der Mieter der Profiteur. Wer einen WBS besitzt, zahlt nach den Förderrichtlinien des Landes maximal 6,20 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete für eine Neubauwohnung. Der Neusser Bauverein verlangt gar nur 6 Euro. Zum Vergleich: Für frei finanzierte Neubauten müssen um die 9,50 Euro je Quadratmeter gezahlt werden.

Darüber, wer einen WBS erhält, entscheidet das Haushaltseinkommen; die Grenzwerte hat der Gesetzgeber, das Land NRW, festgelegt. Um einen WBS zu erhalten, darf ein Alleinstehender im laufenden Jahr nicht mehr als 18.430 Euro netto verdienen. Aber selbst wer 72.548 Euro brutto im Jahr erhält – vierköpfiger Haushalt mit zwei Kindern – sollte einen WBS beantragen. Er würde einen der so genannten Kategorie B erhalten. Die dann zu zahlende Miete liegt zwar über dem Niveau der Kategorie A, aber immer noch deutlich unter dem freien Markt. Der Bauverein verlangt in der Kategorie B 6,80 Euro. Lüdtke betont, dass der Bauverein in Neuss auch frei finanzierte Wohnungen vermietet – zu Preisen unter dem Mietspiegel.