Neuss: Wirtschaft muss sich mit IT-Sicherheit gegen Cyber-Attacken rüsten

IT-Sicherheit in Neuss : Wirtschaft muss sich gegen Cyber-Attacken rüsten

Die IHK will von Firmen wissen, wie es um deren IT-Sicherheit bestellt ist. In vielen Fällen besteht Nachholbedarf.

Die Zahlen sind besorgniserregend. 68 Prozent der Industrieunternehmen in Deutschland geben an, in den vergangenen beiden Jahren Opfer von Datendiebstahl, Industriespionage oder Sabotage geworden zu sein. Weitere 19 Prozent seien vermutlich betroffen gewesen. Das geht aus der „Wirtschaftsschutzstudie“ hervor, die der Digitalverband Bitkom Ende 2018 vorgelegt hat. Zahlen, die auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in seinem Lagebild aufgreift – und die bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein die Alarmglocken schrillen lassen.

IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz mahnt: „Das Thema IT-Sicherheit wird von vielen Firmen vernachlässigt.“ Daher hat die Kammer nun in Zusammenarbeit mit dem an der Hochschule Niederrhein ansässigen Kompetenzzentrum „Clavis“ eine Unternehmens-Umfrage gestartet. Erstens soll der Sachstand zur IT-Sicherheit ermittelt werden. Zweitens sollen die Firmen für das Thema sensibilisiert werden. Bitkom-Präsident Achim Berg hat angesichts der Bedrohungslage bereits betont: „Wer nicht in IT-Sicherheit investiert, handelt fahrlässig und gefährdet sein Unternehmen.“

Zugenommen hat laut BSI die Zahl der Sicherheitsmeldungen von Betreibern kritischer Infrastrukturen. 157 seien es in der zweiten Jahreshälfte 2018 gewesen. Im vorherigen Berichtszeitraum (1. Juni 2017 bis 31. Mai 2018) waren es 145, im entsprechenden Zeitraum davor 34. Zu Betreibern kritischer Infrastrukturen zählen zum Beispiel Stadtwerke und Krankenhäuser. Sicherheit genießt dort noch einmal eine besondere Priorität. Jürgen Scheer, Sprecher der Stadtwerke Neuss, betont, dass sich der kommunale Energieversorger nicht nur über „entsprechende Firewall-Einstellungen und deren regelmäßige Aktualisierungen vor Cyber-Angriffen“ schützt. Von unabhängiger Stelle haben die Stadtwerke Neuss auch zertifiziert bekommen, dass ihr Gasnetz und die Netzleitstelle den gesetzlichen IT-Sicherheitsanforderungen entspricht. Die Betreiber von Energieversorgungsnetzen sind gesetzlich verpflichtet, ihre Netze sicher zu betreiben. Dazu müssen Vorgaben aus dem IT-Sicherheitskatalog des BSI eingehalten werden.

In Neuss ist man für das Thema Cyber-Kriminalität durchaus besonders sensibilisiert, seit das Lukaskrankenhaus vor drei Jahren mit einer sogenannten Ransomsoftware attackiert wurde. Bei einem solchen Angriff wird ein Schadprogramm auf fremde Rechner gespielt, das Daten verschlüsselt. In der Regel fordern Täter daraufhin Lösegeld. Im Lukaskrankenhaus mussten nach der Attacke sämtliche IT-Systeme heruntergefahren werden. Patientendaten gerieten jedoch nicht in die Hände Krimineller. Das Lukaskrankenhaus ging offen und transparent mit dem Angriff um – mittlerweile wird dies bundesweit als vorbildlich bezeichnet und Geschäftsführer Nicolas Krämer ist ein gefragter Ansprechpartner zu den Themen Digitalisierung und IT-Sicherheit, die im „Lukas“ professionell aufgestellt sind.

Zudem wurde das „Lukas“ gerade vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut als „Digital Champion“ ausgezeichnet. Grundlage war eine breitangelegte Studie im Auftrag von „Focus Money“.

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