1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Neuss wird Top-Standort für die Autobranche

Neuss : Neuss wird Top-Standort für die Autobranche

Mit Ansiedlung von Johnson-Controls steigt Neuss zum zweitgrößten Standort der Automotive-Industrie in NRW auf. Ruia steht vor der Rettung.

Die Rettung der deutschen Werke der Ruia-Gruppe und damit auch der Neusser "Schraubenfabrik" am Hauptbahnhof ist so gut wie perfekt, der Neubau des Pierburg-Werkes am Hafen schreitet voran, die Ansiedlung von Johnson-Control an der Jagenbergstraße perfekt. Drei Nachrichten, die eines gemeinsam haben: Jobs in Neuss — in Unternehmen der Automobilzuliefer-Industrie. Ist "Food-City" Neuss in Wahrheit eine Autostadt?

Von der Größenordnung habe dieser Industriezweig im Laufe der vergangenen Jahre in der Tat die Größenordnung der Lebensmittelindustrie beinahe erreicht, stellt Frank Wolters fest. Der Leiter des Amtes für Wirtschaftsplanung zählt rund 2500 Arbeitsplätze in Neuss, die direkt dem Industriezweig Automobil-Zulieferer zuzuordnen sind. "Nach Köln ist Neuss damit der zweitgrößte Automotive-Standort in Nordrhein-Westfalen", sagt Wolters. Bochum, wo in den Opel-Werken spätestens 2016 die Fertigung eingestellt wird, hat er schon nicht mehr berücksichtigt.

"Dass Schöne an dieser Stadt ist, dass man sich nicht auf eine Branche konzentrieren muss", erklärt Bürgermeister Herbert Napp. "Das macht krisensicher." Im Rathaus rechnet man damit, dass die Firma Johnson-Controls, die in den kommenden Wochen ihrer Sparte für die Entwicklung von Fahrzeuginnenräumen mit 450 Arbeitsplätzen komplett von Burscheid nach Neuss verlegt, schon im nächsten Jahr als Steuerzahler spürbar wird. Von der Firma Pierburg, die im Hafengebiet ihre Fertigungsstätten aus Neuss und Nettetal zusammenzieht und gerade den ersten Spatenstich für ihr neues Werk Niederrhein feiern konnte, wird nach Napps Überzeugung ab 2015 als Gewerbesteuerzahler an die Stadt kassenwirksam.

Mit mehr als 800 Jobs ist Pierburg der größte Neusser Betrieb aus dem Segment Automobil-Zulieferer. Aber eben bei weitem nicht der einzige. Die Firma AVL Emissions-Test-Systeme, eine ehemalige Pierburg-Tochter, entwickelt am Standort Neuss Technologien zur Emissions-Messtechnik für Unternehmen der Fahrzeugindustrie, und an der Düsseldorfer Straße ist die TI Automotive mit Labors für die Sparte Kraftstofftanksysteme für Autos ansässig. Um nur einige zu nennen. Angesichts dieser Fülle hofft Wolters, dass die Automobilbranche, die im Bereich Industrie breit aufgestellt ist, auch im Bereich Handel und Autodienstleistungen neue Impulse bekommt: "Vielleicht gibt das einen Ruck in Richtung Automeile."

Eines der traditionsreichsten Unternehmen, das der Automobilindustrie Produkte zuliefert, ist der Spezialist für mechanische Verbindungssysteme Ruia Global Fasteners (Bauer & Schaurte). Dieses Unternehmen befindet sich seit März 2012 im Insolvenzverfahren — doch die Rettung ist in Reichweite. Ilona Brockhoff vom Büro des Insolvenzverwalters bestätigt, dass über einen auf exklusiv mit einem US-Investor verhandelt wird. "Vertragsschluss ist in ein bis zwei Wochen."

(NGZ/ac)