Bürgermeister, Landrat, Bundestagsabgeordnete im Rhein-Kreis Neuss Das Personalkarussell der Politik

Meinung | Rhein-Kreis · Es dauert zwar noch bis zu den nächsten Wahlen im Rhein-Kreis Neuss – und doch, das Feld der Bewerber sortiert sich langsam. Eine Einordnung.

Noch drei Jahre bis zur nächsten Kommunalwahl, aber über Personalien wird bereits heiß diskutiert.

Noch drei Jahre bis zur nächsten Kommunalwahl, aber über Personalien wird bereits heiß diskutiert.

Foto: dpa/Fabian Strauch

Die CDU Dormagen schaltet nach langen innerparteilichen Querelen in neuer Geschlossenheit von Partei und Fraktion demonstrativ in den Wahlkampfmodus. Die Parteiversammlung Anfang der Woche war ein Signal. Nicht anders bei den Christdemokraten in Neuss. Parteichef Jan-Philipp Büchler hat bereits vor zwei Wochen die „Operation Wiederaufstieg“ gestartet. Das Ziel ist klar: Die Christdemokraten sind es leid, zwar die größte Fraktion im Stadtrat zu sein, aber letztlich ohne Mehrheit nur wenig bewegen zu können. Nach der Kommunalwahl 2025 soll die CDU in Neuss wieder die Führungsrolle übernehmen.

Noch drei Jahre sind es bis zur Kommunalwahl, aber so langsam sortiert sich das Feld der Bewerber um die Spitzenposten. Die Zielvorstellungen der Parteien werden konkreter. Die CDU traut sich nach der mit vielen Niederlagen verbundenen Wahl von Bürgermeistern und Räten 2020 wieder aus der Deckung. Und die SPD? Der Druck ist weniger groß, natürlich, denn die Bürgermeister in den „roten Rathäusern“ in Neuss, Grevenbroich, Dormagen und Rommerskirchen sind zunächst unangefochten und können gestalten.

Von Reiner Breuer in Neuss zum Beispiel ist kaum etwas anderes zu erwarten als die Bewerbung um eine dritte Amtszeit. Und dennoch sind Fragen offen. Beispiel Landratswahl: Wer soll es machen für die Sozialdemokraten? Immer wieder heiß gehandelt in diesem Zusammenhang: Rommerskirchens Bürgermeister Martin Mertens. Weniger als seine SPD-Amtskollegen in anderen Städten arbeitet er sich an Kreis und Landrat Hans-Jürgen Petrauschke (CDU) ab, sondern nutzt clever Kooperationen zugunsten der kleinsten Kommune im Kreisgebiet.

Auffällig zuletzt das Lob für Kreisdirektor Dirk Brügge (CDU) nachdem dieser mit der Zukunftsagentur Rheinisches Revier eine neue Mobilitätsstrategie für die Region vorgestellt hatte. „Ich möchte an dieser Stelle festhalten, dass – egal, ob wir unterschiedlicher politischer Couleur sind – ich immer wieder feststelle: Dirk Brügge hat Strukturwandel verstanden und setzt die richtigen Themen.“ Brügge, so Mertens, sei „unzweifelhaft ein guter Mann für den Rhein-Kreis Neuss“. Das klingt fast schon nach einem Empfehlungsschreiben für einen CDU-Landratskandidaten Brügge. Oder nach einer ausgestreckten Hand des zukünftigen Landrates Mertens in Richtung „seines“ Kreisdirektors? Brügge als Landratskandidat der CDU wäre möglich.

Wenn Namen gehandelt wurden, waren es zuletzt allerdings meist andere: CDU-Kreisvorsitzender und Bundestagsabgeordneter Ansgar Heveling könnte es sein, Katharina Reinhold, bereits stellvertretende Landrätin, war auch schon im Fokus, neuerdings kommt Martin Stiller hinzu, als Kämmerer und Dezernent zwar erst seit März beim Kreis, vielen in der CDU jedoch für eine Aufgabe „nur“ in der Verwaltung viel zu schade. Abgesehen davon, dass Petrauschke nebenbei gern immer mal wieder die Bemerkung fallen lässt, dass er ja theoretisch noch einmal antreten könnte.

Eine Frage ist unterdessen vielleicht ein bisschen weniger offen: SPD-Bürgermeister Erik Lierenfeld aus Dormagen wurden immer wieder Ambitionen nachgesagt, bei der nächsten Bundestagswahl anzutreten. Mit dem Nachrücken von Daniel Rinkert in den Bundestag ist das weniger wahrscheinlich, denn Rinkert ist nun erst einmal gesetzt. Der SPD-Kreisvorsitzende hatte Hermann Gröhe (CDU) zuletzt zwar nicht schlagen, aber doch einen harten Kampf abnötigen können.

Wer nun möglicherweise sein nächster Gegner aus den Reihen der CDU sein wird, ist hingegen noch offen. Gröhe könnte weitermachen, in der Partei drängen aber viele auf einen Generationswechsel. Bleibt noch die Frage nach der Bedeutung des wahrscheinlichen Wechsels des Neusser SPD-Fraktionschefs Arno Jansen als Beigeordneter ins Grevenbroicher Rathaus. Deutet sich da schon eine Nachfolge für Bürgermeister Klaus Krützen an? Nicht unmöglich, aber – Stand heute – eher unwahrscheinlich: Krützen ist motiviert und kann sich eine weitere Amtszeit vorstellen.

Jansen wäre ein Backup, vorausgesetzt, er verkraftet seine zweite Niederlage gegen Jörg Geerlings bei der jüngsten Landtagswahl, analysiert, woran es gelegen hat und positioniert sich neu. Bevor sich der SPD-Mann erneut um ein politisches Spitzenmandat bewirbt, wird er für sich sehr genau bewerten, wie seine Chancen stehen. Eine dritte Niederlage wird er kaum riskieren wollen.

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