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Neuss: Wenn Naturwissenschaften auf Kunst treffen

Ausstellung in der Alten Post in Neuss : Wenn Naturwissenschaften auf Kunst treffen

Was passiert, wenn Künstler und Wissenschaftler gemeinsame Sache machen? Allein der Titel „WISSENschaftKunst“ der aktuellen Ausstellung in der Alten Post deutet auf diese Kooperation in.

Fast alle Exponate sind eigens für diese Ausstellung geschaffen worden. Im Vorfeld hatte es Treffen gegeben. Dabei waren als Schwerpunkte „Visuelles Farbempfinden“, geometrische (T)räume und Strukturbildung festgelegt worden.

Beteiligt an dieser Ausstellung sind acht Personen, darunter ein Wissenschaftler und etliche Künstlerinnen und Künstler, die ein naturwissenschaftliches Studium absolviert haben. Sie kommen aus Neuss – mit einer Ausnahme: Tine Wirz lebt und arbeitet in Krefeld. Die Mathematik- und Kunstlehrerin hat unter anderem ein Video gestaltet. Die Bilder, die sie jetzt zeigt, sind Screenshots aus dem Video, die sie nachträglich bearbeitet hat. So entstanden durchaus dekorative Muster. Für Alwina Heinz ist die Ausstellung wie gemacht: Technische Einflüsse sind bei ihrem Schaffen an der Tagesordnung. „Strukturen in einem Moment, in dem Kreativität entsteht.“ Zwar angereichert mit malerischen Elementen, wirken viele ihrer Arbeiten wie Schaltpläne, wie technische Zeichnungen und zwar nicht nur in dieser Ausstellung. Gisa Rosa zeigt ein breites Spektrum künstlerischen Schaffens. Typisch für sie ist die runde Form ihrer Bilder – abstrakte Malerei mit Strukturbildung. Aber von Gisa Rosa stammen unter anderem auch die sich überlagernden Fünfecke und andere Exponate mit einer klaren Formensprache. Johannes Schwelm ist mit Bildern und Skulpturen vertreten. Bevorzugtes Material ist Holz, bei den Skulpturen sowieso und bei den Bildern dient es als grob gearbeitete Rahmen. Die Skulpturen sind bunt, mit Schrift versehen und strahlen trotz des stets kritischen Hintergrunds eine enorme Heiterkeit aus. Till Bödeker hat eine Tafel aus der Düsseldorfer Universität mitgebracht. Dort geht es um Logikbeweise, man sieht, dass die Tafel immer neu beschrieben wurde, wenn auch nicht von Till Bödeker. Von Robert Wilmers stammt die raumgreifende Installation „Tetraeder“, die fast bis an die Decke reicht. Die Holzkonstruktion wird durch Spanngurte gestützt. Dieses Objekt erinnert an eine Weltkugel und an eine Welt, die sehr fragil ist. Mascha Malzeva, die unter anderem Mathematik studiert hat, hat sich unter anderem mit Mitteln der Malerei Themen wie dem Schwarzen Loch oder dem Weißen Loch. Gibt es diese Phänomene? Die Ausstellung regt zum Nachdenken an. Kiril Maltsev ist der Bruder von Mascha Malzeva. Er ist Physiker und mit mehreren interessanten Exponaten vertreten. In einer Projektion in einer kleinen Kammer im Erdgeschoss ist das Wort „Frieden“ in unterschiedlichen Farben zu sehen. Im ersten Obergeschoss demonstriert er, was er aus einem Foto, auf denen Züge auf Gleisen stehen, gemacht hat: Es sind eigenständige Kunstwerke voller gleichmäßiger Strukturen, die so gut wie nichts mehr gemeinsam haben mit dem Ausgangsfoto.

Die Ausstellung  ist noch bis zum 8. Mai im Kulturforum Alte Post zu sehen. Rudolf Barnholt