Neuss: Neuss wächst nur durch Zuzüge

Neuss : Neuss wächst nur durch Zuzüge

Im Vergleich zu 1988 leben 6791 Neusser mehr in der Stadt, obwohl mehr Menschen sterben als geboren werden. Wo gebaut werden kann, ziehen junge Familien hin. Die NGZ sagt, welche Stadtteile wachsen, welche schrumpfen.

Für Herbert Napp (65) besitzt die Stadt die "ideale Betriebsgröße". Der Bürgermeister meint damit, dass Neuss mit seinen mehr als 153 000 Einwohnern Überschaubarkeit und Maßstäblichkeit bewahrt und zugleich die Angebote einer Großstadt bereithält.

Um diese Balance von Tradition und Moderne auf Dauer zu sichern, mobilisiert der Rathaus-Chef viele Kräfte, um die Bevölkerungszahl auch in Zukunft stabil auf diesem Niveau von 150 000 zu halten. Gelinge das nicht, so mahnt Napp, führe das unweigerlich zu einem Abbau von Infrastruktur und somit zu einem Absinken der Lebensqualität. Oder anders ausgedrückt: Weniger Neusser müssten die öffentlichen Standards bezahlen. Steuern und Gebühren würden kräftig steigen.

Um die Einwohnerzahl stabil zu halten oder gar gegen den Trend zu wachsen, bedarf es großer Anstrengungen. Denn die Wissenschaft ist sich einig, dass der demografische Wandel längst eingeleitet ist. Die Deutschen werden weniger und die deutsche Gesellschaft wird älter. Bisher hat sich Neuss erfolgreich behauptet. Sie ist die einzige Stadt (plus 0,9 Prozent) der Region neben Düsseldorf (plus 3,4), deren Bevölkerung gewachsen ist. Seit 1988 legte Neuss gar um 6791 Einwohner zu.

Diese Entwicklung lässt sich nur fortsetzen, wenn weiterhin Menschen neu in die Stadt ziehen — vornehmlich junge Familien aus Düsseldorf. "Es geht nur über Zuzug", bestätigt Wolfgang Düsing (60), Chefstatistiker im Rathaus, "denn die Zahl der Sterbefälle ist in Neuss höher als die Zahl der Geburten." Im Klartext: Ohne Neubürger, die von anderswo nach Neuss ziehen, würde die Einwohnerzahl sinken.

Dabei ist die Entwicklung in den Neusser Stadtteilen durchaus unterschiedlich. Eine Analyse lohnt.

Die Gewinner Zwei große Baugebiete im Neusser Süden sind in erster Linie dafür verantwortlich, dass die Stadt Neuss wächst: Allerheiligen, das zum Stadtbezirk Rosellen (plus 4530 seit 1988) gehört, und Grimlinghausen (plus 3697), vor allem südwestlich der Bonner Straße.

Während das Projekt Grimlinghausen seinem Ende zu steuert, wird Allerheiligen dank Gebiet B auch noch weiterhin Neubürger anlocken. Weitere Stadtteile, die in den vergangenen Jahren zulegten, sind vor allem das Augustinusviertel (Meertal), Furth-Süd (Container-Bahnhof) und Furth-Nord mit dem Baugebiet Am Nehringskamp.

Die Verlierer Die Liste der Stadtteile, die seit 1988 kräftig Einwohner verloren haben, führen Weckhoven (minus 1276) und Erfttal (minus 1226) an — dabei sind die vermeintlichen Verlierer womöglich auch Gewinner. Der Grund: In Weckhoven und in Erfttal läuft eine Art Stadtreparatur. Mehrgeschossige Gebäude des sozialen Mietwohnungsbaus werden saniert, zum Teil abgerissen und durch kleinere Einheiten ersetzt. Das führt letztlich zu einer sinkenden Einwohnerzahl. Ähnliches gilt für Gnadental, wo der Bauverein seinen Bestand ("Raupenhaus") modernisiert.

Das Thema wird am Dienstag fortgesetzt.

(NGZ)
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