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Neuss: Vom Fischer und seiner Frau

Premiere im Rheinischen Landestheater Neuss : „Vom Fischer und seiner Frau“ verzaubert nicht nur die Kleinen

Das Rheinische Landestheater hat das bekannte Märchen über den braven Fischer und seiner habgierigen Frau als Puppenspiel auf die Bühne gebracht. Das Stück verzaubert nicht nur die kleinen Zuschauer.

Die Frau auf der Bühne muss nur mit den Fingern schnippen, und schon wird es auf ihr Kommando hell oder dunkel im Saal. Tag, Nacht, Tag, Nacht, so geht es eine ganze Weile. „Guten Morgen, ich bin Gott", stellt sie sich dann schließlich vor. „Ich habe die Welt und alles erschaffen, die Wolken, das Wasser, die Menschen. Aber die Menschen brauchen mich nicht mehr." Betrübt hält sie inne.

Gebannt lauschen die kleinen Zuschauer im Rheinischen Landestheater den Worten von Sarah Wissner. Die Schauspielerin trägt einen weißen Anzug und einen Zylinder. Mit zwei allerliebsten Handpuppen erzählt sie anschaulich und zu Herzen gehend das Märchen „Der Fischer und seine Frau". Eine Parabel der Brüder Grimm, in der mit dem Wohlstand die unersättliche Habgier wächst, die am Ende ihren Tribut fordert. Alles gewonnen, alles verloren.

Fischer Herbert ist ein ganz Braver, seine Frau Ilsebill dagegen ein mürrisches Teufelsweib. Kein Wunder, dass er sich kaum heimtraut, wenn er fünf Tage hintereinander nicht einen einzigen Fisch gefangen hat und der Hunger bei beiden übermächtig ist. In seiner Not sitzt er am Wasser und stöhnt "Oh Gott, was soll nur werden?"

Der Seufzer bleibt nicht ungehört. Gott ist glücklich, dass ihn jemand ruft. Endlich wird er gebraucht! Endlich kann er Gutes bewirken! Rasch stülpt sich Sarah Wissner eine blaue Bademütze auf, verwandelt sich in einen Fisch und taucht mit einem satten "Blubb Blubb" neben dem überraschten Fischer auf: "Ich bin der Butt!"Herbert glaubt an eine Erscheinung, fasst dann aber Vertrauen zum Butt und klagt ihm sein Leid. Der dicke Fisch verspricht, die Bruchbude der Eheleute durch eine stabile Hütte zu ersetzen.

Zunächst ist Ilsebill selig über das Gemüsebeet, den Obstgarten, die Speisekammer voller Käse, Schinken und Croissants. Doch schon am nächsten Tag mäkelt sie: „Warum hast du dir nicht gleich ein richtiges Haus gewünscht? Ein Steinhaus mit Kamin, wie die Nachbarn es haben? Tausche die Hütte um!" Herbert gibt widerstrebend nach, und der gutmütige Butt strengt sich weiter an, Ilsebills Ansprüche zu erfüllen. Erst beschafft er ihr eine Villa aus grünem Sandstein. "Ich will König werden", fordert Ilsebill. Und schwupp, steht auf einem Berg ein Schloss mit Ballsaal, Weinkeller, 24 Schlafzimmern und einem prächtigen Thron. Danach pocht sie auf die Kaiserkrone und bekommt auch sie. Im Publikum schaltet sich flüsternd der sechsjährige Laurie auf dem Nebensitz ein: "Die ist wirklich unverschämt!"

Doch Ilsebill schraubt ihre Forderungen weiter in die Höhe. Papst will sie jetzt werden und das höchste Amt auf Erden bekleiden, was Gott ihr gerade noch so durchgehen lässt. Erst als sie darauf besteht, selber Gott zu werden, wird es dem Allmächtigen zu bunt. Strafe muss sein. Ob Ilsebill das endlich auch kapiert? Natürlich geht das Märchen gut aus. Der Fischer und seine Frau beginnen noch einmal von vorn, und das gewiss nicht schlecht und sogar in großer Eintracht.

In 40 Minuten wird eine entzückende Geschichte erzählt. Ihren Reiz bezieht sie aus dem beeindruckenden Zusammenspiel von Mensch und Puppen. Geschickt erweckt Sarah Wissner die Figuren zum Leben. Fasziniert schaut man zu, wie gelenkig sie sich bewegen und wie liebevoll sie sich aneinanderschmiegen.

Gebaut wurden die Puppen von Lutz Großmann, der auch Regie führt und gemeinsam mit Sarah Wissner die Textfassung des Stücks geschrieben hat. Bei der Premiere auf der Studiobühne gab es dafür viel Beifall. Empfohlen wird das Puppenspiel "Der Fischer und seine Frau" für Zuschauer ab vier Jahre. Doch nicht nur die Kleinen, auch die Erwachsenen ließen sich gern von dem Märchen verzaubern.