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Neuss: Vivo-Projekt zum Schulübergang an der Gesamtschule Norf

Kooperationsprojekt in Neuss : Schüler entwickeln Filme für den Schulübergang

Die Sechstklässler der Gesamtschule Norf werden zu Produzenten: Sie entwickeln Filme, die anderen Kindern helfen sollen, den Wechsel auf die weiterführende Schule gut zu meistern. Unterstützt werden die von der Kinderstiftung Lesen bildet und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft.

Neue Lehrer, neue Fächer, neue Mitschüler und ein neues Gebäude, das viel größer ist als die Grundschule: Die erste Zeit als Fünftklässler kann aufregend sein. Und nicht immer ist die Umgewöhnung leicht. Auch Ruby und Noah können sich an die Herausforderungen erinnern. „Anfangs wusste man nicht, wo man hin muss“, sagt Noah, der mittlerweile in die sechste Klasse der Gesamtschule Norf geht. Und Ruby weiß noch gut, wie ungewohnt es war, dass ihre Freundin nicht mehr auf der gleichen Schule ist.

Damit der Übergang von der Grundschule in die weiterführenden Schule gut gemeistert werden kann, gibt es ein Schulprogramm der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw): „Vivo – Zukunftschancen für Kinder am Übergang in die Sekundarstufe I“, so der Name, soll für mehr Chancengerechtigkeit beim Schulwechsel sorgen. Dies sei vor allem für Kinder aus sozial benachteiligten Familien wichtig, deren Eltern sie bei diesem Schritt nicht unterstützen können.

Dafür wurden verschiedene Unterrichtsmaterialien entwickelt, die in Grundschulen und weiterführenden Schulen zum Einsatz kommen: Das sind zum Beispiel Arbeitsblätter, die Themen wie „Klassengemeinschaft“ oder „Das Lernen lernen“ aufgreifen. Denn neben den äußeren Faktoren, die der Schulwechsel mit sich bringt, gibt es auch inhaltliche Herausforderungen: Das Lernen verändert sich und es gibt neue, fächerspezifische Sprachen. Die sdw fördert aus Eigenmitteln die Verankerung dieser Materialien in Hamburg und Schleswig-Holstein und begleitet die Implemetierung in Schulverbünden. Im vergangenen Jahr kam das Programm auch nach NRW: Mit Unterstützung der Kinderstiftung Lesen bildet hat Vivo die Unterrichtsbausteine in der fünften Klasse an der Gesamtschule Norf erprobt und diese anschließend allen Neusser Schulen zur kostenfreien Nutzung zur Verfügung gestellt. Das Fazit von Sandra Röhrbein-Kaske, didaktische Leiterin an der Gesamtschule Norf, fällt positiv auf: „Es ist eine wertvolle Sache, das Programm passt hervorragend zu uns“, sagt sie. Die Inhalte seien punktuell gesetzt und nicht überladen.

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Weil der erste Teil so gut ankam, gibt es nun ein gemeinsam finanziertes Folgeprojekt: Es soll eine digitale Erweiterung zu dem bisherigen Material sein. Dafür werden nun an der Gesamtschule Norf vier Filme entwickelt, die den Übergang in die weiterführende Schule thematisieren. Das Besondere: Die Schüler einer sechsten Klasse der Gesamtschule werden bei der Konzeption helfen: „Immerhin können sie sich am besten daran erinnern, welche Herausforderungen es gab, als sie an die neuen Schule angekommen sind“, erklärt Saskia Wittmer-Gerber, Bereichsleitung bei der sdw. In einem kreativen Workshop hat die Klasse von Noah und Ruby jetzt begonnen, Figuren zu entwickeln und erste Geschichten zu schreiben: Die werden im Anschluss von einem Autor aufgegriffen, die Figuren werden von einem Grafiker gezeichnet und später animiert. All das können die Kinder Schritt für Schritt verfolgen. Sie sind es auch, die das erste Zwischenergebnis zu sehen bekommen – dann können sie Feedback geben und die Filme um mögliche Ideen ergänzen. „Nebenbei lernen sie die verschiedenen Berufe kennen – von Illustrator bis Tontechniker“, erklärt Saskia Wittmer-Gerber.

Besonders freut sich Heinz Mölder, Vorstandsvorsitzender der Kinderstiftung Lesen bildet, über die Nachhaltigkeit des Projekts: „Die Filme, die an der Gesamtschule Norf entwickelt werden, können später bundesweit auch anderen Schulen für den Unterricht eingesetzt werden. Aber auch zu Hause können die Videos abgerufen werden“, sagt er. „Mein besonderer Dank gilt dem Unternehmerehepaar Michael Kalus und Marion Tiefenbacher-Kalus, die zwei Drittel der Projektkosten gespendet haben. Weitere Spenden steuerten die Marandi Stiftung in Neuss und die Stiftung der Unternehmerschaft Neuss und Umgebung mit Sitz in Krefeld bei.“ „Uns hat das Programm gut gefallen, der Schulwechsel ist ein großer Einschnitt, es ist wichtig, den Kindern ihre Startschwierigkeiten zu nehmen“, sagt Michael Kalus. Auch der Beigeordnete Ralf Hörsken lobt das Projekt: „Die Bildungsübergänge in Deutschland funktionieren nicht, da ist das ein guter Ansatz.“