1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Vier Preise beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

Geschichtswettbewerb : Zwei Landespreise und viel Lob für Schülerinnen aus Neuss

„Bewegte Zeiten. Sport macht Geschichte“ war das Wettbewerbsthema beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Dabei waren Schülerinnen aus Neuss erfolgreich. Nur: Jungs aus der Quirinus-Stadt nahmen nicht teil. Jens Metzdorf, Leiter des Stadtarchivs, hat eine Vermutung, woran es liegen könnte.

Im Jahr 2008 war Schluss mit der Versehrten-Sportgemeinschaft in Neuss. „Ausgestorben“ könnte man sagen, denn der Verein hatte es nach Überzeugung von Henrike Edler (20) versäumt, sich über den Kreis derer hinaus zu öffnen, die im Zweiten Weltkrieg verwundet oder verstümmelt worden waren, und sich zu einem inklusiven oder Behinderten-Sportverein weiter zu entwickeln. Die VSG wurde aufgelöst, ihr Schriftgut an das Stadtarchiv abgegeben – und dort jetzt von der Lehramtsstudentin und Marienberg-Schülerin Edler ausgewertet. Daraus entstand eine Arbeit, die die Entwicklung des Neusser Sports für Menschen mit Behinderung insgesamt in den Blick nimmt und für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten eingereicht wurde.

Am Dienstag nun machte die hinter dem Wettbewerb stehende Körber-Stifung öffentlich, dass Edler einen von bundesweit 245 Landespreisen gewonnen hat und damit im Wettbewerb um einen Bundespreis bleibt. Den hat auch Romy Klein (16) noch im Visier, die sich in einer Vergleichsstudie mit dem Boykott der Olympischen Spiele in Moskau 1980 und dessen Wahrnehmung in Ost und West beschäftigt hat. Dabei konnte sie sich auch auf die Berichte ihrer deutschen und ihrer russischen Großmutter stützen, die sie als Zeitzeugen befragte. „Ich wollte von Anfang an auf meine russisch-deutsche Herkunft Bezug nehmen“, sagt sie.

  • Hans-Peter Albert (r.) von der Gesellschaft
    Aus dem Nachlass vom Technischen Leiter im Pressehaus Neuss : NGZ vom 16. Mai 1945 — Stadtarchiv erhält Rarität
  • Anne Frank Tag/Anti-Rassismus-Tag -GS Rheydt-Muelfort
    Gesamtschule Rheydt-Mülfort in Mönchengladbach : Schüler arbeiten zum Thema Rassismus und Zivilcourage
  • Vorsitzender Rainer Schäfer (l.) übergibt den
    Hanse-Preis zum fünften Mal in Neuss vergeben : „Die RheinLand ist ein Gesicht der Stadtgesellschaft in Neuss“

Sieben von bundesweit 1349 Beiträgen gingen zum Wettbewerb aus Neuss ein, vier davon wurden mit einem Preis bedacht. Für die Arbeiten zum Frauensport bei der TG Neuss, der Geschichte des Schwimm-Unterrichtes in Neuss sowie einer indischen Tanzart war nicht mehr als eine lobende Erwähnung drin. Doch Carlotta Sohn und Louisa Schultz vom Gymnasium Marienberg heimsten mit ihrer Arbeit über die Neusser Wasserwacht in einer ganz neuen Kategorie einen Sachpreis ein. Sie hatten sich dafür entschieden, ihr neues Wissen nicht einfach nur aufzuschreiben, sondern als Podcast zu produzieren. Auch Yarengül Albeni (17), Hanna Liman (17) und Dilara Yildirim (18) vom Marie-Curie-Gymnasium hatten sich für eine andere Form der Präsentation entschieden. Sie wollten in einem Dokumentarfilm zeigen, wie die asiatische Kampfsportart Karate aus Asien nach Neuss kam, wo sie beim KSK Konkordia gepflegt wird. Dass der Film nicht über das fertige Drehbuch hinaus kam, lag an der Corona-Pandemie. Einen der bundesweit 250 Förderpreise gab es trotzdem.

„Bewegte Zeiten. Sport macht Geschichte“ war dieses Mal Wettbewerbsthema. Dass dazu nur Arbeiten aus den Schulen eingingen, mit denen das Stadtarchiv eine Bildungspartnerschaft unterhält, wunderte Annekatrin Schaller, im Archiv zuständig für historische Bildungsarbeit, nicht. Nicht erwartet hatte sie allerdings, dass das Thema Sport nur bei Mädchen auf Interesse stoßen würde. Jungs, versuchte Archivleiter Jens Metzdorf eine Erklärung, würden in diesem Alter vielleicht lieber Sport treiben, als darüber zu schreiben. Dann vielleicht nächstes Mal. Am 1. September 2022 wird ein neues Thema ausgelobt.