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Neuss: Viel zu entdecken beim Mittelaltermarkt 2019

Mittelaltermarkt in Neuss : In Neuss wird das Mittelalter lebendig

Finstere Zeit? Von wegen! Beim Mittelaltermarkt in der City gab es am Wochenende viel zu entdecken. Die Darbietungen sorgten für Staunen und entführten auf eine Zeitreise.

Der Mittelaltermarkt auf dem Marktplatz und dem Freithof am Wochenende war wieder ein Publikumsmagnet. Bei gutem bis sehr gutem Wetter genossen die Besucher die vielen außergewöhnlichen Angebote, tranken ihr Ritterbier, aßen Teufelsrippe und erfreuten sich am Anblick mittelalterlicher Gestalten. Schwer war es, Kindern Wünsche auszuschlagen, denn für sie gab es jede Menge Vergnügliches zu entdecken – allerdings nicht zu mittelalterlichen Preisen. „Du hast doch schon einige Schwerter zu Hause“: Ein Vater hatte Mühe, seinem Sohn den Wunsch nach einem weiteren Holzschwert auszureden.

Michael Wolf tritt auf Mittelaltermärkten als Jongleur Lupus auf, und das schon seit 20 Jahren. „Ich war zuvor unter anderem Schnorrer und Punker“, sagt der 47-Jährige. Die Liebe zu mittelalterlichem Spektakel hat seinem Leben einen Sinn gegeben. Es macht Spaß zu sehen, mit welcher Leichtigkeit er sein Publikum in den Bann zu ziehen versteht. Er ist liiert, ist aber an 30 Wochen in der Saison unterwegs, und das nicht nur in Deutschland. Foto: Andreas Woitschützke

Die Verlockungen waren besonders für Kinderaugen groß. Eine Attraktion war das mittelalterliche Balancespiel auf einer wackeligen Trittleiter mit geringer Steigung über einer alten Gewebematte. Was recht einfach aussah, erwies sich schnell als sehr tückisch: Wesentlich mehr Kinder fielen auf die Matte, anstatt oben angekommen, die alte Glocke zu läuten. Das war ein Spaß auch für die Zuschauer. Kevin Winkler schenkte denen, die es nicht bis oben geschafft haben, ein wenig „Sternenstaub“.

Günter Altendorf aus Mönchengladbach tritt auf Mittelaltermärkten als Hermann von Altendorf auf. Ein Hingucker ist sein Uhu „Einstein“. Günter Altendorf ist 59 Jahre alt und arbeitet in Kleinenbroich bei einem Garten- und Landschaftsbauer. Mit seinem Uhu besucht er Geburtstage und Events an Schulen und Kitas. Seine Lebensgefährtin Brigitte Utz ist immer in seiner Nähe: Sie legt in ihrem kleinen Zelt Besuchern die Karten. Foto: Andreas Woitschützke

Die vier wilden Kerle aus Tschechien begeisterten das Publikum mit ihren waghalsigen Aktionen: Die Mitglieder der Gruppe Equites verdingen sich unter anderem als Stuntmen für Film und Fernsehen. Ebenfalls aus Tschechien: Vaclav Hata, der Herr über Drachen und Einhörner, aber auch über Katzen und Hunde. Seine Spezialität sind kleine, kostbare Figuren aus Glas – sie wurden vor den Augen der Besucher fabriziert. „Einhörner verkaufen sich am besten, sie sind immer noch schwer in Mode“, freute sich Vaclav Hata.

Kevin Winkler war 2018 an 64 Tagen nicht zu Hause, weil es ihn auf Mittelaltermärkte zieht. Der Platz des 28-Jährigen mit dem Vollbart und einem Outfit, das an die Wikinger erinnern soll, war jetzt an einem Klettergeschäft. Liebevoll half er ein wenig nach, wenn die Kids schwächelten. Im wahren Leben arbeitet Kevin Winkler als Testfahrer bei Porsche in Leipzig. Er hat Frau und zwei kleine Kinder. Foto: Andreas Woitschützke

Hans-Josef Altmann aus Velbert sah in seiner Kutte aus wie ein Mönch im Mittelalter. Das mag auch daran gelegen haben, dass er den Nachbau einer Druckerpresse mit der Technik von 1450 präsentierte, ebenso wie Nachdrucke alter, prachtvoller Bibeln. „Ich habe eine Technik entwickelt, Bücher zu binden, die Besucher in wenigen Minuten erlernen können“, sagte er. Und wer Lust auf eine Partie Schach hatte: Das Spiel war bereits aufgebaut.

Auf dem Marktplatz war derweil immer wieder eine jubelnde Menschenmenge zu sehen und Bälle, die hoch in die Luft flogen: Dort war der Jongleur Lupus am Werk, der es vortrefflich verstand, sein Publikum zu unterhalten. Sein Gaukler-Outfit in Schwarz und Rot ist eine Assoziation zu Feuer und Ruß. Schnell noch einen Gewürzkaffee mit Kardamon, Ingwer, Zimt, Nelken, Pfeffer und Muskat – ein Getränk, das im Mittelalter wahrscheinlich nur für gut betuchte Bürger erschwinglich war – dann ab zur Bühne, wo nicht nur mittelalterliche Klänge zu hören waren, wo der Dudelsack gespielt wurde und der Klang der großen Trommel einige hundert Meter weit zu hören war.

Ganz still ging es bei Günter Altendorf zu: Der Mönchengladbacher hatte seinen Uhu „Einstein“ mitgebracht, ein faszinierendes Tier. Der gerade mal ein Jahr alte Kilian Aurell dürfte jetzt sein jüngster Fan gewesen sein – völlig angstfrei streichelte der Junge das Gefieder des Raubvogels.