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Neuss: Verein näht für Sternenkinder und Frühstarter

Engagement in Neuss : Verein näht für Sternenkinder und Frühchen

Die Neusserin Nadine Robertz hat vor mehr als einem Jahr einen Verein mit gegründet: Die Mitglieder nähen ehrenamtlich Kleidungs- und Erinnerungsstücke für Frühchen und Sternenkinder.

Winzige Mützchen liegen auf dem Tisch – sie sind so klein, dass man sie mit einem Eierwärmer verwechseln könnte. Daneben haben Nadine Robertz (35) und Jenni Huegen (32) farbenfrohe Bodys und Strampelanzüge ausgebreitet. Sie sind für Frühchen und Kinder, die tot zur Welt gekommen sind.

Die beiden Neusserinnen engagieren sich im Verein „In Liebe gehüllt, Hand in Hand für Sternenkinder und Frühstarter“, den Nadine Robertz im Juni 2018 mit gegründet hat. Die Mitglieder wohnen in ganz Deutschland, sie kooperieren mit Krankenhäusern und verteilen dort kostenlos ihre handgefertigten Sets. In Neuss beliefert Nadine Robertz das Lukaskrankenhaus mit Anziehsachen in kleinen Größen, Decken oder Dufttüchern. Sie achten darauf, dass die Kleidung nicht nur süß aussieht, sondern auch funktional ist. Durch bestimmte Wickeltechniken und Druckknöpfe, sind sie leicht anzuziehen und lassen Platz für Kabel, an die die Säuglinge zum Beispiel für Infusionen angeschlossen werden.

„Wir sind super dankbar für die Unterstützung“, sagt Claudia Weitz, Fachkinderkrankenschwester im Lukaskrankenhaus. Immer wieder erlebt sie, welchen Effekt die bunten Anziehsachen und Deckchen bringen. „Die Kinder wirken nicht so verloren in dem Inkubator, es nimmt den Eltern den schlimmen Anblick. Der Verein weiß genau, was gebraucht wird.“ Das liegt nicht zuletzt daran, dass viele Mitglieder eigene Erfahrungen gemacht haben. So war es auch bei Nadine Robertz. Als vor rund sieben Jahren ihr Neffe zu früh auf die Welt kam, wog er keine 800 Gramm. „In den kleinsten Stramplern der Größe 42 ist er versunken. So habe ich das Internet durchforstet und bin auf verschiedene Vereine gekommen“, erzählt sie. Ihre Kollegin Jenni Huegen ist dagegen durch eine Recherche auf den Verein gestoßen. „Ich habe immer gerne genäht und habe nach einer Initiative gesucht, die ich damit unterstützen kann“, sagt die 32-Jährige. Der Verein fertigt nicht nur Kleidung für Frühchen, sondern auch für Babys, die tot auf die Welt gekommen sind – sogenannte Sternenkinder. Zusätzlich nähen sie Einschlagdecken und Schiffchen aus Stoff, in die die Kinder eingebettet werden. „Dafür nehmen wir gerne Stoff aus Brautkleidern“, sagt Jenni Huegen.

Dazu gibt es auch ein Trostpaket für die Eltern. Darin sind etwa kleine Teddybären mit den Geburt- und Sterbedaten des Kindes oder kleine Wichtel- und Herzpaare. Eines wird den Kindern mit ins Grab gelegt, das andere können die Eltern behalten. Durch die Beigaben werde deutlich, dass das Kind ein Familienmitglied war. Denn lange habe der Verlust eines Babys in der Öffentlichkeit kaum Beachtung gefunden. „Es ist ein Thema, das lange totgeschwiegen wurde. Da helfen auch keine vermeintlichen gut gemeinten Sprüche wie ,Du bist doch noch so jung’ oder ,Du warst doch noch nicht so weit’“, sagt Jenni Huegen. Durch die Geschenke würden die Eltern merken, dass sie nicht alleine gelassen werden und ihre Trauer ernst genommen wird. „Sie kann nicht einfach weggeredet werden“, sagt Jenni Huegen. Und Nadine Robertz fügt hinzu: „Wir wollen etwas Licht ins Dunkel bringen und den Eltern in der schlimmen Zeit ein Zeichen geben.“

Die Nachfrage sei groß und der Verein sucht nach neuen Mitgliedern. „Wir nehmen jeden gerne auf, der gerne näht, strickt, Platz zum Lagern anbietet, Spenden verwaltet oder sich um die Organisation von Aktionen kümmert“, sagt Nadine Robertz.Wer in schwerer Zeit Unterstützung braucht oder sich engagieren möchte, kann sich bei Nadine.Robertz@inliebegehuellt.de oder bei Jenni.huegen@inliebegehuellt.de melden. Auf der Facebookseite „In Liebe gehüllt e.V. - Hand in Hand für Sternenkinder und Frühstarter“ gibt es zudem weitere Informationen.