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Neuss: Vera Henkel bietet Zeichenstunden im Botanischen Garten an

Angebot in Neuss : Kostenloser Zeichenkurs im Botanischen Garten

Die Künstlerin Vera Henkel bietet in den kommenden Wochen einen kostenlosen Zeichenkurs im Botanischen Garten an. Warum sie den Teilnehmenden davon abrät, „ein schönes Bild“ malen zu wollen.

Von Natalie Urbig

 Christel Rittmeyer zeichnet konzentriert zwei Auberginen. Sie findet es „interessant, neue Herangehensweisen kennenzulernen“.
Christel Rittmeyer zeichnet konzentriert zwei Auberginen. Sie findet es „interessant, neue Herangehensweisen kennenzulernen“. Foto: Natalie Urbig

 Ein Motiv ist schnell gefunden. Immerhin gibt es im Gewächshaus des Botanischen Gartens einiges zu entdecken: Physalis wachsen dort in einem Kübel, gleich daneben leuchten rosafarbene Blüten. Sie gehören zu den Auberginen, die dort reifen. Vor ihnen bleibt die Diplom-Grafikerin Vera Henkel stehen und rät, genauer hinzusehen. „Wie hängen die Früchte an dem Strauch? Warum macht der Stiel an dieser Stelle einen Knick?“, fragt sie und fügt hinzu: „In der Natur hat alles eine Funktion.“

 Mehrere Anläufe braucht es, bis die Teilnehmerin mit ihrer Auberginen-Blüte zufrieden ist.
Mehrere Anläufe braucht es, bis die Teilnehmerin mit ihrer Auberginen-Blüte zufrieden ist. Foto: Natalie Urbig

Für gewöhnlich gibt die Neusserin, die auch freie Autorin ist, Kurse im Düsseldorfer „Lernort Studio“: Nun bietet sie in den kommenden Wochen Zeichenstunden im Botanischen Garten an. Die Teilnahme ist kostenfrei, mitmachen kann jeder – auch diejenigen, die keinerlei Vorkenntnisse haben. Die Idee dazu hatte die 59-Jährige im vergangenen Jahr: „Es gibt Gymnastikgruppen im Park, warum also nicht auch ,Zeichnen im Park?‘“ Das Kulturamt habe dem Vorschlag direkt zugestimmt. Und da das Format 2020 im Rosengarten so gut ankam, dass es sogar verlängert wurde, stand für sie fest, in diesem Jahr eine Fortsetzung zu machen.

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Wetterbedingt startete der Kursus in kleiner Runde regengeschützt im Urban-Gardening-Gewächshaus: „Zeichnen“, so sagt sie in ihrer Einführung, „das heißt studieren. Wir analysieren und untersuchen, wie die Gegenstände aussehen, welche Form sie haben, warum sie so gebaut sind und wie man all das möglichst eins zu eins übertragen kann. Auch, wenn es schräg ist, zeichnet das, was da ist.“

Und damit das gelingt, hat sie für die Teilnehmerinnen zwei Tipps mitgebracht, die sie aus ihrer eigenen Zeit an der Hochschule in Krefeld kennt: „Nicht stricheln und nicht radieren.“ Um genau das zu verhindern, sollen die Teilnehmerinnen zunächst mit einem schwarzen Filzstift beginnen. „Das macht es natürlich schwerer“, erzählt Lydia Pleschka aus Kaarst, die sich mit ihrem Stuhl vor eine Blüte gesetzt hat. Einige Ansätze auf ihrem Block lassen bereits Blätter und Kelche erkennen. Doch zufrieden ist die 69-Jährige damit noch nicht. „Es ist noch nicht genau genug.“ Generell habe sie Spaß am kreativen Gestalten und auch bei einem Kursus hat sie schon mitgemacht. Doch neben den Anregungen der Grafikerin ist da noch etwas anderes, das sie an dem Angebot reizt. „Nach so einer langen Zeit, ist es noch einmal schön, herauszukommen und etwas gemeinsam mit anderen zu machen.“

Dass die Geselligkeit eine große Rolle spielt, weiß Vera Henkel noch aus dem vergangenen Jahr: Dort habe sich eine Gruppe an Stamm-Zeichnern herausgebildet. „Es ist einfach nett, draußen zusammenzusitzen“, sagt die Künstlerin. Und so hat das Angebot auch keinen streng schulischen Charakter: Vielmehr geht die 59-Jährige, nach einer kurzen Einführung, von Platz zu Platz, beantwortet Fragen und gibt Tipps.

Nicht ganze ohne Vorkenntnisse ist Christel Rittmeyer aus Düsseldorf in den Botanischen Garten gekommen: „Ich finde es interessant, andere Herangehensweisen kennenzulernen“, erzählt sie, „würde man so etwas alleine beginnen, würde es sich vielleicht schneller wieder verlaufen. So gibt es immer neue Impulse.“ Auf ihrem Block sind bereits zwei halbfertige Auberginen zu erkennen. „Es ist ein Balanceakt, nicht zu perfektionistisch zu werden.“

Ein Problem, das Vera Henkel immer wieder beobachtet. „Ich rate anfangs immer davon ab, ein schönes Bild malen zu wollen. Am besten nimmt man sich vor, dass es hässlich werden soll“, sagt sie und lacht. Denn andernfalls bestünde die Gefahr, dass jeder eine perfekte Prototypenzeichnung von einem Gemüse macht, die zwar „schön“ aussieht, aber nichts mehr mit der Realität zu tun hat. „Sie erzählen alle das gleiche, das sind tote Zeichnungen.“ Und so ist eines ihrer Hauptanliegen, die Teilnehmenden zu ermutigen, ihrem Blick zu trauen. Denn „Zeichnen ist vor allen Dingen studieren.“