Neuss: Valer Sabadus begeisterte im Zeughaus.

Makellose Stimme: Gesangskunst vom Allerfeinsten im Zeughaus

Valer Sabadus’ Stimme erreicht mühelos Sopranhöhen und in der Tiefe fast baritonale Anklänge. Der Sänger riss das Publikum zu Beifallsstürmen hin.

„Wahnsinn“ tönte es nach einer halsbrecherischen, vollendet gemeisterten Arie aus den hinteren Reihen des gut besuchten Zeughauses. Das ist die einzig zutreffende Bezeichnung, will man die großartigen Leistungen des 32-jährigen, aus dem Banat stammenden und in München bei der Sängerin Gabriele Fuchs ausgebildeten Countertenors, Valer Sabadus beschreiben. Der Sohn einer Pianistin und eines Cellisten beendete seine Ausbildung mit Auszeichnung und eroberte in kurzer Zeit den Countertenor-Olymp.

Countertenor Valer Sabadus hat im Zeughaus mit seiner Stimme, zusammen mit dem Concerto Köln, die Zuhörer begeistert. Foto: Henning Ross

Seine makellos geführte Stimme, die mühelos die Sopranhöhen erreicht und in der Tiefe fast baritonale Anklänge hat, besticht durch einnehmende Natürlichkeit, der selbst in extremen Höhen niemals die Männlichkeit verloren geht. Die stimmliche Beweglichkeit wirkt grenzenlos – Koloraturen scheinen diesem sympathischen Sänger eine Freude zu sein, denn in die Wiederholungsteile der Arien baut er mit Vergnügen noch zusätzliche Verzierungen ein.

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Dem italienischen Kastraten Farinelli (1705-1782), mit dessen – so die Überlieferung – pathetischem Vortragsstil Sabadus nichts gemein hat, und dessen Librettisten und Freund Pietro Metastasio (1698-1782) war das Programm im Zeughaus gewidmet. Metastasio schrieb zahlreiche Libretti, die von Komponisten wie Nicola Porpora, Antonio Caldara oder Geminiano Giacomelli vertont wurden. Selbst Mozart bediente sich für seine Opern „La clemenza di Tito“ und „Il re pastore“ Metastasio- Vorlagen.

Die ausgewählten Arien verlangen allesamt höchste vokale Kunst, sowohl was die Technik als auch die Ausdrucksintensität betraf. Valer Sabadus wurde allen Anforderungen in höchstem Maße gerecht. Am Anfang nicht so wahnsinnig überzeugend präsentierte sich das Alte-Musik-Ensemble „Concerto Köln“, geleitet von seinem Konzertmeister Markus Hoffmann. Bei der einleitenden Caldara-Sinfonia war sich das Ensemble noch nicht so recht einig, und auch die im Programmheft angekündigte „Quicklebendigkeit“ stellte sich erst nach und nach ein. Die Begleitung der Arien geriet sehr zuverlässig, und mit Francesco Maria Veracinis „Ouverture VI in g-Moll für zwei Oboen, Streicher und Basso Continuo“ gelang den Kölnern ein großer Wurf. Zum Schluss feierte das Publikum zu Recht den Solisten und das Orchester mit nicht enden wollendem Jubel und freute sich über zwei Zugaben, wobei eine daran erinnerte, dass die Händel-Oper „Xerxes“ – Sabadus‘ durchschlagender Erfolg vor einigen Jahren – am 19. Januar an der Deutschen Oper am Rhein wieder aufgenommen wird. Das ist für alle Verehrer des Sängers ein erstrebenswerter Termin.

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