Neuss: Uraufführung eines musikalischen Großprojektes

Neuss: Chorprojekt „Veni Creator Spiritus“ : Uraufführung eines Großprojektes

In der Neusser Marienkirche wurde das Chorprojekt „Veni Creator Spiritus“ uraufgeführt, am Donnerstagabend im Kölner Dom wiederholt.

Neuss (Nima) Vier spannende Jahre hat es gedauert, bis ein Großprojekt der katholischen Kirchenmusiker im Rhein-Kreis Neuss Wirklichkeit wurde. Das Chorprojekt „Veni Creator Spiritus“ wurde am vergangenen Sonntag in der Neusser Marienkirche uraufgeführt, am Donnerstagabend im Kölner Dom wiederholt.

Spannend war vor allem das Zusammenwirken zweier Komponisten, deren musikalische Sprache unterschiedlicher nicht sein könnte. Colin Mawby (82), ein gutes Jahrzehnt „Master of Music“ an der katholischen Westminster Cathedral in London, ist der berühmteste britische Komponist sakraler Musik. Der in Neuss geborene und lebende Komponist Gregor Linßen (52) gilt als der bedeutendste Vertreter des sogenannten Neuen Geistlichen Liedes in Deutschland. Das Werk begann mit der gregorianischen Pfingstsequenz „Veni Sancte Spiritus“, in schönem Wechsel von zwei Chören gemeinsam vorgetragen. Damit war die Gemeinsamkeit aber auch schon ausgereizt. Zu unterschiedlich ist die musikalische Sprache beider Komponisten. Colin Mawby ist der traditionellen englischen Kathedralmusik verhaftet. Seine sieben Chöre in dem Werk, die um die sieben Gaben des Heiligen Geistes bitten, sind mit Blechbläsern (Leitung Waldemar Jankus) und konzertierender Orgel (Martin Welzel) zumeist klangprächtig besetzt. Einige Chöre sind zusätzlich mit strahlendem Sopransolo (Christina Stroh) besetzt und erinnern stark an Mawbys „Te Deum“ für Sopran, Chor, Orgel und Blechbläser aus dem Jahr 2006. Ganz anders sind die Kompositionen – ebenfalls sieben – von Gregor Linßen, die stark der Popmusik verwandt sind und entsprechend von einer vierköpfigen Band begleitet werden. Ein wiederkehrendes „Ritornell“ stellt nicht den verbindenden „roten Faden“ dar, weil in stereotypem Wechsel von beiden Komponisten verfasst.

Diesen liefert vielmehr Kreisdechant Guido Assmann (in Köln Dom- und Stadtdechant Robert Kleine) mit verbindenden Texten, Gebeten und kurzen Ansprachen. In einer Hinsicht aber gelang die Idee der Kreismusiker vollkommen: Es sollte ein Werk entstehen, an dem sich viele Chorgruppen beteiligen können.

Über 330 Mitwirkende waren in dieses „Konzert-Gebet“ eingebunden, darunter Kinderchöre aus Neuss, Kaarst und Meerbusch. Chorgemeinschaften aus dem ganzen Kreisdekanat Neuss stellten sich ebenso wie auf das Projekt bezogene Gastsängerinnen und –sänger den zumindest bei Mawbys Chören enorm hohen Anforderungen. Etliche Chöre erforderten auch wegen der räumlichen Distanz bis zu drei Dirigenten gleichzeitig. Das gelang mit wenigen Einschränkungen großartig.

Mehr von RP ONLINE