Neuss: Unterkunft für Obdachlose ist fertig

Neusser Notunterkunft ist fertig : Neue Notunterkunft für Obdachlose am Derendorfweg fertig

Sie hat 60 Schlafplätze und eine Reserve von 22 Betten, die neue Notschlafstelle für Wohnungslose in Neuss.

Der Besucher geht über einen langen weißen Flur, links und rechts liegen durchnummerierte Zweitbettzimmer. Zwei große Kühlschränke mit verschließbaren Fächern stehen schon in der Küche, ebenfalls vier Backöfen. Würde man den Zweck der 110 zusammengebauten Container nicht kennen, könnte man denken, dass am Derendorfweg 8-10 in Neuss ein neues Hostel entstanden ist. Und das ist es gewissermaßen auch. Allerdings eins, das nichts kostet und eine sehr konkrete Zielgruppe hat – die männlichen Obdachlosen der Stadt.

Mit 60 Schlafplätzen und einer Reserve von weiteren 22 Betten soll die einzige Notschlafstelle für Wohnungslose in Neuss ausreichend Platz bieten, auch für die bevorstehenden Wintermonate. „Wir haben aus den letzten Jahren einen Erfahrungswert von unter 50 Obdachlosen, die ein solches Angebot annehmen“, sagt Sozialdezernent Ralf Hörsken. Am Donnerstag, 8. November, wird die Einrichtung offiziell eröffnet. Von 17 bis 7.30 Uhr werden Obdachlose ein Dach über dem Kopf finden – das heißt in der neuen Einrichtung auch duschen, in einem richtigen Bett schlafen und Wäsche waschen können. Die Unterkunft sei ein „Quantensprung“, so Hörsken. „Die Verbesserung im Vergleich zu früheren Anlagen ist deutlich.“ Auch der Caritas Verband für den Rhein-Kreis, der in der Unterkunft eine Sprechstunde anbieten wird, begrüßte die Neuerungen.

Die alte, bereits abgerissene Einrichtung am Derendorfweg hat eine lange Geschichte. Sie bestand aus alten Holzbaracken, die schon in den fünfizger Jahren als Arbeiterunterkünfte des Traktorenherstellers „Case“ gebaut wurden. Seit Anfang des Jahrhunderts wurden die Baracken von der Stadt als Obdachlosenunterkunft genutzt. Sie waren aber deutlich in die Jahre gekommen und boten weder genug Schutz gegen Kälte, noch erfüllten sie die neueren Brandschutzstandards. Der Abriss und der Ausbau der neuen Einrichtung haben insgesamt über drei Millionen Euro gekostet. Die Container sollen laut Bürgermeister Reiner Breuer für die nächsten 20 bis 25 Jahren halten. „Alles Soziale fängt mit einem Dach über den Kopf an“, sagte Sozialdezernent Hörsken. Die neue Einrichtung gehöre zu den wichtigsten Dächern der Stadt, idealerweise sei sie aber der Beginn einer Kette. Eine, die aus der Wohnungslosigkeit führt.

Mehr von RP ONLINE