Neuss: Umsatzeinbußen bei Gastronomen wegen des heißen Sommers

Umfrage in Betrieben in Neuss : Umsatzeinbruch belastet Gastronomie

Während die Außengastronomie 2018 boomte, hatten es Gaststätten ohne Biergarten und Co. äußerst schwer. Das Problem mit nicht eingehaltenen Reservierungen im Weihnachtsgeschäft hat sich verringert.

Nach dem Geschäft mit Weihnachtsfeiern und Co. können Gastronomen nun einen finalen Schlussstrich unter das Jahr 2018 ziehen – und die Bilanz fällt nicht überall positiv aus. Das hat gleich mehrere Gründe, wie Giuseppe Saitta, Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) auf Nachfrage unserer Redaktion betont. So sei die Saison für die Außengastronomie zwar weitgehend zufriedenstellend verlaufen, „dafür hatten Betriebe ohne Terrasse riesige Umsatzeinbußen – bis zu 40 Prozent und mehr“, sagt Saitta.

Einer der Betriebe, die unter dem „Sommerloch“ in diesem Jahr besonders gelitten haben, ist die Brauerei „Im Dom“. „Der Sommer war für uns sehr schlecht“, sagt Geschäftsführer Karl Kehrmann, der sogar einen Wandel in der Gesellschaft ausmacht. „Sobald schönes Wetter ist, möchten sie fast nur noch draußen sitzen.“ Eine Anpassung an diese Bedürfnisse – also ebenfalls Außengastronomie anzubieten – sei für die Gaststätte „Im Dom“ vorläufig nicht zu leisten. Und so wird Kehrmann wohl auch im Sommer 2019 das Gros seines Personals in die „Ferien“ schicken. „Dann arbeiten wir hier nur mit einer kleinen Besetzung“, sagt Kehrmann. Sonst würde es sich schlichtweg nicht rechnen.

Dass hohe Temperaturen auch für die Außengastronomie nicht immer in die Höhe schnellende Umsätze bedeuten, weiß Michael Entrop vom Frankenheim Brauhaus in Holzheim, das über einen großen Biergarten verfügt. „Wenn es heiß ist, trinken die Gäste weniger Alkohol, manchmal wird nur ein Wasser bestellt“, sagt der Gastwirt, der sich jedoch keineswegs über den vergangenen Sommer beschweren möchte. „Es war ein guter Umsatz“, bilanziert Entrop.

Was die Neusser Gastronomen im Gespräch mit unserer Redaktion durchweg betonen: Das Problem mit sogenannten No Shows ist kleiner geworden. Mit dem englischen Begriff werden nicht eingehaltene Reservierungen in Restaurants beschrieben – gerade in der Weihnachtszeit, wenn die Auslastungsquote theoretisch sehr hoch ist, kostet es die Gastwirte bares Geld, wenn ein Tisch mit mehreren Personen leer bleibt. Laut Helge Dalbeck, der das „Weiße Haus“ an der Michaelstraße leitet, sei das Problem im vergangenen Winter besonders extrem gewesen. „Mittlerweile sagen die Gäste aber wenigstens vorher ab“, sagt Dalbeck.

Auch wegen schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit geht Kehrmann mittlerweile einen rigorosen Weg. „Tische ab zehn Personen müssen bei uns schriftlich angemeldet werden.“ Kommen die Gäste nicht, wird eine sogenannte No-Show-Gebühr fällig. Das führe zwar unweigerlich zu Stress, „aber ich bestehe darauf und ziehe das weiter durch“, sagt der Geschäftsführer. Seine Vorgehensweise hat Erfolg, denn laut Kehrmann habe sich die No-Show-Rate deutlich reduziert.

Doch weil das Problem noch nicht alle Gastronomen im Griff haben, fordert Giuseppe Saitta Unterstützung: „Es wird Zeit, dass sich die Politik darum kümmert. Wir als Gastronomen haben keine Handhabe.“ Eine finanzielle Vorleistung des reservierenden Gastes oder das Unterzeichnen eines Vertrages ab einer bestimmten Personen-Anzahl seien hingegen keine Lösungen. Was Saitta in diesem Jahr jedoch gefreut hat. „Die Gäste haben frühzeitiger geplant, es war nicht so hektisch wie in den Jahren zuvor.“ Dieser Trend scheint sich bereits für das nächste Jahr abzuzeichnen. „Wir haben bereits eine Reservierung für Weihnachten 2019“, sagt der Dehoga-Kreisvorsitzende lachend.

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