Heimatverein Neuss-Uedesheim lädt ein Uedesheim erinnert an Fährunglück 1947

Uedesheim · 14 Menschen verloren beim Kentern der „St. Antonius“ ihr Leben. Am 75. Jahrestag wird ihrer gedacht. Der Heimatverein hat die Gedenkfeierlichkeiten organisiert.

 Der Künstler Michael Franke aus Erkelenz schuf 2009 die Gedenktafel, die die Unglückfähre im Moment des Kenterns zeigt.

Der Künstler Michael Franke aus Erkelenz schuf 2009 die Gedenktafel, die die Unglückfähre im Moment des Kenterns zeigt.

Foto: Anne Orthen

Am Nachmittag des 7. März 1947 sank die Fähre St. Antonia auf der Überfahrt von Uedesheim nach Himmelgeist. 14 Menschen fanden bei diesem Unglück den Tod. An sie möchte der Heimatverein „Schönes Uedesheim“ am Sonntag, dem 75. Jahrestag der Katastrophe, erinnern.

Die Gedenkfeierlichkeiten beginnen mit einer ökumenischen Andacht, die um 18 Uhr in der St.-Martinus-Kirche von Diakon Michael Linden und dem evangelischen Pfarrer Jens Bielinski-Gärtner gehalten wird. Auch Paul-Heinz Kramp wird zu Wort kommen, der die Ereignisse jenes Tages nach einer aufwändigen Recherche rekonstruiert und in einem Aufsatz für das Kreisjahrbuches 2010 zusammengefasst hat. Kramp gehört zum Vereinsvorstand und war eine der treibenden Kräfte, die am Unglücksort eine Gedenktafel installieren wollten. Das gelang 2009.

Nach der Andacht, so hat es Rotger Kindermann als Vorsitzender des Heimatvereins geplant, gehen alle Interessierten zum Fähranleger. Dort sollen – so weit sie bekannt sind – die Namen aller Verstorbenen verlesen werden. Danach wird für jedes Opfer eine schwimmende Laterne zu Wasser gelassen.

Zum Abschluss der Feier wird in das Pfarrheim St. Martinus zu einer Autorenlesung eingeladen. Lesen wird der Bochumer Klaus Rodewig, ein Neffe des zum Zeitpunkt des Unglücks erst 22-jährigen Fähr-Kapitäns. Er hat die Ereignisse jenes Tages in einem Roman mit dem Titel „Wenn das Eis taut“ verarbeitet, in dem der Psychoanalytiker nicht nur die Daten, Fakten und Folgen des damaligen Unglücks erzählt, sondern die Tragödie in eine Familiengeschichte einbettet.

Das Unglück von damals ist bis heute im kollektiven Gedächtnis der Uedesheimer verankert, und auch den unglücklichen Fährmann verfolgten die Bilder der Katastrophe bis zu seinem Tod im Jahr 2003. Erst danach setzte eine detaillierte Aufarbeitung ein.

Bis heute gilt eine Verkettung unglücklicher Umstände als Ursache für das Unglück auf dem Rhein, das 1949 auch ein Gericht beschäftigte. Die Prozessakten sind allerdings nicht aufbewahrt worden.

Die Tragödie hatte jedoch auch ihre Helden. Einer davon war Hendrik Baggermann, Kapitän des niederländischen Schleppers „Nelli“. Er war am Unglücksort, ließ beidrehen und Rettungsboote aussetzen – und rettete so elf Menschenleben.