Fall aus Neuss in der 600. Folge Sparkassen-Überfall bei „Aktenzeichen XY“

Norf/München · Am 9. November 2022 haben zwei mit Pistolen bewaffnete Männer die Sparkassen-Filiale in Norf überfallen. Nun wird der Fall in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY...Ungelöst” zum Thema.

Die Sparkassen-Filiale wenige Stunden nach dem Überfall 2022.

Die Sparkassen-Filiale wenige Stunden nach dem Überfall 2022.

Foto: Simon Janßen

Es ist ein ganz normaler Morgen in der Sparkassen-Filiale in Norf. Plötzlich, von einem Moment auf den anderen, wird er für die Mitarbeiter und Kunden zum Albtraum. Am 9. November 2022, kurz nach der Öffnung der Filiale, stürmen zwei mit Pistolen bewaffnete Männer um 8.50 Uhr den Kassenschalterraum und fordern die Herausgabe der Tresorraumschlüssel. Einer der beiden kann sofort die speziellen Schlüssel identifizieren und gelangt damit in den gesicherten Bargeldraum.

Angestellte und drei Kunden werden von dem zweiten Täter mit einer Waffe bedroht und in Schach gehalten. Trotzdem gelingt es einem Mitarbeiter den stillen Alarm auszulösen. Laut Zeugenaussagen und Überwachungsvideos verfügen die Täter über Insiderwissen: Auf dem Weg zum Tresorraum öffnet der Täter zielgerichtet mehrere Türen mit den richtigen Schlüsseln. Der andere Täter verfügt über Kenntnisse der Sicherheitseinrichtungen: Als der stille Alarm ausgelöst wird, reagiert er aufgebracht. Obwohl die Polizei frühzeitig eintrifft, reichen den Tätern drei Minuten aus, um den Überfall erfolgreich zu beenden und mit der Beute in Richtung Nievenheimer Straße (in den Bereich der dortigen Postfiliale) zu verschwinden.

 Rudi Cerne (65) moderiert die Sendung seit 2002.

Rudi Cerne (65) moderiert die Sendung seit 2002.

Foto: dpa/Sina Schuldt

Trotz intensiver Ermittlungen ist es bislang nicht gelungen, die Täter zu fassen. Neuen Schwung versprechen sich die Verantwortlichen durch die Sendung „Aktenzeichen XY...Ungelöst”. In der Jubiläumsfolge – es ist bereits die 600. –, die am 27. März um 20.15 Uhr live im ZDF ausgestrahlt wird, wird der Neusser Fall nämlich aufgegriffen. Am kommenden Dienstag fliegen Claudia Suthor als Sprecherin der Kreispolizeibehörde sowie Kriminaloberkommissar Patrick Waclawowicz als ermittelnder Beamter nach München, wo zunächst eine Studioprobe auf dem Programm steht. Nach aktuellem Stand wird Waclawowicz die Fragen von Moderator Rudi Cerne beantworten und Suthor die hoffentlich eintreffenden Hinweise am Telefon entgegennehmen.

Auch bei der Sparkasse wächst die Hoffnung, dass die Täter doch noch dingfest gemacht werden können. Vor allem in Anbetracht der „Aufklärungsquote von rund 40 Prozent, die die Sendung ,Aktenzeichen XY‘ hat“, wie Sparkassen-Sprecher Stephan Meiser sagt. Wichtig sei vor allem, dass bei dem Vorfall niemand verletzt wurde. Der Schrecken für Mitarbeiter und Kunden sei allerdings groß gewesen.

Die Täter wurden kurz nach dem Überfall wie folgt beschrieben: Beide sind etwa 1,80 bis 1,90 Meter groß und circa 20 bis 30 Jahre alt. Einer der beiden Täter ist laut Aussagen mit einem schwarzen Kapuzen-Sweatshirt, sein Komplize mit einem beigefarbenen Kapuzen-Sweatshirt bekleidet gewesen. Die Maskierung beider Täter war schwarz. Während der Flucht führten die Männer jeweils eine silberne beziehungsweise chromfarbene und circa 20 Zentimeter lange Schusswaffe mit sich. Einer der Gesuchten führte eine große, schwarze Umhängetasche (ähnlich einer Sporttasche) mit sich. Im Laufe der Ermittlungen veröffentlichte die Polizei auch Fotos aus einer Überwachungskamera sowie ein Phantombild von einem Gesuchten. Allerdings ebenfalls bislang ohne Erfolg.

„Aktenzeichen XY...Ungelöst” ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Öffentlichkeitsfahndung der Ermittlungsbehörden – weil das Anliegen heute ebenso aktuell ist wie bei der Erstausstrahlung im Oktober 1967: die Verbrechensbekämpfung zu unterstützen. In bislang 599 XY-Sendungen wurden 5037 Fälle behandelt. 1966 davon wurden aufgeklärt, das entspricht einer Erfolgsquote von 39 Prozent. Dabei sind es oft die „hoffnungslosen“ Fälle, die bei XY landen – Fälle, bei denen die Polizei alle herkömmlichen Ermittlungsmethoden bereits ausgeschöpft hat und nur noch auf die Mithilfe der Fernsehzuschauer bauen kann. Fast jeder dritte XY-Fall ist ein Mordfall. Insgesamt wurden bis zum jetzigen Zeitpunkt 1641 Tötungsdelikte in der Sendung behandelt. Aufgeklärt werden konnten 673. Von 1449 Raubüberfällen wurden 436 gelöst. Von 277 Einbrüchen konnten 108 geklärt werden.

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