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Neuss: Türkischer Galaabend im Zeughaus

60 Jahre Almanya : Türkischer Galaabend im Zeughaus

Im Zeughaus sind am Samstagabend die ersten türkischstämmigen Menschen gefeiert worden, die Anfang der 1960er Jahre nach Deutschland und Neuss gekommen sind. Auch die türkische Generalkonsulin war zu Gast.

„Im wunderschönen Monat Mai“ hat ein Galaabend im Zeughaus begonnen, der „60 Jahre Almanya“ feierte. Das Gedicht von Heinrich Heine hat Robert Schumann in seiner „Dichterliebe“ vertont. Das passende Lied sang der Tenor Gürken Gider vom Landestheater Salzburg. Spätestens bei „Dein ist mein ganzes Herz“, dem bekanntesten Lied aus der Operette „Das Land des Lächelns“ von Franz Lehár, war für seine mächtige Stimme das Mikrofon vollkommen überflüssig. Am Flügel begleitete ihn die junge Pianistin Nihan Ulutan (23), die an der Robert-Schumann-Musikhochschule in Düsseldorf studiert.

Es galt an diesem Abend, die Pioniere der ersten Stunde zu ehren: Am 30. Oktober 1961 wurde die „Regelung der Vermittlung türkischer Arbeitnehmer nach der Bundesrepublik Deutschland“ zwischen dem deutschen Außenministerium und der türkischen Botschaft in Bonn unterzeichnet, ein Notenwechsel, der Deutschland verändert hat. Heute leben 1,5 Millionen Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit und 2,8 Millionen mit türkischstämmigem Migrationshintergrund in der Bundesrepublik.

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Für die Türkei war die Anwerbung ein Glücksfall: Es herrschte damals in diesem Land eine hohe Arbeitslosigkeit und 80 Prozent der Bevölkerung arbeitete in der Landwirtschaft. Bereits im ersten Jahrzehnt kamen 867.000 Türkinnen und Türken nach Deutschland, in diesem Zeitraum kehrten allerdings 240.000 in die Türkei zurück. Heute ist die türkischstämmige Wohnbevölkerung längst zu einem festen Bestandteil Deutschlands geworden.

Das betonte auch Bürgermeister Reiner Breuer im Zeughaus in seinem Grußwort: „Neuss ist eine alte Stadt, Zuwanderung haben immer diese Stadt geprägt und bereichert. Gastarbeiter haben hier eine Heimat gefunden, sie sind Neusser geworden. Darauf bin ich stolz!“ Er betonte aber auch, dass mit „unserer Vision Neue Deutsche Stadtgesellschaft“ noch viel zu tun sei. „Austausch auf Augenhöhe“ ist das Schlüsselwort. In diesem Zusammenhang war er dankbar, dass Neuss mit Nevşehir und Bolu gleich zwei türkische Partnerstädte hat.

Ihm antwortete Aysegül Gökçen Karaarslan, seit Herbst 2019 Generalkonsulin der Türkei in Düsseldorf und Ansprechpartnerin für 300.000 Türken in der Region. „Es sind nicht nur Gastarbeiter gekommen, sondern Menschen. Sie sind gekommen, um zu bleiben. Täglich werden wir Zeugen türkischer Geschichte und Kultur, ein Verdienst der ersten Generation“, lobte sie. Die Diplomatin erinnerte allerdings auch an ausländerfeindliche Anschläge: „50 Menschen türkischer Abstammung haben ihr Leben durch Rassisten verloren.“

Insgesamt haben seit 1990 nahezu 200 Menschen in Deutschland ihr Leben durch extremistische rassistische Anschläge verloren. Der Erfttaler Cenk Cigdem, der den Abend moderierte, übersetzte die Rede der Generalkonsulin. Der freie Autor hatte noch am Abend zuvor im WDR über die Unwetter berichtet.

Nun war es Zeit für türkische Musik: Nihan Ulutan und Gürken Gider wurden verstärkt durch ein Quintett, in dem neben Violine und Violoncello auch Kanun (orientalische Zither) und Darbuka (Bechertrommel) zum Einsatz bei türkischer Folklore kamen. Der Galaabend, zu dem neben Reiner Breuer auch Oberpfarrer Andreas Süß und der frühere Kulturamtsleiter Harald Müller sowie weiteren Gästen gekommen waren, endete mit einem türkischen Büfett.