Neuss: Tochter von Konrad Adenauer Libet Werhahn-Adenauer ist gestorben

Tod mit 90 Jahren : Trauer um Libet Werhahn-Adenauer

Nicht nur in Neuss wird um die am Wochenende gestorbene jüngste Tochter des ersten deutschen Bundeskanzlers getrauert. Niemand, der sie je getroffen hat, wird vergessen, mit welcher Ruhe und mit welcher Sicherheit sie auf diese Welt schauen konnte.

Schon lange stand Libet Werhahn-Adenauer nicht mehr im Licht der Öffentlichkeit. Das hat sie selbst so bestimmt. Aber niemand, der sie je getroffen hat, ob vor Tagen, Monaten oder Jahren, wird vergessen, mit welcher Ruhe und mit welcher Sicherheit sie auf diese Welt schauen konnte, die Menschen und ihr Tun mit einem Pragmatismus beurteilte, in dem sie wohl ihrem Vater, dem ersten deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer, ähnlich war. So war es für so viele Menschen nicht nur in Neuss ein Schock, mit der Nachricht von ihrem Tod konfrontiert zu werden. Am Wochenende ist Libet Werhahn-Adenauer in ihrem Haus gestorben.

Den 90. Geburtstag im Mai vergangenen Jahres hatte sie dort noch mit der ganzen Familie gefeiert. Nur einer fehlte, ihr Mann Hermann Josef, der 2016 starb und ohne den ihr das Leben in dem Heim, in dem sie mehr als 60 Jahre gemeinsam verbracht haben, schwer fiel. Allein war sie kaum, dafür sorgte schon ihre große Familie; fünf Kinder hat sie großgezogen. Aber ihr Mann, das gestand sie oft, fehlte ihr sehr. Die Arbeit an einem Buch mit Erinnerungen an ihren Vater Konrad Adenauer mag ihr in dieser Zeit ein bisschen geholfen haben, denn „Vater“, wie seine nur Libet genannte jüngste Tochter ihn zeit ihres Lebens nannte, hatte auf ihr Leben großen Einfluss. Der Kontakt zu ihm brachte genau genommen einst den jungen Unternehmersohn Hermann Josef Werhahn mit dem auf den Vornamen Elisabeth getauften „Fräulein Adenauer“ zusammen.

So selbstverständlich wie Libet Werhahn-Adenauer auch als jungverheiratete Ehefrau ihren Vater als „First Lady“ begleitete, engagierte sie sich auch in der Politik. Von 1975 bis 1994 war sie für die CDU in Neuss aktiv, besonders in den  Bereichen Kultur und Soziales, zehn Jahre, von 1979 bis 1989, war sie auch Mitglied des Stadtrates. Nie aber hat sie sich vereinnahmen lassen als Tochter des ersten CDU-Bundeskanzlers, sie hatte ihren eigen Standpunkt und machte den deutlich: „Sie hat manches Mal auch anders abgestimmt“, sagt Hans-Heinrich-Grosse-Brockhoff, der ab 1981 zunächst das Neusser Kulturamt führte, zwei Jahre später Beigeordneter und wiederum zwei Jahre später Stadtdirektor wurde. „Ich habe ihr unendlich viel zu verdanken“, sagt der frühere NRW-Kulturstaatssekretär, der sich stets von Libet Werhahn-Adenauer gefördert fühlte. „Sie war eine großartige Persönlichkeit, rheinisch-liberal, und hat immer treu zu den sogenannten Jungen Wilden in der CDU gestanden.“

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