Neuss: Theater am Schlachthof (TaS) zeigt "Applaus für Podmanitzki"

Premiere am TaS in Neuss : Ein Ausflug in die Welt des Theaters

Mit „Applaus für Podmanitzki“ gab es im Theater am Schlachthof zum 25-Jährigen eine Jubiläumspremiere, die zugleich den Satiriker Ephraim Kishon würdigt. Ein unterhaltsamer und rasanter Abend, verbunden mit Lokalkolorit.

25 Jahre Theater am Schlachthof (TaS) in Neuss – höchste Zeit für einen kritischen Blick hinter die Kulissen, meinte der künstlerische Leiter des TaS, Markus Andrae. Die in hohem Maße innovative Suche landete fast zwangsläufig bei Ephraim Kishon, der in seinen Satiren „Kein Applaus für Podmanitzki“ von 1973 das gesamte Theater humorvoll sezierte: Stars und Sternchen, eitle Regisseure, zynische Kritiker, Lampenfieber und Premierenjubel, kurz: den ganzen vermeintlichen Glamour. Verbindendes Glied in den Geschichten Kishons ist der Staatsschauspieler Jarden Podmanitzki. Diese Geschichten zu einem abendfüllenden Theaterstück zu formen, das zudem höchst unterhaltsam und über weite Strecken ebenso rasant ist – ein derart hintergründiger Ausflug in die Welt des Theaters gelingt wohl nur freien Bühnen.

Die ausverkaufte Premiere im TaS drückt dem Theater einen positiven Stempel auf: „Applaus für Podmanitzki“. Ephraim Kishon geht bei dieser humoristischen Nabelschau denn auch mit dem Theater vorwiegend liebevoll um, ganz anders als in seinem Theaterstück „Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht“ (1965), in dem er die moderne Kunst und besonders den dazugehörigen Kunstmarkt scharf attackiert. Die 16 Szenen im TaS, die überwiegend den gleichen Titel haben wie Kishons Satiren, werden gleich von fünf Regisseuren ins Bild gesetzt. Auch das ist bei einem zusammenhängenden Stück in der deutschen Theaterszene einmalig. „Für die Schauspieler war es nicht einfach, sich auf gleich fünf Regisseure einzulassen. Aber die letzte Probenwoche machte bei aller Herausforderung auch ein wenig Spaß“, sagt der künstlerische Leiter Markus Andrae. Er ist einer der Regisseure und hat auch die schlichte, aber zweckmäßige Bühne gebaut.

Mit ihm inszenieren Jens Spörckmann und die jungen Regisseurinnen Sarah Binias, Monique Latour und Marika Rockstroh. Monique Latour, die auch schon als TaS-Autorin reüssierte, führte dabei erstmals überhaupt Regie. Ihre Handschrift etwa beim „Lamento für einen jungen Schauspieler“ konnte wahrlich überzeugen. Jens Magnus Otten, der junge 22 Jahre alte Schauspieler (Daniel Marrè), trifft auf Jarden Podmanitzki, den „Gigant des zeitgenössischen Theaters“, und der Regisseur Monsieur Latour empfiehlt ihm, diesem in den Hintern zu treten. Die größte Herausforderung ergab sich für Bertolt Kastner, weil er in nahezu allen Szenen aufspielte.

Als Jarden Podmanitzki verkörperte er den mittelmäßigen Schauspieler, der noch nie allein auf der Bühne gestanden hat, grandios: „Das wahre schauspielerische Genie zeigt sich in den Nebenrollen.“ Ebenso gefordert war Marlene Zilias, die in vielen Szenen als vermittelnde Conférencière auftrat, aber auch als exaltierte „Desdemona“ im aufwändigen Kostüm (Stefanie Klein), die sich für das „konservative Neusser Publikum“ die Haare färben ließ. Wann immer möglich, baut Markus Andrae Lokalkolorit ein. „Der Zug nach St. Petersburg“ endet in einer S-Bahn-Fahrt nach Büttgen. In „O Solo Mio“ soll der Musiker Dukovic (Daniel Marrè) ein Musical über einen Neusser Buchhändler schreiben, der sich in Puerto Rico in eine polynesische Prinzessin verliebt, die in Wahrheit aus Korschenbroich kommt. Der Intendant (Wolfgang Wirringa) ist dafür, den Buchhändler durch einen Schützenmajor zu ersetzen, Pomanitzki protestiert: Wenn schon, dann Schützenoberst, der in Weeze fünf Hostessen kennen lernt. Als dazu dann noch die gemieteten Elefanten ein Solo verlangen, bricht Chaos aus. Also: Ein ganz normaler Theater-Alltag, den Jan Kunz und Jannike Münstedt ins rechte Licht rücken.

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