Neuss: Teile des Südparks wegen Eigenprozessionsspinner gesperrt

Plage in Neuss : Teile des Südparks wegen Eichenprozessionsspinner gesperrt

Am Spielplatz im Stadtgarten und im Reuschenberger Freizeitgelände wurden Bäume vom Eichenprozessionsspinner befallen. Die Stadt hat die Grünanlagen am Samstag gesperrt. Schädlingsbekämpfer beseitigen ab Montag die Raupen.

Der Eichenprozessionsspinner hat Neuss erreicht. Das massenhafte Auftreten seiner giftigen Raupe zwang die Stadtverwaltung am Wochenende zu drakonischen Maßnahmen. Am Samstagmorgen wurde zunächst der Spielplatz im Alten Stadtgarten gesperrt, am Abend dann das gesamte Freizeitgelände Südpark zwischen Jakob-Koch-Straße und Autobahn. Dort war es am Nachmittag zu einem Einsatz des Rettungsdienstes gekommen, nachdem eine Frau einen Schwächeanfall erlitten hatte.

Ob dieser Notfall in einem Zusammenhang mit dem Baumbefall durch den Eichenprozessionsspinner steht, sei nicht erwiesen, stellte Umweltdezernent Matthias Welpmann auf Nachfrage klar. Die Sperrung des Freizeitgeländes sei eine Vorsichtsmaßnahme. Trotzdem setzte die Stadt das Betretungsverbot entschlossen um. Die Polizei half dabei, die gesperrten Flächen zu räumen, während die Feuerwehr die Absperrungen einrichtete. Danach kontrollierten Mitarbeiter der Stadtwerke-Töchter „Neusser Bäder und Eissporthalle“ das Südparkgelände im Stundentakt.

Das Südbad auf der gegenüberliegenden Seite der Jakob-Koch-Straße sei aber ebenso wenig betroffen wie die Saunalandschaft Wellneuss, erklärte Stadtwerke-Sprecher Jürgen Scheer nach einem neuerlichen Ortstermin am Sonntag. Die Eiche vor dem Hauptportal der Eissporthalle sei ebenfalls nur vorsorglich abgesperrt worden, ergänzt Peter Fischer von der Stadt Neuss.

Die Sperrungen sind nach Ansicht des Beigeordneten Welpmann eindeutig beschildert, das Betretungsverbot werde deshalb konsequent durchgesetzt. „Notfalls rufen wir noch einmal die Polizei“, sagte er. Dass die Maßnahme ausgerechnet an so einem schönen Sommerwochenende nötig wurde, ärgert auch ihn. Denn in der Tat standen am Sonntag kleinere und größere Gruppen, die mit Grills und Kühltaschen, Decken und Spielen angerückt waren, um den Tag im Südpark den Tag zu verbringen, etwas ratlos vor den Sperren – um dann enttäuscht abzudrehen.

Dass der Eichenprozessionsspinner noch massenhafter auftritt als im vergangenen Jahr, ist für Welpmann eine beachtliche Folge des Klimawandels. Er spricht von einem „Befall auf neuem Niveau“, auf den man sich vorbereitet hat. Denn Eichen wachsen in nennenswerter Zahl  in den Grünanlagen der Stadt ebenso wie auf Sportanlagen und Friedhöfen. Ein externer Schädlingsbekämpfer helfe der Stadt, festgestellte Nester der Raupe zu beseitigen. Auf seiner Prioriätenliste für diese Woche steht der Spielplatz im Stadtgarten ganz oben. Die Stadt hofft, den Spielplatz spätestens Mittwoch wieder freigeben zu können. Der Freizeitpark Südpark soll schnellstmöglich folgen.

Die Baumkontrolleure des Amtes für Stadtgrün und Umwelt seien sensibilisiert, auf diese Tiere zu achten, sagt Welpmann. Weitere Befalls-Funde hält er nach derzeitigem Stand für wahrscheinlich. „In dem Thema ist eine enorme Dynamik“, sagt der Beigeordnete. Sollte jemandem an einer Eiche etwas auffallen, das auf einen Eichenprozessionsspinner-Befall hindeutet, sei die Stadt für Hinweise dankbar.

Der Kontakt mit den Raupen oder auch nur vereinzelten Härchen kann zu Juckreiz, Bläschen und Ausschlägen führen. Auch sind Reizungen der Atemwege nicht ausgeschlossen. Das in den Brennhaaren enthaltene Nesselgift kann auch Schwindel und Fieber verursachen, in Ausnahmefällen droht sogar ein lebensgefährlicher allergischer Schock. In Eichen ziehen ältere Raupen des Eichenprozessionsspinners in langen Kolonnen auf Nahrungssuche, daher hat der Nachtfalter seinen Namen. Wie Sie sich vor dem Tier schützen können, lesen Sie hier.

Immer wieder sind vor allem im Sommer Bäume von dem Tier befallen. In diesem Jahr ist die Plage jedoch besonders schlimm. In Duisburg musste deswegen sogar eine ganze Schule geschlossen werden. Kinder sollen bereits Hautausschläge davon getragen haben. Im Düsseldorfer Stadtgebiet haben sich die Raupen ebenfalls schon ausgebreitet. In Parks sieht man Schilder, die davor warnen, Raupen oder Nester zu berühren.

In Mülheim an der Ruhr wurden gleich neun Kinder bei einem Sportfest durch die Brennhaare der Tiere verletzt. Sie klagten über Atemnot und Hautreizungen. Im Klever Wildgehege warnen Schilder die Besucher vor dem gefährliche Plagegeist, das Betreten des Geheges ist auf eigene Gefahr.

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