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Neuss: TaS-Publikum begeistert von Premiere des "Theaters auf'm Parkplatz" mit Rosi

Theater in Neuss : Nach der Vorstellung gab’s Selfies mit Rosi

Kleine Bühne – großes Spektakel: Das Publikum war begeistert von der Premiere des „Theaters auf’m Parkplatz“ mit der Ruhrpott-Perle. Nicht nur für die Zuschauer, auch für das Team vom Theater am Schlachthof eine vollkommen neue Erfahrung.

Das Theater am Schlachthof Neuss (TaS) hat in seiner 25-jährigen Geschichte meist Krisen innovative Antworten entgegengesetzt. Nachdem viele Wochen lang der Proben- und Vorstellungsbetrieb wegen Corona eingestellt werden musste, gab es am vergangenen Freitag Abend eine geradezu sensationelle Antwort: TaS-Geschäftsführerin Britta Franken und der künstlerische Leiter Markus Andrae eröffneten das vermutlich deutschlandweit erste „Theater auf‘m Parkplatz“.

Hinter dem Gebäude mit den Bühnen des TaS befindet sich ein großer Parkplatz, vor dem eine kleine Bühne aufgebaut war. Großzügig wurde der Platz aufgeteilt: Nur jeder zweite Parkplatz durfte besetzt werden. So fanden 15 Fahrzeuge Platz, in denen bei der Premiere 33 Personen saßen – und zwei kleine Hunde. Einer von beiden bellte tatsächlich nach jedem Akt „Applaus, Applaus!“. Für den Auftakt konnte Sabine Wiegand (49) alias „Dat Rosi“ gewonnen werden, vor allem deshalb, weil ihr Auftritt in Köln Pandemie-bedingt abgesagt wurde.

Für die „Ruhrpott-Proletin“, wie sie sich selbst nennt, ist Neuss längst zweite Heimat. Seit 1994 spielt sie in Neuss. Bis heute gehört sie von Anfang an (1995) mit Martin Maier-Bode und Jens Neutag zum Chef-Autorenteam des erfolgreichen Stunk. Diesen alternativen Karnevalssitzungen verdankt die in Düsseldorf geborene und im Großraum Köln lebende Kabarettistin, Schauspielerin und Sängerin, die nahezu alle ihre Songs selbst schreibt, auch ihren Ruhrpott-Slang: „Meine Eltern kamen aus dem Sauerland, das liegt sprachlich nahe an der Ehrlichkeit und Direktheit des Kohlenreviers. Ohne Plattitüden begrüßt man sich dort ‚He, du Arschloch, wie geht es dir?‘.“

Ähnlich direkt und gleichwohl charmant war ihr Programm für den Parkplatz-Abend mit einem Corona-Spezial: „Dat Beste von gestern und der geilste Scheiß von heute!“ Analog dazu bot ihr Vortrag Ausschnitte aus Programmen wie „Dat Rosi im Wunderland“ garniert mit neuen Nummern wie „Wir kloppen uns um Klopapier“ oder dem Flashmob im Sanitätshaus. Beachtlich sind dabei ihre Qualitäten als Stepptänzerin.

Schon im Vorfeld hatte Brigitte (69) aus Düsseldorf geschwärmt: „Ich kenne als treuer Fan des TaS dat Rosi schon lange, bin aber gespannt, wie sie das neue Format hier lösen wird.“ Die Antwort gab am Ende Sabine (45) aus Neuss: „Diese Herausforderung wurde souverän gemeistert. Das war eine toll funktionierende Veranstaltung, auch für die Künstlerin. Dem vorbereitenden Team kann man nur Lob zollen.“ Als Sabine Wiegand den Schlusssong „The Show Must Go On“ intonierte, drückten die Zuhörer ihre durchweg positive Begeisterung mit dem Einschalten der Warnblinkanlage aus. Dat Rosi bedankte sich, indem sie nahezu an jedem Auto für ein Selfie bereitstand. Die Vorbereitung war in der Tat exzellent.

„Bürgermeister Reiner Breuer hat uns von Beginn an unterstützt und die Kontakte zu den Ämtern hergestellt“, sagt TaS-Geschäftsführerin Britta Franken, die auch die leckeren Gastronomie-Pakete – mit Autonummern versehen – schon bei der Einfahrt verteilte. „Dank auch an unseren Sponsor Neusser Bauverein, der logistisch und technisch sehr geholfen hat“, ergänzt Markus Andrae. Für ihn war dieses Format eine „vollkommen neue Erfahrung“. Das Umweltamt, das dieses Open-Air-Theater als den „besten Platz in ganz Neuss“ bezeichnet hatte, machte dann doch große Auflagen: Einzeln umher laufende Personen waren untersagt. „Daran halten wir uns, auch aus Verantwortung“, sagt der künstlerische Leiter. Lediglich der Werkstattleiter Leon Hajdukovic und sein Adlatus Eik durften zur Autoeinweisung zu Fuß unterwegs sein.

Von Kurt Tucholsky stammt der Satz „Satire ist Humor, der die Geduld verloren hat“. Wenn verlorene Geduld zu so wunderbaren Novitäten wie dem Neusser „Theater auf‘m Parkplatz“ führt, und eine frech-frivole Rosi diesen einweiht, dann hat der 1935 gestorbene Berliner Zeitkritiker vollkommen recht.