Neuss: Täter hatte vor Schüssen Polizei auf Facebook gedroht

Schüsse in Neuss : Täter drohte auf Facebook der Polizei

Anwohner haben am Freitag die Polizei alarmiert, nachdem sie einen bewaffneten Mann an der Waldstraße gesehen hatten. Dieser ist polizeibekannt und droht auf Facebook Justiz und Polizei. Die hat kaum eine Handhabe gegen ihn.

Ein Sonderkommando der Polizei hat am Freitagabend einen 31 Jahre alten Mann überwältigt, der sich in einer Wohnung an der Waldstraße verbarrikadiert und mehrfach ungezielt auf die Beamten geschossen hatte. Verletzt wurde niemand. Der nach Angaben der Polizei offensichtlich geistig verwirrte Mann wurde in eine psychiatrische Fachklinik gebracht. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung stellten die Beamten neben einer Gaspistole und Munition noch weitere Hieb- und Stichwaffen fest.

Ein Foto von seinem Arsenal hatte der Mann nur zwei Tage zuvor auf seinem Facebook-Profil gepostet, das für alle Nutzer einsehbar ist: "Meine Gaswaffe P22 und Gasmunition, Alkohol, Messer und Knüppel und ein Dorn", listet der Mann auf und behauptet gleich danach: "Wo es die Sachen gibt da gibt es noch mehr und noch was anderes was mir Zeit verschafft" (Rechtschreibung unverändert übernommen). Es ist eine Kampfansage an Polizei und Justiz, als deren Opfer er sich sieht, seinen Anwalt und das Gericht. "Ich schreibe lieber mit Blut an den Wänden den Namen" - und zwar den einer Richterin, die er namentlich nennt. So wie auch den seines Anwalts und vieler Polizeibeamter. "Körperlich kann ich mich gut durchsetzen und zusätzlich habe ich ab sofort und immer etwas dabei was denn Körper sehr schaden kann und zwar außerordentlich schaden kann", heißt es in dem verstörenden Eintrag auf Facebook.

Die Polizei kennt all das und natürlich auch den 31-Jährigen, den sie in der amtlichen Pressemeldung nur als Störer bezeichnet, gegen den sie nach Angaben von Polizeisprecherin Diane Drawe aber ein Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung und Körperverletzung eingeleitet hat.

"Ich schreibe lieber mit Blut an den Wänden den Namen": Unverhohlene Drohung auf der öffentlichen Facebook-Seite des 31-Jährigen. Foto: Screenshot

Schon in der Vergangenheit war der heute 31-Jährige immer wieder kurz inhaftiert oder eingewiesen worden. Zum Beispiel, als er Polizeibeamte tätlich angriff, die vergangenes Jahr den Umzug der Schützen in Rosellerheide absichern wollten. Der Mann berichtet auf seiner Facebook-Seite selbst über Verfahren wegen Körperverletzung, Anzeigen wegen Beamtenbeleidigung oder abgeleisteten Sozialstunden. Und über einen ähnlichen Vorfall wie am vergangenen Freitag, bei dem im April vergangenen Jahres bereits eine Gaswaffe und zwei Messer sichergestellt worden sein sollen. Ja, er schreibt an anderer Stelle: "Ich würde denn IS (gemeint ist der Islamische Staat, d.Red.) sofort unterstützen, helfen und Unterschlupf Gewehren wenn sie diese Polizeistation im Visier hättten."

Vor diesem Hintergrund war die Polizei doppelt alarmiert, als am Freitag gegen 17.40 Uhr erste Notrufe eingingen, die von einem bewaffneten Mann im Bereich Waldstraße berichteten, der auch schon einen Schuss abgegeben haben sollte. Es wurden mehrere Streifenwagenbesatzungen in Marsch gesetzt, die schnell ermitteln konnten, wo sich der Mann verbarrikadiert hatte. Weil sie nicht wussten, dass der - auch dieses Mal - "nur" mit einer Gaswaffe durch die Gegend ballerte, wurde der Bereich abgesperrt. "Um eine Gefährdung Unbeteiligter auszuschließen", wie es im Polizeibericht heißt. Und weil sich der 31-Jährige nach Polizeiangaben "sehr aggressiv und unkooperativ" zeigte und auch von den zur Unterstützung angeforderten Spezialkräften nicht zur freiwilligen Aufgabe bewegt werden konnte, wurde die Wohnung gestürmt, der Mann überwältigt.

Für die Polizei ist nur schwer hinnehmbar, wie der Mann im Internet gegen namentlich genannte Mitarbeiter von Polizei und Justiz wettert und droht. Man kenne die Seite und verfolge, was dort veröffentlicht wird, sagt Drawe. "Aber es ist nur teilweise gelungen, die Seite zu löschen." Einmal, weil deren Betreiber nicht immer kooperativ sind, zum anderen, weil Betroffene dann einfach neue Profile anmelden, über die sie den Inhalt dann erneuern. Auch der 31-jährige aus Rosellerheide verfügt über mehrere Facebook-Konten, hat seine Inhalte zum Teil aber auch auf den Seiten anderer Nutzer verbreitet.

Diese Situation sei sehr unbefriedigend, sagt Drawe. Sie betont aber auch mit Blick auf die strafrechtlichen Ermittlungen und Maßnahmen der Ordnungshüter: "Die Polizei hat alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft". Über die Art und die Dauer einer Inhaftierung aber würden am Ende Gericht und Staatsanwaltschaft entscheiden. Die Staatsanwaltschaft war für eine Stellungnahme am Sonntag nicht zu erreichen.

(-nau)