Neuss: Sumpfkresse bewuchert den Nordkanal

Auch auf Neusser Stadtgebiet : Kresse bewuchert den Nordkanal

Teile des Gewässers sind von der Wasserpflanze zugewachsen. Derzeit wird in Neuss und Kaarst der Rückschnitt koordiniert.

Die Wasseroberfläche des Nordkanals ist derzeit an einigen Stellen dicht bewachsen. In Kaarst ist beispielsweise der Abschnitt an der Einmündung des Jüchener Bachs betroffen, aber auch auf Neusser Seite hat sich die Wasserpflanze extrem vermehrt. Ein NGZ-Leser hat jetzt den Bewuchs fotografisch festgehalten – und zwar von der Geulenbrücke aus. Er bezeichnet den aktuellen Zustand als „Urwald“.

Die Kaarster Bürgermeisterin Ulrike Nienhaus fordert Verbesserungen. „Durch den sehr dichten Bewuchs wird die Fließgeschwindigkeit des Nordkanals weiter verringert. Damit leidet die Wasserqualität. Die Pflanzen müssen deshalb weitgehend zurückgeschnitten werden“. Nienhaus ist gleichzeitig Vorsitzende des Wasser- und Bodenverbandes Nordkanal, der derzeit in Abstimmung mit der Stadt Neuss den Rückschnitt koordiniert.

Für die Arbeiten wird ein sogenannter „Mähkorb“ benötigt, die Pflanzen sollen gezielt zurückgeschnitten werden. „Wenn ein kleiner Teil stehen bleibt, entsteht ein linearer Verlauf des Nordkanals, der sogar einen schnelleren Ablauf des Wassers ermöglicht“, erklärt Nienhaus. Insbesondere durch die Aufstauung des Nordkanals auf Neusser Stadtgebiet (Teichlandschaft im Stadtgarten) werde der schnellere Abfluss des Wassers verhindert.

Ein Gutachten des NRW-Umweltministeriums hatte im April 2017 Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität aufgelistet. Immer war die Fließgeschwindigkeit als wesentliche Verbesserung genannt worden. Ulrike Nienhaus will den Bewuchs auch zum Thema der Vorstandssitzung des Wasser- und Bodenverbandes machen, die am Dienstag stattfindet: „Der massive Bewuchs derzeit ist ein Ergebnis der niedrigen Fließgeschwindigkeit. Dieses Thema müssen wir anpacken, wenn wir eine dauerhafte Verbesserung wollen.“

Die Stadt Neuss teilt auf Nachfrage mit, dass der Nordkanal nach den Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie bewirtschaftet wird. Diese sieht vor, für alle künstlichen Gewässer in Europa das „gute ökologische Potential“ zu erreichen. „Somit ist Pflanzenwachstum und das teilweise Verlanden des Gewässers durchaus erwünscht. Denn damit entsteht die Grundlage für eine größere Artenvielfalt im und am Nordkanal“, sagt Pressereferent Tobias Spange. Bei der Pflanze handele es sich um die sogenannte Wasser-Sumpfkresse (die Stadt Kaarst spricht wiederum von Brunnenkresse). Deren Ausbreitung werde durch die niedrige Fließgeschwindigkeit und die damit verbundene Sedimentation schlammigen Materials begünstigt. „Sedimentation ist ein natürlicher Prozess in Gewässern mit niedriger Fließgeschwindigkeit und weder positiv oder negativ zu bewerten“, sagt Spange. Die niedrige Fließgeschwindigkeit sei hauptsächlich durch das vorhandene geringe Gefälle des Nordkanals bedingt, wobei Kanäle grundsätzlich ein geringes Gefälle aufweisen würden. Einen großen Einfluss auf die Verbreitung habe außerdem die Sonneneinstrahlung. In dauerhaft beschatteten Bereichen des Nordkanals sei die Wasser-Sumpfkresse in deutlich geringerem Umfang anzutreffen. Die Ausbreitung der Pflanze sei kein Zeichen für ein „Umkippen“ des Gewässers, da sie dem Gewässer Nährstoffe entziehe und somit eher eine Verbesserung der Wasserqualität anzeige. Indizien für ein „Umkippen“ seien starkes Algenwachstum und ein deutliches Absinken des Sauerstoffgehaltes.

„Dennoch behalten wir die Situation des Nordkanals im Blick. Bei zu starkem Wachstum der Wasser- Sumpfkresse wird ein Freischnitt erfolgen, um den Abfluss zu gewährleisten. Im Dezember erfolgt turnusmäßig ein Rückschnitt“, sagt Spange.

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