Neuss: Stunk vom Theater am Schlachthof mit „Rückkehr zum Planet der Jecken“

Stunk in Neuss : Viel Stunk mit Biss, Humor und Gesang

Drei Stunden Programm bei der „Rückkehr zum Planet der Jecken“ vom Theater am Schlachthof vergehen wie im Flug.

Um seinen Kopf muss sich Martin Maier-Bode nicht sorgen. Der würde nämlich rollen, hat er mal verkündet, sollte es keine Lacher beim aktuellen Stunk des Theaters am Schlachthof geben. Zusammen mit seinem Kollegen Jens Neutag und der Sängerin und Songschreiberin Sabine Wiegand hat der Regisseur und Kabarettist den Text für „Rückkehr zum Planet der Jecken“ geschrieben – und schon bei der öffentlichen Generalprobe und erst recht bei der Premiere den Nerv des Publikums getroffen. Sowohl den für den gemeinen wie auch den für den groben Humor.

Dabei hat das Autorenteam aus der Not eine Tugend und den Einsatz eines Neuen im Ensemble – als Ersatz für Jens Kipper – zum Running Gag der Show gemacht. Robin (Schüllenbach) heißt der Mann mit Klarnamen, stolpert förmlich zu Beginn auf die Bühne und erklärt voller Stolz, endlich beim Stunk mal dabei sein zu dürfen. Passenderweise „backstage“, denn der Raum hinter der Bühne für den Stunk bleibt an diesem Abend die Spielfläche. Aber erst mal wird Robin langgemacht, für Jens (Spörckmann) ist er der „Spacko“, auch Harry (Heib), Sabine (Wiegand), Franziska (Lehmann), Ilva (Melchior), Carolin (Stähler) und Dennis (Prang) vergessen ständig seinen Namen, für sie ist er mal Robert, Justin oder Johnny...

Robin jedenfalls ist es, der in der großen Mülltonne die Außerirdische Hekate und ihren Androiden Eileithia entdeckt, die durch Zeit und Raum gereist sind, um jenes Paar zu finden, das genau eine Stunde nach der Stunk-Vorstellung den Menschen zeugt, der die Welt retten wird.

Was vielleicht keine ganz frische Idee ist, aber mit so viel Biss, Humor, Gesang und tollen Nummern durchgezogen wird, dass die drei Stunden-Vorstellung wie im Flug zu vergehen scheint. Am Ende gibt es gar eine Lösung, von der aber nur so viel verraten wird: Heinz Allein der Unterhalter (herrlich: Harry Heib) möchte zwar gern und kann immer, aber wird nicht.

Maier-Bode, Neutag und Wiegand liefern eine Mischung ab, die viel Comedy, auch Karnevalistisches, aber vor allem scharfzüngiges Kabarett bietet. 14 Songs gehören dazu, die von Wiegand ausgesucht, neu getextet und arrangiert wurden. Wobei auch ein Original dazugehört, das von Toshi Trebess und Wiegand komponiert und getextet wurde: der „Stunk-Song“ könnte locker zum Markenzeichen des Formats werden. Ansonsten wird aus Queens „Don’t stop me now“ auf Deutsch „Wir machen Stunk“, aus Elton Johns „Candle in the Wind“ ein (SPD-)„Fähnchen in den Wind“ oder aus „Zusammen“ von Fanta 4 „Annegret Kramp-Karrenbauer“.

Überhaupt bekommen Politiker aller Parteien ihr Fett ordentlich weg: Comedymäßig auf der Blumenwiese mit der Biene Merkel (schon fast die zweite Natur von Wiegand) und Willy Altmeier (Spörckmann), Flip Baerbock (Lehmann), Thekla Weidel (Stähler), Mistkäfer Nahles (Melchior), Zecke Lindner (Prang) und Bandwurm Söder (Schüllenbach). Und richtig bissig-ätzend mit der Beerdigung der SPD oder der Karnevalssitzung der KG Braun-Braun unter dem Vorsitz eines Hitler-Wiedergängers. Lokale Politik hingegen ist eher eine Randerscheinung, aber es gibt sie, die Spitzen gegen den Bürgermeister, die Schützen oder einzelne Neusser Stadtteile.

Der Zweier-Elferrat der KG Braun Braun will den totalen Karneval. Foto: Jagna Witkowski

Doch was wäre der Stunk ohne die Band? Die erst macht den Sound aus, ist passgenaue Begleitung wie schwungvoller Unterhalter in den wenigen Pausen.

Die weiteren Vorstellungen sind ausverkauft, Chancen auf Karten gibt es nur an der Abendkasse.

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