Neuss: Streichquartett-Premiere im Haus der Musiker

„vision string quartet“ : Premiere im Haus für Musiker

Auf der Raketenstation hat das „vision string quartet“ erstmals seine musikalischen Künste gezeigt.

Erstmals hatte der Verein zur Förderung des Kunst- und Kulturraumes Hombroich zu einem Konzert in das Haus für Musiker auf der Raketenstation eingeladen. Diese Premiere wollten viele Besucher erleben, denn gut 160 Zuhörer füllten das Theater. Vielleicht waren aber auch die Musiker der Anziehungspunkt, denn mit dem „vision string quartet“ hatte der Verein wahrhaft innovative Musiker eingeladen.

Das junge Quartett mit Jakob Encke und Daniel Stoll (Violinen) sowie Sander Stuart (Viola) und Leonhard Disselhorst (Violoncello) gehört zu den vielversprechenden Newcomern. Ihr bisher herausragendster Erfolg: Beim internationalen Musikwettbewerb „Concours de Genève“ 2016 nahmen sie neben dem ersten Preis auch alle vier Sonderpreise mit. Ihre Konzerte spielen sie bis auf den Cellisten im Stehen und ohne Notenblätter. Das hat sich nicht nur zu ihrem Markenzeichen entwickelt, sondern stützt eine phänomenale Kommunikation untereinander.

Während die Musiker beim Einspielen im Theater auf Hombroich die Akustik lobten, war dann im Konzert bei dem guten Besuch diese gedämpft und trocken. Geradezu galant war, dass die exzellenten Streicher ihr Konzert mit einer Hommage an Grazyna Bacewicz begannen. Die 1969 in Warschau gestorbene Komponistin und Violinvirtuosin ist eine bedeutende Vertreterin moderner polnischer Musik. Ihr originelles „Streichquartett Nr. 4“ ist zugleich eine hoch virtuose Herausforderung, die scheinbar mühelos bewältigt wurde. Zudem nahmen die neoklassizistische Sprache bei oft romantischer Klangfülle die Zuhörer für die Komposition ein.

Joseph Haydns letzte Streichquartette op. 77 sind zugleich seine vollendetsten. Das in G-Dur wurde beim „vision string quartet“ zum Streicherfest, auch weil sich das Ensemble als Meister der Dynamik mit feinstem Pianissimo-Spiel outete. Das gelang vollendet auch bei Robert Schumanns „Streichquartett Nr. 3 A-Dur“.

Großartig waren die Variationen im „Scherzo“ des ersten Satzes, in dem auch die Mittelstimmen herrlich glänzen. Wunderbar lyrisch beruhigte der langsame Satz, bevor ein fröhliches Rondo-Finale mit einer schier endlosen Coda die Pracht beschließt.

Da das Quartett neben klassischen Werken auch Eigenkompositionen spielt und sich sogar als Band versteht, gab es als Zugabe eine faustdicke Überraschung: Eine jazzige Samba, pizzicato gespielt, ließ das Publikum jubeln. Eine schönere Entlassung in den herrlichen Sonnentag hätte dem „vision string quartet“ wirklich nicht einfallen können.