Neuss: Stefanie Will übernimmt Leitung der "Artnight" in Neuss

Artnight in Neuss : Strich für Strich zum bunten Löwen

In wenigen Stunden zum bunten Bild: Unter Anleitung einer Künstlerin wird der Pinsel geschwungen. Artnight heißt das Angebot.

Monika Klein sieht in die Augen eines Löwen. Auf ihrer Leinwand nimmt das Raubtier langsam Form an. Die 53-Jährige mustert ihn prüfend, setzt ihren Pinsel an und fährt dann noch einige Male über seine Mähne.

Stefanie Will (.l.) zeigt einer Teilnehmerin an einer Vorlage, wie sie die Mähne des Löwen auftragen kann. Foto: Natalie Urbig

Sie ist eine von elf Frauen, die an jenem Abend im Vogthaus sitzen und unter der Anleitung von Künstlerin Stefanie Will ein Bild malen. Seit diesem Sommer wird in Neuss die „Artnight“ angeboten: Das Konzept ist aus der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ bekannt. Vor drei Jahren stellten dort die Gründer David Neisinger  und  Aimie-Sarah Henze ihre Idee vor: Menschen treffen sich in lokalen Gaststätten, um gemeinsam kreativ zu sein. Mitmachen kann jeder, auch diejenigen, die kein künstlerisches Talent haben. Darauf wird extra hingewiesen. Die Veranstaltung scheint einen Nerv zu treffen: In mehr als 50 Städten gibt es das Angebot bereits.

Im Vogthaus herrscht derweil konzentrierte Stille. „Der kreative Prozess kann etwas Meditatives haben“, erzählt Stefanie Will und dreht eine Runde durch den Raum. Jede Artnight steht unter einem festgelegten Motiv. Diesmal ist es ein großer Löwenkopf. Damit der Umriss des Raubtiers gelingt, hat Will eine Vorlage mitgebracht. Dazu gibt es eine kurze Anleitung zur Technik und eine Farbkarte, die zeigt, welche Töne sich gut kombinieren lassen. „Mir ist es wichtig, dass die Teilnehmer am Ende des Tages ein Bild in ihren Händen halten, mit dem sie zufrieden sind“, sagt Will.

Zur Inspiration hat Stefanie Will einige Vorlagen mitgebracht, wie der Löwenkopf einmal aussehen könnte. Sie will nur Angebote machen, nicht belehren. Foto: Natalie Urbig

Und so geht die Künstlerin immer wieder zwischen den Reihen hin und her, beantwortet Fragen, gibt Tipps und ermutigt. Am kritischsten sind ohnehin die Beteiligten selbst. Ein wenig ratlos sieht eine Teilnehmerin auf ihre Malerei. Der Löwe will ihr nicht so recht gefallen. Aber Stefanie Will kennt einen Trick: „Du bist betriebsblind“, sagt sie, „wenn man die ganze Zeit so nah vor dem eigenen Bild sitzt, hat man keinen klaren Blick mehr dafür.“ Kurzerhand nimmt sie die Leinwand von der Staffelei, geht einige Schritte zurück und hält es in die Höhe: „So sieht es richtig cool aus. Stimmt‘s?“

Wie viel eine andere Perspektive bewirken kann, weiß Stefanie Will aus eigener Erfahrung. Die Neusserin hat soziale Arbeit studiert, arbeitete in einem Krankenhaus, in Schulen und Kindergärten und später im Vertrieb. Nebenbei hat sie immer gemalt. „Das habe ich von meiner Mutter übernommen. Als ich klein war, hat sie unsere Küche oft in ihr Atelier verwandelt“, erzählt sie. Seitdem ihre vier Kinder aus dem Haus sind, hat sich Will verstärkt ihrer Malerei gewidmet. Sie malt abstrakt, oft sind es knallige Farben, mit der sie große Leinwände füllt. „Es geht viel um Energie“, sagt sie. Sie erledige Auftragsarbeiten. „Es ist nicht so einfach, sich mit Kunst zu etablieren“, erzählt sie. Die Artnight sei ein Zubrot, außerdem arbeite sie gerne mit Menschen zusammen. „Am meisten beeindruckt es mich, wenn ich sehe, wie verschieden die Ergebnisse werden, obwohl alle nach der gleichen Vorlage malen. Das ist einfach toll.“

Die Teilnehmer haben den Löwenkopf nun auf die Leinwand gebracht. Zeit für Stefanie Will, die Spachteltechnik zu erklären. Sie trägt dafür verschiedene Farben auf eine rechteckige Karte auf, zieht sie über eine Vorlage und hinterlässt ein regenbogenartiges Muster. „Damit könnt ihr die Mähne machen“, erklärt sie. Ob die Frauen die Technik anwenden, ist ihnen überlassen. „Ich mache nur Angebote, ich will auf keinen Fall belehren oder sagen, das ist falsch was du machst“, sagt Will. „Malen ist wie Tanzen. Es soll Spaß machen, egal wie es aussieht.“

Auch Monika Klein sieht es so. „Mir gefällt, dass der Abend nicht ergebnisorientiert ist, es geht nicht darum das perfekte Bild zu haben, sondern eine schöne Zeit zu verbringen.“ Sie ist mit ihrer Mutter und ihrer Tochter aus Mönchengladbach nach Neuss gekommen. Als Erinnerung wird jede von ihnen einen Löwen mit nach Hause nehmen.

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