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Neuss: Stadtarchiv braucht ein neues Magazin

Aufgrund von Platzmangel : Politik spricht über Neubau fürs Stadtarchiv

Das Magazin hat nur noch Platz, um Archivgut von maximal drei Jahren einzulagern. Deshalb spricht die Politik über ein „Magazin II“.

Wenn ein Archivar rechnet, klingt das so: Ein Quadratmeter Nutzfläche mal 2,30 Meter Regalhöhe gleich Platz für neun laufende Meter Aktenordner. Auf das Magazin des Stadtarchivs umgerechnet heißt das: Die Raumreserve reicht noch für maximal drei Jahre. Ein Neu- oder Anbau für die mit 776 Jahren älteste Kultureinrichtung der Stadt muss her, und genau darum geht es in der Sitzung des Kulturausschusses am heutigen Mittwoch.

Dass das Thema auf einmal so dringlich erscheint, hat auch mit Versäumnissen in der Vergangenheit zu tun. Denn der Rat hatte schon am 26. August 1980 den Neubau eines „Magazin II“ beschlossen, doch das Projekt wurde nicht umgesetzt. „Aus unbekannten Gründen“, wie es dazu in der Vorlage der Verwaltung an den Ausschuss heißt. Offensichtlich hat das Archiv ausgerechnet in diesem Punkt einen blinden Fleck — und die Stadtverwaltung hatte zumindest damals kein wirksames Beschluss-Controling. Das änderte sich auch nicht, nachdem dem Ausschuss im Jahr 2003 noch einmal über die Raumnot im Magazin berichtet worden war.

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Dass der Bestand trotzdem nicht aus allen Nähten geplatzt ist, erklärt Stadtarchivar Jens Metzdorf mit Verpackungs- und Kassationsmaßnahmen (das ist ein anderes Wort für Ausmisten), so dass „letzte Kapazitäten ausgereizt“ werden konnten. Doch die sind endlich.

Denn der Archivbestand ist in den vergangenen 50 Jahren von 1400 auf 4820 Regalmeter angewachsen – und wächst weiter. Eine zunehmende Digitalisierung auch der öffentlichen Verwaltung bremst die Entwicklung zumindest mittelfristig nicht, sondern beschleunigt sie sogar noch. Denn das Archiv ist weiter verpflichtet, alle Originale zu sichern. Das gilt für die analogen Akten ebenso wie für digitale.

Also hat das Stadtarchiv noch einmal gerechnet. Herausgekommen ist ein Bedarf an Stauraum von rund 3500 Regalmetern. Damit, so die Vorgabe, wäre die Bestandsentwicklung zumindest für 50 Jahre gesichert.

Um diese Menge unterbringen zu können, rechnet man im Rathaus mit einem zweigeschossigen allerdings voll unterkellerten Neubau, der auf einer 204 Quadratmeter großen Grundstücksfläche zu errichten sei. Die ist längst identifiziert: Im Garten hinter dem Haus Oberstraße 15, dem Sitz des Stadtarchivs. Der Landschaftsverband, so hat die Stadt schon einmal ermitteln lassen, hätte aus denkmalpflegerischer Sicht nichts gegen eine solche Lösung. Der übergeordneten Behörde geht es vor allem um die unveränderte Ansicht dieses Baudenkmals von der Straßenseite her. Allerdings wäre noch die Frage zu prüfen, wie etwaige Bodendenkmäler im Baustellenbereich zu schützen wären.

Das Magazin II — der bestehende Bau ist im Lager der ehemaligen Kerzenfabrik Sels untergebracht – ohne Anbindung an das Stadtarchiv zu bauen, sei grundsätzlich möglich, heißt es aus der Verwaltung. Weil aber der etablierte, zentral gelegene und eben auch denkmalgeschützte Standort des Archivs mit Lese- und Ausstellungssaal nicht aufgegeben werden soll, mache ein Anbau mit direkter Anbindung mehr Sinn. Das erleichtere auch Besuchern die Arbeit mit den Beständen und erspare Transportfahrten – die dem Archivgut auch nicht gut täten.