Neuss: Stadt bezahlt MaximNoise als Werbefigur

Personal-Kampagne in Neuss : Stadt bezahlt MaximNoise als Werbefigur

In den kommenden zehn Jahren muss die Stadt 475 Mitarbeiter ersetzen, die in die Rente gehen. Zur Gewinnung von Nachwuchs soll ein Video des Neusser Musikers dienen, der ein anderes Motiv für diesen Dreh nennt.

Danke möchte Max Jäger, vielen besser bekannt als MaximNoise, mit seinem neuesten Musikvideo „Neuss am Rhein“ sagen. Sein Dank gilt allen Mitarbeitern der Stadtverwaltung. „Ihr seid die Löwen, die diese Stadt zusammenhalten“, schreibt er auf Facebook. Seit dem 25. Oktober ist seine Hommage im Internet auf unterschiedlichen Kanälen abrufbar. Sie ist aber auch auf der Startseite der Stadt Neuss zu finden. Denn sein Dankeschön hat sich der Musiker von ihr bezahlen lassen. Peter Fischer, Leiter der städtischen Pressestelle, spricht von einer „angemessenen Vergütung“ und einem „marktüblichen Preis“. Über das Honorar sei Stillschweigen vereinbart worden. Max Jäger war für eine Darstellung nicht zu erreichen.

Aus der Liebe zu seiner Heimatstadt hat der Musiker nie einen Hehl gemacht und betont sie stets. Das hat ihn offenbar für die Stadt als Werbefigur interessant gemacht. Die Personalverwaltung habe Werbung für die Ausbildungsberufe machen wollen und sei ganz begeistert, „dass das Video schon so viele Klicks hat“, sagt Fischer. Denn in der Video-Beschreibung auf YouTube stolpert man sofort über den Hinweis auf das Karriereportal der Stadt. Teil des Pakets seien auch Interviews, sagt Fischer, die der Musiker noch mit Vertretern der einzelnen Berufe führt – oder geführt hat.

Hintergrund der Werbebotschaft ist das Problem, Mitarbeiter zu finden und zu binden. Diese Notwendigkeit setzt auch in anderen Unternehmen Kreativität frei. Zuletzt stellte die St.-Augustinus-Gruppe, größter sozialer Arbeitgeber in Neuss, Werbespots vor, mit denen sie sogar in Kinos für den Pflegeberuf trommelt. Neuss selbst setzt auf Musik und Heimatliebe, plant aber auch mit dem Rhein-Kreis ein gemeinsames Rekrutierungs-Projekt.

Wie groß der Bedarf ist, hat die Verwaltung für die Arbeitsgemeinschaft Personal zusammengefasst, die am Donnerstag tagt. Demnach werden in den zehn Jahren bis 2030 aus Altergründen 475 Mitarbeiter die Stadtverwaltung verlassen. Die Hälfte davon tut in der Kernverwaltung Dienst, ein Drittel in technischen Berufen. Der Rest verteile sich auf Feuerwehr, Sozialdienst, Archiv und Museum. Von diesen 475 Pensionären in spe üben 111 eine Führungsfunktion aus, 18 sind Abteilungs-, 18 weitere sogar Amtsleiter. Unter dem Strich tauscht die Stadt – nimmt man noch die drei in die Rente wechselnden Beigeordneten hinzu – in der kommenden Dekade die Hälfte der Führungskräfte aus. „Die Stadt rekrutiert mit vielfältigen Maßnahmen neues Führungspersonal“, heißt es in den Beratungsunterlagen zur AG Personal.

Nachwuchskräfte zu finden ist das eine. Um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, dreht die Stadt aber auch noch an anderen Stellschrauben. Die Zahl der Telearbeitsplätze (Homeoffice) wird ausgebaut und liegt inzwischen bei 89, was 5,5 Prozent der Bürojobs entspricht. Zudem wird der Gleichstellungsplan umgesetzt. Konsequenz: Von 24 Führungspositionen konnten im vergangenen Jahr 15 mit Frauen besetzt werden.