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Neuss: Spurensuche nach Neusser Süßwaren

Historiker erforschen Süßwaren-Geschichte : Süße Spurensuche in Neuss

Schon vor mehr als 100 Jahren war Neuss ein bekannter Standort der Süßwarenproduktion. Studenten der Heinrich-Heine-Uni lassen nun alte Neusser Süßwarenfirmen lebendig werden.

Im berühmten Film von Regisseur Tim Burton benötigt der kleine Charlie ein goldenes Ticket, um die sagenumwobene Schokoladenfabrik von Willy Wonka besichtigen zu dürfen. Solch eine besondere Eintrittskarte wird man wohl nicht benötigen, um sich im kommenden Jahr auf eine spannende Entdeckungsreise in die süße Neusser Vergangenheit zu begeben. Aber ähnlich wie in Wonkas Schokoladenfabrik wird sich in der zweiten Jahreshälfte im Clemens-Sels-Museum und Stadtarchiv vieles um die Kakaobohne drehen.

Eine gemeinsame Ausstellung bildet sozusagen die Ergebnis-Präsentation von Studenten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Denn eine von Professorin Margrit Schulte Beerbühl betreute Gruppe hat sich im Neusser Stadtarchiv staubige Finger geholt, um die Geschichte von großen und kleinen Neusser Schokoladen- beziehungsweise Süßwarenherstellern zu erforschen. „Süßes Neuss“ lautet der Name des Projektes. „Wir haben tolle Sachen gefunden“, verrät Margrit Schulte Beerbühl, die sich seit rund zehn Jahren mit dem Thema Süßwarenherstellung in Deutschland und Europa beschäftigt.

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Schon vor mehr als 100 Jahren war Neuss ein bekannter Standort der Süßwarenproduktion. Das gilt jedoch fast für den gesamten Niederrhein. Schließlich war Schokolade früher ein Luxusprodukt, das sich nur wohlhabendere Menschen leisten konnten. Die Menschen in den reichen Industriestandorten am Rheinland durften also öfter mal naschen. „Zwischen Emmerich und Bonn haben wir rund 500 Unternehmen ausfindig gemacht – im Zeitraum zwischen 1850 und 1980“, sagt die Professorin. Die meisten dieser Firmen gibt es jedoch längst nicht mehr.

Omnipräsent bei der Schoko-Recherche in Neuss, und das dürfte keine Überraschung sein, war die Firma „Novesia“, die den Namen der Stadt Neuss mit ihrer „Goldnuss“ hinaus in deutsche Lande trug. Die Nachwuchs-Forscher teilten sich sogar in Gruppen auf, um unterschiedliche Epochen der Neusser Schokoladenfabrik bearbeiten zu können – von den Anfängen über die erste dampfmaschinelle Herstellung bis zur Einstellung des Betriebs im Jahr 1980.

Die Düsseldorfer konnten bei ihrer umfangreichen Suche aber rund 20 weitere historische Neusser Süßwarenfirmen ausfindig machen, von denen nur noch eine existiert – und zwar die Chocolaterie Mayser (seit 1882).

Mehrere Tage haben die Studenten das Stadtarchiv durchforstet, stöberten in alten Adressbüchern und Gewerbeakten, analysierten altes Werbe-Material und Verpackungen. „Ich bin gespannt, was dabei herauskommt“, sagt Stadtarchivar Jens Metzdorf, der die enge Kooperation zwischen allen Beteiligten betont.

Gleiches gilt für Carl Pause vom Clemens-Sels-Museum: „Im letzten Schritt geht es darum, das Herausgefundene in einer Ausstellung umzusetzen und es für eine größere Zahl Besucher, die keine Historiker sind, zugänglich zu machen.“ Nicht nur im Clemes-Sels-Museum und im Stadtarchiv wird es im zweiten Halbjahr 2019 – ein genauer Start ist noch nicht terminiert – süß zugehen. Denn auch im Schützenmuseum und auf dem Tuppenhof in Kaarst soll es zeitgleich Ausstellungen zu dem Thema geben.

Doch die Suche ist längst noch nicht abgeschlossen. Denn die Experten erhoffen sich weitere wertvolle Hinweise aus der Bevölkerung. Das Problem, das das Projekt gleichzeitig zu einer reizvollen Herausforderung macht: Es gibt nur ganz wenige Informationen über frühere Süßwarenfirmen.

Bis auf die Adressbücher habe es laut Margrit Schulte Beerbühl nicht viele weitere Quellen gegeben, um die süße Vergangenheit von Neuss wieder lebendig werden zu lassen. „Vielleicht gibt es ja noch den einen oder anderen Neusser, der sich an ein altes Schokoladengeschäft erinnert – oder vielleicht sogar noch Unterlagen hat“, sagt die Professorin der Heinrich-Heine-Universitä Düsseldorf. Diese Informationen – und nicht nur über den Hersteller Novesia – wären für die Verantwortlichen wohl wie das goldene Ticket für den kleinen Charlie.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die süße Geschichte von Neuss