Neuss: Sportplatz Erfttal wird zur Wohnadresse

Bezirkssportanlage in Erfttal: Sportplatz wird zur Wohnadresse

Die Bezirkssportanlage Erfttal ist zu groß. Die Stadt möchte sie annähernd halbieren und die frei werdende Fläche vermarkten. Dem stimmt die SG Erfttal, seit 2013 Hausherr auf der Anlage, zu. Aber sie will dafür etwas haben.

Die Bezirkssportanlage Erfttal ist nach Ansicht der Stadt mit 45.000 Quadratmeter Fläche überdimensioniert. Gut die Hälfte könnte abgetrennt werden, ohne den Sportbetrieb der SG Erfttal zu gefährden, hielt die Verwaltung im Vorjahr in ihrem Programm zur Haushaltskonsolidierung fest. Aus dieser Situation will die Sportgemeinschaft um ihren Vorsitzenden Heinz Sahnen nun das Beste für den Verein herausholen. Der Verein stimmt der Halbierung der Anlage zu, damit auf den frei werdenden Flächen ein Kindergarten und Wohnhäuser entstehen können. Dafür will die SG aber auch etwas haben: die Absicherung der Anlage als „Jugendsportzentrum“ und die Neuerrichtung einer verkleinerten Sportanlage mit einem Vereinsheim und zwei Kunstrasenplätzen. Dass sie damit durchkommt, ist fraglich.

Im Sportausschuss bekam der CDU-Stadtverordnete und Vereinspräsident Sahnen schon einmal Wind von vorne. Kunstrasenplätze, stellte seine Parteifreundin Ingrid Schäfer klar, gebe es zuvorderst für die vier definierten Fußballzentren – zu denen die BSA Erfttal auch nach den Buchstaben des Sportentwicklungsprogramms überhaupt nicht das Format hat. Und auch das Kleinspielfeld, dass die SG gerne in kunststoff-rasengrün hätte, wird es wohl nur mit Aschebelag geben. „Kleinspielfelder grundsätzlich als Tennenplatz“, wiederholte Schäfer einen bestehenden Beschluss. Sie befürchtet eine präjudizierende Wirkung. Und die „Kunstrasen-Wunschliste“ der Vereine in der Stadt sei noch lang.

Dabei könnte doch alles ganz einfach sein, versuchte Sahnen zu vermitteln. Er hatte – nachdem der Sportausschuss im November bei der Verwaltung ein Konzept für eine bedarfs- und ortsteilbezogene Optimierung der Anlage in Auftrag gegeben hatte – einen befreundeten Architekten „schon mal malen lassen“, wie er sagt. Um eine Arbeitsgrundlage zu bekommen. „Sonst hätten wir am Jahresende auch nicht mehr als ein weißes Blatt Papier.“ Diese Strukturkonzept wurde im März Vertretern von Verwaltung und Politik vorgestellt und im April der Stadtteilkonferenz. Zumindest dort war man von Anfang an zufrieden. Und: Sahnen weiß sogar von einem Interessenten, der das Gesamtpaket nehmen würde, Wohnungen, Kita und die neue Sportanlage bauen würde. Das allerdings sorgt gleich für Skepsis. Nicht, dass die Stadt dafür im Gegenzug das Bauland unter Preis abgeben muss!

Wird aus Sahnens Papier ein handfester Plan, könnten 80 Wohneinheiten entstehen – und zwar auf der Fläche vom alten Vereinsheim, das abgerissen werden soll, in Richtung Bahnstrecke. Damit würden die bestehenden Sportplätze überbaut. Die neuen würden dann auf dem Rasenplatz parallel zum Berghäuschensweg entstehen. Der, sagt Sahnen, ist ohne Drainage und nur für Jugendmannschaften nutzbar.

Wenn es so kommt. Wie groß die Anlage wird und welche Plätze ein Jugendsportzentrum benötigt, steht für Sportdezernent Matthias Welpmann noch nicht fest. Das wird erst ein Verfahren zeigen, das vom Amt für Stadtplanung moderiert wird.