Escape-Room-Spiel in Neuss Spielend durchs Museum

Neuss · Rätsel lösen, Codes knacken und nebenbei etwas über Kunst lernen: Die Sammlung des Clemens-Sels-Museums kann jetzt vor Ort mit einer Gaming-App erkundet werden. Das ist nicht nur für Jugendliche spannend.

Museumsleiterin Uta Husmeier-Schirlitz präsentiert das neue Spiel auf ihrem Smartphone.

Museumsleiterin Uta Husmeier-Schirlitz präsentiert das neue Spiel auf ihrem Smartphone.

Foto: Andreas Woitschützke

Das Spiel beginnt. „Herzlich willkommen im Clemens-Sels-Museum Neuss! Darf ich mich vorstellen? ich bin M1n3rva, dein persönlicher Guide und Kunstexpertin“, erscheint auf dem Smartphone der Besucher und weiter: „Ich wurde entwickelt, um das perfekte Kunstwerk für dich zu finden.“

Das Clemens-Sels-Museum hat als eines der ersten Museen in Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit der Digitalagentur „wegesrand“ aus Mönchengladbach eine Gaming-App entwickelt, die vor Ort im Museum genutzt werden kann: Die Besucher können sie kostenfrei auf ihr Handy laden und gleich loslegen: Auf sie warten in einem Spiel sieben verschiedene Aufgaben, mal müssen sie Rätselfragen beantworten, einen Code knacken, versteckte Bilddetails finden oder auch Puzzleteile zusammenfügen. Da teilweise auch mit Soundeffekten gearbeitet wird, ist die Mitnahme von Kopfhörern sinnvoll.

Das Spiel richtet sich hauptsächlich an Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren. „Es ist eine Zielgruppe, die einen anderen Zugang zu Kunstwerken erwartet“, sagt Museumsdirektorin Uta Husmeier-Schirlitz. Doch eigne sich die App besonders auch für Familien mit jüngeren Kindern und ist auch für all diejenigen interessant, die gerne Rätsel lösen und eine gewisse Spielfreude mitbringen.

Schon seit einigen Jahren beschäftigt sich das Clemens-Sels-Museum mit digitalen Formaten: Virtual und Augmented Reality hielten bei ihnen Einzug und vor einem Jahr zeigte die Ausstellung „Finde deinen Zugang – Digital zum Original“, wie sich Kunstwerke interaktiv entdecken lassen. Die Idee zu der Gaming-App sei schon 2021 entstanden, „wir wollten mit dem Projekt das beste aus der digitalen und analogen Welt vereinen“, sagt Husmeier-Schirlitz: Und nach einer Förderzusagen des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen im Aktionsprogramm „Ankommen und Aufholen nach Corona“ konnte mit der Umsetzung begonnen werden. Die Digitalagentur „Wegesrand“, wurde hierfür gefunden: Das Team geht in verschiedenen Projekten der Frage nach, wie sich Unterhaltung und Informationen verbinden lassen. Dabei kommen etwa Elemente zum Einsatz, wie man sie aus Escape-Rooms kennt. „Wissen lässt sich gut durch Interaktionen vermitteln und erweitern“, sagt „Wegesrand“-Geschäftsführer Thorsten Unger, der von dem Museumsprojekt von Anfang an begeistert war: „Auf diese Weise kann in den Menschen ein Interesse für Kunst geweckt werden – ihnen wird ein alternativer Zugang dazu angeboten.“ Bei der Entwicklung wurden auch jugendliche Testspieler mit ins Boot geholt, die noch einmal entscheidende Hinweise gaben: So habe „Wegesrand“ dem Museum drei verschiedene Handlungsstränge für das Spiel vorgeschlagen, die Jugendlichen haben schließlich entschieden, dass sie ein Spiel rund um Künstliche Intelligenz am spannendsten finden würden. Und so widmet sich die Gaming-App einem hochaktuellen Thema, das nicht zuletzt durch die Veröffentlichtung von ChatGPT in aller Munde ist. Die Rahmenhandlung des Spiels dreht sich nämlich um den Chatbot M1n3rva, der eigentlich nur ein interaktiver Guide für Museumsbesucher sein sollte. Doch seiner Entwicklerin ist ein Fehler unterlaufen, so dass sich das Programm nun selbstständig macht – und alle von Menschen geschaffenen Werke zerstören möchte. Nun öffnen sich zwei verschiedene Spielverläufe für die Besucher. Entscheiden sie sich für Mensch oder Maschine? In jedem Fall müssen sie verschiedene Prüfungen meistern und dafür zunächst einmal das entsprechende Kunstwerk in der Museumssammlung finden – denn nur so lässt sich die Aufgabe lösen: Das ist gar nicht so leicht, denn von dem gesuchten Bild wird nur ein Detailausschnitt vorgegeben. „Auf diese Weise wird den Spielenden durch das Digitale das Original näher gebracht“, sagt Jenia Sychniskaya, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum.

Die Gaming-App ist so konzipiert, dass sie mehrmals gespielt werden kann, da es einen individuellen Spielverlauf gibt: Das sei nicht nur nachhaltig, sondern auch sinnvoll, wenn etwa eine größere Gruppe, zum Beispiel eine Schulklasse, das Spiel nutzen möchte: Denn dann stehen die Schüler nicht alle zeitgleich vor dem selben Werk, sondern verteilen sich im Gebäude. Überhaupt ist die App flexibel einsetzbar: Sie ist selbsterklärend und kann an jedem Tag während der Öffnungszeiten des Museums gespielt werden. Jugendliche bis 21 Jahre haben zudem freien Eintritt.