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Neuss: Spannendes Nachtkonzert mit Kammerchor in der Quirinusbasilika

Chorgesang in Neuss : Spannendes Nachtkonzert in der Quirinusbasilika

Die Kulturschaffenden begegnen der Corona-Pandemie und den mit ihr verbundenen Auflagen mit großer Kreativität. Ein Beispiel dafür gaben jetzt der Kammerchor „Capella Quirina Neuss“ und die Ensembles „Cantus Neuss“ und „Sonare Neuss“.

Erst seit Ende Mai ist in Nordrhein-Westfalen wieder Chorgesang erlaubt – unter strengsten Hygiene- und Abstandsregeln. Damit geht eine lange Wartezeit zuende, denn im Chor proben geht nun mal nicht digital. Gleichwohl ist es Münsterkantor Joachim Neugart gelungen, die von ihm betreuten Ensembles „Cantus Neuss“ und „Sonare Neuss“ sowie den von ihm geleiteten Kammerchor „Capella Quirina Neuss“ zu einem Nachtkonzert am Samstag in der Quirinusbasilika zu führen. „Ich bin glücklich, dass das heute möglich ist, aber auch sehr nervös, dass es gelingt“, sagt der selten um außergewöhnliche Ideen verlegene Kirchenmusiker.

Nur 90 Zuhörer fanden in dem großen Gotteshaus Platz, jede zweite Bank blieb frei, in den weiteren Bänken saßen maximal drei Besucher. Eine weitaus größere Herausforderung war die Aufstellung des Kammerchores. Drei bis fünf Meter Abstand, zugleich versetzt, sollten die 30 Mitglieder haben. So platzierte Joachim Neugart 16 Sängerinnen und Sänger im Chorraum, 14 aber oben auf dem den ganzen Chorraum umfassenden Laufgang.

Dass sich der Kammerchor so gegenseitig kaum hören kann – ein gewaltiges Handicap –, erfuhr das Publikum nicht wirklich. Zu homogen klangen die Marienmotetten von Edvard Grieg und Francis Poulenc, das sechsstimmige „Abendlied“ von Josef Rheinberger oder die ebenso schön interpretierte achtstimmige Motette „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Als wären das nicht der Ansprüche genug, übertraf sich der Kammerchor in makelloser Aufführung der 1999 geschriebenen geistlichen Hymne „Christus est stella“ des britischen Jazzpianisten Will Todd.

Aus Bach-Kantaten sangen die Solisten Elisa Rabanus (Sopran), Angela Froemer (Alt) und Sebastian Klein (Bass), stilsicher begleitet vom Barockensemble „Sonare Neuss“ und Hans-Jakob Gerlings (Orgel). Alle Mitwirkenden fanden sich zusammen in dem Hymnus für acht Stimmen „Ave maris stella“ aus der Marienvesper von Claudio Monteverdi mit wunderbar musizierten Ritornellen. Der nicht enden wollende Beifall galt vornehmlich dem Kammerchor, der sein überragendes Niveau trotz langer probenfreier Zeit gehalten hat.