Neuss: Sorge wegen Holzwurm in der Obertorkapelle

Gotteshaus am Neusser Wahrzeichen: Sorge wegen Holzwurm in der Obertorkapelle

Seit zwölf Jahren kümmert sich Klaus Haas um das Gotteshaus. Das ist ein Job mit Herausforderungen – auch wegen eines Störenfrieds.

Es ist der Holzwurm, der Klaus Haas und seinen Mitstreitern derzeit Kopfzerbrechen bereitet. Käferlarven haben das Altarpodest in der Obertorkapelle befallen. Auch Feuchtigkeitsschäden an der Wand zum Obertor hin werden mit Sorge betrachtet. Herausforderungen wie diese sind es, mit denen sich der Förderverein Obertorkapelle konfrontiert sieht. Seit zwölf Jahren kümmert er sich um das winzige Gotteshaus, das sich an das Neusser Wahrzeichen schmiegt – und das vielen Neusser Schützen nicht zuletzt durch den Vorbeimarsch an den Ehrenabenden ein Begriff ist. Die Gründungsversammlung fand am 3. April 2006 statt. Gründungsmitglieder waren Cornel Baum, Heinz Gilges, Christoph Hahn, Rudolf Hutmacher, Max Tauch sowie Klaus und Manuela Haas.

„2005 hatten meine Frau und ich unsere neue Bleibe an der Oberstraße 3 bezogen“, erzählt der Arzt im Ruhestand. Man wohnte also direkt neben der Kapelle. Dem Ehepaar sei es ein Anliegen gewesen, diese wieder mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen. Vorsitzender des Vereins wurde damals Max Tauch, zum Stellvertreter wurde Klaus Haas benannt. Nach Tauchs Tod Anfang 2015 übernahm er die Leitung. „Dr. Tauch hat viel zur Bekanntheit des Vereins beigetragen und unter anderem auch das Jubiläumsbüchlein zum 300-Jährigen verfasst“, lobt er seinen Vorgänger. Den Vorsitz hat Haas bis heute inne, auch wenn der 74-Jährige inzwischen etwas weiter entfernt wohnt – in der Nähe des Rosengartens, also immer noch in fußläufiger Entfernung.

Auf die Frage, woraus die Arbeit des Vereins im Wesentlichen besteht, nennt der Vorsitzende an erster Stelle erneut das Bewusstsein in der Bevölkerung. Das ist ihm spürbar wichtig. Man wolle die historische Bedeutung wachhalten. Offenbar hat der Verein diesbezüglich schon einiges erreicht. Der Bekanntheitsgrad der Kapelle und des Vereins erscheinen Klaus Haas „recht hoch“. Auch ohne entsprechende Werbe-Aktivitäten sei der Verein inzwischen auf fast 200 Mitglieder angewachsen. Im Jubiläumsjahr 2013 – damals wurde in Anwesenheit des inzwischen verstorbenen Kölner Kardinals Joachim Meisner das 300-Jährige gefeiert –, waren es etwa 170 interessierte Männer und Frauen gewesen. Am 22. August 1713 war die Kapelle der „Schmerzhaften Muttergottes“ geweiht worden.

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Weitere Aufgaben der Vereinsmitglieder sind laut Haas der Küsterdienst – „nach dem Tode des hochverdienten ehemaligen Küsters von St. Quirin, Josef Grenzer“ – sowie das Aufstellen von Blumenschmuck, die regelmäßige Reinigung des Gebäudes sowie die Organisation von Besichtigungen. Besucher kommen dabei nicht nur aus Neuss oder den umliegenden Städten und Gemeinden, sondern beispielsweise auch aus dem Kreis Viersen. Die geistliche Zuständigkeit liegt bei der Münsterpfarre, namentlich bei Monsignore Guido Assmann.

Es sind vor allem kleine Details, die naturgemäß leicht übersehen werden, die die „Overpootzkapell“ aus Sicht des Vereins so besonders und liebenswert machen. Die bebilderte Festschrift zum Jubiläum nennt unter anderem die Madonna als Windfahne (zugleich Symbol des Vereins), die Bodenfliesen und das barocke Weihwasserbecken.

Doch der Verein schaut auch über den Tellerrand. Für dieses Jahr sind zwei „Kapellenfahrten“ geplant, unter anderem nach Holland. Im September wird eine Messe für die Lebenden und Verstorbenen des Vereins gefeiert, am Altar wird dann Monsignore Robert Kleine stehen. Vielleicht ist man ja bis dahin auch dem unliebsamen Holzwurm zu Leibe gerückt.