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Neuss: So wird die neue Spielzeit im Theater am Schlachthof

Schauspiel in Neuss : TaS freut sich auf die neue Spielzeit

Zum ersten Mal seit drei Jahren hatte das Theater am Schlachthof wieder eine Sommerpause: Langsam geht der Probenbetrieb wieder los und der künstlerische Leiter stellt das Programm für die neue Saison vor und spricht über die Corona-Folgen.

Das Zelt auf der Wiese wurde in diesem Jahr nicht aufgebaut, dafür hat das Team des Theaters am Schlachthof (TaS) zum ersten Mal seit der Pandemie wieder eine Sommerpause. Nun meldet es sich zurück und sieht „verhalten optimistisch“ auf die kommende Spielzeit, die es wieder mit Schauspiel, Musiktheater, Kabarett und einem Kinderprogramm füllen wird.

Doch ganz unbeschwert lief auch in diesem Jahr die Programmplanung nicht: Angesichts des aktuellen Zeitgeschehens sei der künstlerische Leiter Markus Andrae bei der Planung sehr vorsichtig gewesen. „So vorsichtig, dass ich die Möglichkeit eines neuen Lockdowns mit bedacht habe“, sagt Andrae. Er sieht die kommende Saison als eine Art Übergangs-Spielzeit, in der vorsichtig nach vorne geschaut werde, gleichzeitig aber auch die Nachwirkungen der Corona-Pandemie deutlich werden. „Wir haben weniger Neuproduktionen als sonst, dafür aber einige Wiederaufnahmen, die in der Vergangenheit zu kurz gelaufen sind oder komplett verschoben werden mussten“, sagt er.

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Überhaupt machen sich die Corona-Auswirkungen – so wie es derzeit bei allen Kulturhäusern ist – auch im TaS bemerkbar. „Generell sind wir zufrieden“, sagt Andrae und fügt hinzu: „Es konnte fast alles stattfinden.“ Auch über die Auslastung könnten sie sich angesichts der Saalgröße und der Sitzplatzbeschränkungen nicht beklagen. Doch: „Ich habe einen Blick in die Statistik geworfen und man kann sehen, dass die Zuschauerzahlen seit 2019 kontinuierlich gesunken sind“, sagt TaS-Sprecher Dennis Prang: „Wir sind zwar zufrieden, aber früher wären wir mit so einem Niveau nicht zufrieden gewesen.“ Es gebe ein Stammpublikum, das dem TaS die Treue hält, doch sei da auch ein Publikums-Segment, das in der Krise verloren gegangen sei, so Andrae: „Die zurückzugewinnen wird dauern.“ Auch habe sich das Kaufverhalten geändert: „Mittlerweile werden Tickets kurzfristig gekauft oder kurzfristig abgesagt, zum Beispiel, weil ein Test positiv war“, sagt Andrae.

Doch nun freut das Team sich, am Freitag, 9. September, mit der Tragikomödie „Indien“ von Josef Hader und Alfred Dorfer, die bereits im Frühjahr Premiere haben sollte, in die neue Schauspielsaison zu starten. „Es gehört zu den meist gespielten Zweipersonen-Stücken in Deutschland“, sagt Andrae. Darin geht es um zwei Gastro-Tester, die auf ihrer Dienstreise durch die rheinische Provinz über das Leben, Schnitzel, Brandschutztüren, Frauen und ihre Sorgen philosophieren. Unter der Oberfläche aus Wortkargheit, Flüchen und Besserwisserei lauern lustige Tragödien von zwei alternden Männern. „Es geht immer auch um den Unterschied von digital und analog“, sagt Andrae und fügt hinzu: „Mit Jens Spörckmann, Harry Heib und Eddy Schulz haben wir eine Top-Besetzung.“

In gewisser Weise feiert auch „Sherlock Holmes und das Mysterium des Mirakels“ am Freitag, 18. November, 20 Uhr, Premiere: Die Kriminal-Komödie von Markus Andrae nach A.C.Doyle wurde im Februar 2020 zwei Mal gezeigt, sei gut angekommen und musste dann vom Spielplan genommen werden. Für 2023 sind zwei weitere Premieren geplant: Eine davon ist ein Musiktheater, an dem Andrae gerade schreibt und das von einem alten Kugelbunker aus den 1950ern handelt, in dem zwei Menschen aus Versehen eingesperrt werden. „Man kann auch todernste Themen lustig verpacken“, sagt Andrae und verspricht: „Es wird bizarr.“

Auch das Kindertheater startet im September durch: Am 4. wird eine moderne Version von Rapunzel gezeigt. „Diesmal geht es nicht um das Turm-Motiv, sondern um ein Kind, das an einem Ort ist, wo es nicht mehr weg kann“, erzählt Andrae. Das Mädchen brauche jedoch keinen Prinzen, um sich zu retten, in gewisser Weise rettet sie sogar ihn. Zum ersten Mal kommen Puppen zum Einsatz. Nach langer Zeit gibt es am 24. September auch wieder ein Jugendstück, dessen Vorstellungen sich Schulen umsonst anschauen können.

Das Weihnachtsmärchen sei noch in Arbeit, handele aber von Konkurrenz unter Geschwistern und habe Science-Fiction-Anteile. Und auch ansonsten verspricht die Spielzeit aufregend zu werden: Immerhin ist das heimatverbundene Kabarett „Nüssknacker“ erstmals anstelle der Rathauskantine zu sehen.