Alte Post in Neuss Jahresausstellung geht raus in die Stadt

Neuss · Die 75. Auflage von „Kunst aus Neuss“ wird am Sonntag eröffnet: Kuratiert wurde sie erstmals von Bianca Quasebarth, die in den Vorjahren Klaus Richter bei der Zusammenstellung unterstützt hat. Eine Idee lag ihr besonders am Herzen.

 38 Kunschaffende sind bei der Schau vertreten: Zur Eröffnung werden auch Bürgermeister Reiner Breuer und Dezernentin Christiane Zangs sprechen.

38 Kunschaffende sind bei der Schau vertreten: Zur Eröffnung werden auch Bürgermeister Reiner Breuer und Dezernentin Christiane Zangs sprechen.

Foto: Andreas Woitschützke

Gleich beim Betreten des Kulturforums zieht die Installation von Marc Andrä die Aufmerksamkeit auf sich: „Alte Post“ hat er sein Werk genannt, das mit Briefmarken und Umschlägen bestückt ist und in der Mitte bunte Römerkelche leuchten lässt. „Auch die dahinterliegenden Vitrinen hat er bespielt“, verrät Bianca Quasebarth, die in diesem Jahr die Jahresausstellung „Kunst aus Neuss“ kuratiert hat. „Dass sie das in diesem Jahr übernehmen wird, stand immer schon im Raum“, erzählt Kulturforumsleiter Hans Ennen-Köffers: Immerhin habe die Kunst-Studentin in den vergangenen fünf Jahren Klaus Richter, der Ende September in den Ruhestand gegangen ist, bei der Zusammenstellung der Schau unterstützt – und dabei einiges an Erfahrung gesammelt.

Für die 75. Auflage von „Kunst aus Neuss“ setzt Bianca Quasebarth so zum einen auf Altbewährtes: „Ich wollte das Angebot wieder möglichst breit halten, jedes Alter und jede Gattung sollten vertreten sein“, erzählt sie, „einige sind zum ersten Mal dabei.“ Insgesamt sind es rund 38 Kunstschaffende aus Neuss und der näheren Umgebung, die nun ihre Arbeiten in den Räumen der Alten Post zeigen. Neben Malerei sind dort auch Skulpturen, Installationen, Multimedia-Arbeiten und Fotografien zu finden. Da wäre zum Beispiel Johannes Post, der den Bau der Thomas-Schütte-Halle fotografisch festgehalten hat – dabei war er nicht bloß dokumentarisch tätig: „Noch während der Arbeiten hat er einen kleinen Roboter im Boden vergraben“, erzählt die Kuratorin und deutet auf eine Skizze, die das Ergebnis zeigt: „Man kann sich nun vorstellen, dass der Roboter unter der Erde die Skulpturenhalle auf Händen trägt.“ Mehrere Skulpturen hat Gudrun Schuster mitgebracht, die gewissermaßen die Arbeit von Jeonghan Yun umrahmen. Der Künstler hat Fotos von verschiedenen Himmelsfarben gemacht und sie pixelartig angeordnet. Gleich gegenüber macht David Semper, der zum ersten Mal auf der Jahresausstellung vertreten ist, die Vergangenheit von Sperrmüllmöbeln sichtbar.

Bianca Quasebarth hat in diesem Jahr die Schau kuratiert.

Bianca Quasebarth hat in diesem Jahr die Schau kuratiert.

Foto: Natalie Urbig

Doch Bianca Quasebarth hat auch eigene Akzente gesetzt: So hat sie etwa die Schau unter die Leitfrage „Was bringt uns die Zukunft?“ gesetzt. Hans-Jürgen Söffkers Antwort sind gigantische Käfer, die die Herrschaft in einer menschenlosen Welt übernommen haben.

„Ich freue mich sehr, dass man mir die Freiheit gegeben hat, auch eigene Ideen umzusetzen“, erzählt Bianca Quasebarth. Ein Projekt habe ihr dabei besonders am Herzen gelegen: „Mein Wunsch war es, die Kunst auch raus in die Stadt zu tragen“, sagt sie. Und so kann in diesem Jahr passend zur Jahresausstellung auch Kunst an öffentlichen Orten entdeckt werden – „Satelliten-Punkte“ nennt sie die Studentin. Elf Stück sind es geworden, die sich quer über das Stadtgebiet verteilen. „Sie sollen die Menschen erreichen, die nicht den Weg in die Alte Post finden“, erklärt die Kuratorin. Andererseits könne es auch als Einladung verstanden werden, das Kulturforum aufzusuchen. Denn mit großen Aufklebern, werde darauf verwiesen. Gleichzeitig liege im Kulturforum eine Karte mit den Satellitenpunkten aus. Thomas Mayer und Hans-Jürgen Söffker gestalten etwa den Schaukasten an der Kaiser-Friedrich-Straße, Améde Ackermann hat eine acht Meter lange Fotografie an der Unterführung am Friedrich-Ebert-Platz angebracht und Vera Lossau gestaltet eine Litfasssäule.

Aber auch rund um die Alte Post gibt es einiges fußläufig zu entdecken: Gleich im Garten stehen Skulpturen von Jürgen Zaun und das angrenzende ehemalige Kiosk wird zum Entdeckungsort: Steht man vor dem bunten Gebäude ermöglichen kleine Gucklöcher einen Blick in das Innere. Dort funkeln und leuchten verschiedene Werke von Maria Brauer, einige von ihnen sind gar in Bewegung. Wer daraufhin die Treppe hinabsteigt, findet sich in einem von Rike Droescher und Christoph Görke gestalteten Raum wieder. „Es ist der einzige Satellitenpunkt für den eine Türschwelle überquert werden muss“, sagt die Kuratorin.

Hans Ennen-Köffers ist von dem Gesamtergebnis der 75. Jahresausstellung begeistert: „Es treffen unterschiedlichste Werke aufeinander und doch wirkt keines wie ein Fremdkörper, das ist ihr wirklich gut gelungen.“ Dem kann Eva Rottstedt, die vor gut anderthalb Wochen die Nachfolge von Klaus Richter als stellvertretende Leiterin angetreten hat, nur bestätigen: „Werke, die nichts miteinander verbindet, so gut miteinander zu vereinen, ist eine große Herausforderung.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort