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Neuss: So war die Strukturwandel- und Wirtschaftskonferenz des Kreises

Digitale Zukunft im Rhein-Kreis Neuss : So war die Strukturwandel- und Wirtschaftskonferenz

Auf der Strukturwandel- und Wirtschaftskonferenz auf der Raketenstation Hombroich ging es vor allem um Dateninfrastruktur-Projekte – von denen auch der Rhein-Kreis Neuss profitieren kann?

Der Braunkohletagebau läuft in absehbarer Zeit aus. Da macht es Sinn, darüber nachzudenken, wie neue Arbeitsplätze geschaffen werden können. Auf der Strukturwandel- und Wirtschaftskonferenz auf der Raketenstation Hombroich ging es jetzt vor allem um Dateninfrastruktur-Projekte. Bürgermeister verschiedener Städte im Rhein-Kreis Neuss waren da, Kreisdirektor Dirk Brügge, Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, aber mit Johannes Velling auch ein Vertreter des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW. Harald Summa von DE-CIX, einem führenden Anbieter von Internetknoten, hatte Interessantes zu berichten. Auch die Wissenschaft war vertreten: Daniel Zeuch vom Forschungszentrum Jülich erklärte, wie überlegen das sogenannte Quantencomputing der jetzt üblichen Technik ist. Die Moderation übernahm Camilla Biasio.

Johannes Velling sprach von einer „dynamischen Region“. Die Universität in Aachen und das Forschungszentrum in Jülich seien „zwei ganz starke Partner“. Als einen großen Vorteil bezeichnete er, dass Strukturfördermittel fließen werden. Kreisdirektor Brügge erinnerte daran, dass der Rhein-Kreis schon jetzt ein „unheimlich starker Wirtschaftsstandort“ ist. Allerdings einer, der in Zukunft fortentwickelt werden müsse. Arbeitsplätze müssen entstehen, damit über die Gewerbesteuereinnahmen die Infrastruktur auch weiterhin finanziert werden kann. „Ein Datencenter ist keine Lagerhalle. Da entsteht Wertschöpfung, die man abgreifen kann“, sagte Summa.

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Wilhelm Mauch, Universitätsprofessor, Physiker und Forscher in Jülich, sieht einen engen Zusammenhang zwischen der Etablierung von Dateninfrastruktur-Projekten und dem noch in der Entwicklung befindlichen Quantencomputing: „Dies ermöglicht Leistungen, die normale Computer nicht erbringen können.“ Er nannte einige mögliche Anwendungen wie das Fräsen hochkomplexer Turbinen – dabei kommt es im besonderen Maße darauf an, Ausschussware zu verhindern und dazu könne das Quantencomputing entscheidend beitragen. Leistungsfähige Datenzentren seien auch erforderlich, um Projekte wie das autonome Autofahren möglich zu machen.

Volker Ludwig ist Geschäftsführer von Interxion, einem der größten Betreiber von Rechenzentren. Er führte das zunehmend wachsende Sicherheitsbedürfnis als Argument für leistungsfähige Datenzentren ins Feld. Nun benötigt so ein Datenzentrum jede Menge Energie. Das ist für Johannes Velling vom zuständigen Landesministerium aber kein gewichtiges Argument: „Wenn so ein Datencenter nicht hier, sondern woanders angesiedelt wird, dann haben Sie hier nichts davon.“ Energieeffizienz müsse gleichwohl ein Riesenthema sein. Einen Nutzen, den sich von der Ansiedlung eines Datencenters verspricht: „Das würde Start-ups anziehen.“ Und vielleicht nicht nur die. „Sie werden die Unterstützung vom Land bekommen“, versprach der Ministerialbeamte. Das Braunkohlerevier könne so binnen zehn Jahren zu einem erfolgreichen Wirtschaftsraum werden unter folgender Bedingung: „Wir müssen jetzt loslegen.“ Es gehe darum, Strukturstärkungsmittel intelligent einzusetzen. Dirk Brügge mahnte, „mit Mut vorzugehen“.

Wohl kaum einer der Anwesenden von Politik und Verwaltung dürften den Vortrag von Daniel Zeuch vom Forschungszentrum Jülich in Gänze erfasst haben. Aber es war schon äußerst spannend zu hören, wozu das Quantencomputing in der Lage sein wird. „Es können bessere Batterien gebaut werden durch komplexere Verbindungen, die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffe wird begünstigt“, machte der Experte deutlich.

Ein weiterer wichtiger Vorteil: Der Quantencomputer könne mehrere Lösungen gleichzeitig betrachten.