So läuft der Girls‘ Day in Neuss „Jungsberufe“ gibt’s nicht mehr

Neuss · Anlässlich des „Girls' Day“ können Schülerinnen ganz neue Perspektiven auf Ausbildungsberufe, die maßgeblich von Männern geprägt sind, bekommen. Am Freitag wurde dafür an der Janusz-Korczak-Gesamtschule die Werbetrommel gerührt.

Bundestagsabgeordneter Hermann Gröhe (M.) übernahm die Moderatorenrolle.

Bundestagsabgeordneter Hermann Gröhe (M.) übernahm die Moderatorenrolle.

Foto: Stefan Büntig

Vielen jungen Menschen stellt sich schon früh die Frage: Was will ich nach der Schule machen? Dass es nicht immer die stereotypische Ausbildung, für Mädchen Krankenschwester und für Jungen Kfz-Mechatroniker sein muss, war am Freitagmorgen auch Thema an der Janusz-Korczak-Gesamtschule am Niedertor. Bei der Veranstaltung anlässlich des Girls'Day am 25. April konnten die Schülerinnen der achten Klassen ganz neue Perspektiven auf Ausbildungsberufe, die maßgeblich von Männern geprägt sind, bekommen. Ziel des Girls‘ Day, der seit 2001 stattfindet, ist es, Mädchen auf Berufe aufmerksam zu machen, in denen sie nicht stark vertreten sind.

Zu Gast an der Schule waren zwei Auszubildende aus Handwerksberufen, Thomas Gütgens, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein, und CDU-Urgestein Hermann Gröhe, der die Moderatorenrolle übernahm. „Im Kopf von ganz Vielen gibt es den typischen Jungsberuf und Mädchenberufe wie Kauffrau und Sozialpflegeberufe, eben Berufe die sehr mit Menschen zu tun haben", eröffnete Gröhe die Veranstaltung. „Und da haben wir uns gefragt: Wie öffnen wir neue Horizonte für untypische Ausbildungsberufe?"

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen Katharina Zehner, die gerade das erste Lehrjahr ihrer Dachdeckerausbildung absolviert, und Amelie Hoffmanns, Auszubildende zur Kfz-Mechatronikerin im dritten Lehrjahr. „Nach meinem Praktikum wusste ich, dass ich ins Handwerk gehen will. Kunden sind oft überrascht, eine Frau zu sehen, aber eigentlich findet das jeder cool", berichtete die 20-jährige Dachdeckerauszubildende den Schülerinnen. Zwar seien sie in ihrer Berufsschulklasse zwei Mädchen zu 26 Jungen, aber ein Problem wäre das nicht. „In meinem Fall war es abzusehen, dass ich diesen Beruf aussuche. Unser Unternehmen ist familiengeführt, da arbeiten zehn Verwandte von mir“, erzählte Amelie Hoffmanns.

Auf die Frage, ob Körperkraft denn heute noch so notwendig sei wie früher, war die einhellige Antwort: Nein, viel übernehme die Technik, aber ein paar Tricks, um Schweres anzuheben, hätten beide. Auch seien ihre Berufe sozialer als viele dächten: Kundenkontakt und Teamarbeit gehörten zum Alltag.

Nachdem die Achtklässlerinnen von Schulleiter Achim Fischer in die „Reflexionspause" entlassen worden waren, waren viele verschiedene Stimmen zur Veranstaltung zu hören: „Es hat mir zwar sehr gut gefallen und ich habe viel gelernt, zum Beispiel, dass man gut rechnen können muss, um Dachdeckerin zu werden, aber den Beruf kann ich mir einfach gar nicht für mich vorstellen", erklärte Eda Taufik Charour. „Das war eine gute Inspiration und ich könnte wirklich darüber nachdenken, so einen Beruf zu machen. Am Auto zu arbeiten, kann ich mir gut vorstellen", meinte hingegen Stella Franz.

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