So war der China-Tag 2024 in Neuss „China ist unfassbar innovativ“

Neuss · Der 7. Neusser China-Tag lockte am Karnevalssamstag 350 Besucher ins Romaneum. Der Neusser Wirtschaftsprofessor Jan-Philipp Büchler vergleicht deutsche Hidden Champions mit chinesischen Hidden Dragons, tüchtige Aufsteiger aus Fernost.

Zum 7. Neusser China-Tag lud Bürgermeister Reiner Breuer (M.) jetzt ins Romaneum.

Zum 7. Neusser China-Tag lud Bürgermeister Reiner Breuer (M.) jetzt ins Romaneum.

Foto: Andreas Woitschützke

Mehr als 3000 Menschen mit chinesischen Wurzeln leben im Rhein-Kreis Neuss. Diese Zahl nannte der chinesische Generalkonsul Du Chunguo am Samstag in Neuss. Mehr als 90 chinesische Unternehmen haben ihren Sitz in Neuss. Diese Zahl nannte der deutsche Wirtschaftsprofessor Jan-Philipp Büchler als Festredner beim 7. Neusser China-Tag, zu dem Bürgermeister Reiner Breuer ins Romaneum eingeladen hatte; 350 Besucher kamen, hörten Vorträge über chinesische Geschichte und Reisen durch das Reich der Mitte, machten erste Bekanntschaft mit chinesischer Sprache und Qi Gong. Breuer warb in seinem Grußwort dafür, nicht in erster Linie Trennendes aufzulisten, sondern Verbindendes zu suchen. Diese Aufforderung brachte dem Bürgermeister die Bezeichnung „Brückenbauer“ durch Ludger Baten. Der Vorsitzende der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft Neuss (DCGN) führte durch die Abendveranstaltung.

Seit 2017 lädt die Stadt Neuss alljährlich aus Anlass des chinesischen Neujahrsfestes zu einem informativen und unterhaltsamen China-Tag ein, den die Volkshochschule (VHS) und das Amt für Wirtschaftsförderung in Kooperation mit der DCG Neuss ausrichten. Einmal diktierte seither die Corona-Pandemie (2021) eine Pause, einmal erlaubte sie (2022) nur eine digitale Variante via Internet. Seit dem Vorjahr ist der China-Tag mit einem Präsenz-Programm zurück – da Chinesisch-Neujahr in diesem Jahr auf Karnevalssamstag fiel und somit mitten in die tollen Tage hinein, hatten die Organisatoren um Ursel Hebben von der VHS das Angebot reduziert, das aber dennoch sein Publikum fand.

Der Pauline-Sels-Saal war nahezu voll besetzt als um 18 Uhr die Mädchen und Jungen der Chinesischen Schule Neuss mit ihren Tanz- und Gesangsdarbietungen das neue Jahr, das Jahr des Drachen, begrüßten. Der Drache, der für Macht, Glück und Erfolg steht, ist das einzige Fabelwesen unter den zwölf Tierzeichen im Zyklus des chinesischen Mond- und Bauernkalenders. Am Freitag hatte das Jahr des Hasen geendet. Vor allem in Asien, insbesondere in China, ist dieser Jahreswechsel das wichtigste (Familien-)Fest, das über mehrere Tage gefeiert wird und rege Reisetätigkeit auslöst. So auch in Neuss.

Bereits am Samstag-Nachmittag besuchte Generalkonsul Du die Veranstaltung und ließ sich von Bürgermeister Breuer und VHS-Leiterin Marie Batzel durch das Romaneum führen. Du lobte die hohe Gastfreundschaft und Offenheit, die seinen Landsleuten von den Neussern entgegengebracht werde. Er wisse aus vielen Gesprächen, dass sie sich in der Stadt wohlfühlten und Leistungsträger der Gesellschaft sein wollten.

Für den Festvortrag am Abend hatte das Amt für Wirtschaftsförderung um die Abteilungsleiterin Svenja-Marie Smolinski den Neusser Wirtschaftsprofessor Jan-Philipp Büchler gewonnen, der an der Fachhochschule Dortmund Unternehmensführung lehrt und in der Öffentlichkeit gern als „Mittelstandsforscher“ bezeichnet wird. In seiner Heimatstadt – er wohnt mit seiner Familie in Norf – ist Büchler vor allem als Kommunalpolitiker bekannt; er ist Stadtverordneter und Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses. Zu seinen Zuhörern gehörten unter anderem auch Bundestagsabgeordneter Hermann Gröhe und Kreisdirektor Dirk Brügge.

Büchler nahm das Auditorium mit auf eine spannende, einstündige Reise durch die erdumfassende Wirtschaftslandschaft und zeichnete dabei den Weg der Volksrepublik China auf, die einst als globale Werkbank begonnen habe und heute schon die meisten Patente weltweit anmelde: „China ist unfassbar innovativ.“ Dabei lege das Land in Fernost eine ungeheure Geschwindigkeit vor, investiere Geld und Personal in Forschung und Entwicklung. Doch der deutsche Mittelstand, darunter viele Familienbetriebe, sei mit seiner Kompetenz und Erfahrung für den Wettbewerb stark aufgestellt; er dürfe aber in den Anstrengungen nicht nachlassen, zudem müsse die öffentliche Hand in die Standort-Infrastruktur und die Ausbildung junger Menschen investieren und alle sollten den Aufsteigern aus Fernost selbstbewusst und auf Augenhöhe begegnen.

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