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Neuss: So feierten die Gemeinnützigen Werkstätten ihr 50-jähriges Bestehen

Inklusion in Neuss : Mehr als 1000 Gäste feiern 50 Jahre GWN

Das war am Freitag wirklich ein Anlass, um auf der Rennbahn in der Halle oder draußen ausgelassen zu feiern. Der Grund: Die Gemeinnützigen Werkstätten Neuss (GWN) wurden 50 Jahre alt.

Rund 1000 Menschen genossen die vierstündige Feier, die mit einem Auftritt der Coverband Sound Convoy zu Ende ging. Mit dabei: Willi Hoymann. Ihn als Mann der ersten Stunde zu bezeichnen, wäre nicht verkehrt, aber auch nicht ganz richtig: Der 86-Jährige fing vor 50 Jahren nicht einfach als Geschäftsführer an, sondern hatte auch bereits im Vorfeld die Vorarbeiten zur Gründung der Gemeinnützigen Werkstätten in die Wege geleitet. Seine Mission damals: Menschen mit Behinderung in Arbeit zu bringen. Angelika Quiring-Perl, Vorsitzende des Aufsichtsrats, hatte von Willi Hoymann einen Brief überreicht bekommen. Der Inhalt: Die Historie der Einrichtung, festgehalten auf zwei Seiten.

Eines vorab: Mit 50 fangen die ersten Zipperlein an, mitunter auch schon ein paar Jahre früher. Den Gemeinnützigen Werkstätten Neuss geht es nicht anders als anderen Arbeitgebern: Für sie wird es immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden. Angelika Quiring-Perl freute sich deshalb, dass ein Besucher ihr gegenüber Interesse an der Mitarbeit zeigte. „Und es soll noch einen zweiten Interessenten gegeben haben“, erklärte die frühere stellvertretende Bürgermeisterin.

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Ein aktuelles Problem sind die hohen Heizkosten. Damit wurde Bürgermeister Reiner Breuer konfrontiert. Nicht nur er führte viele Gespräche. Da kamen Menschen zusammen, die lange Zeit keinen Kontakt gehabt hatten. Und einer hatte sich um Ziel gesetzt, ziemlich zeitgleich mit dem 50-jährigen Bestehen der GWN in den Ruhestand zu treten: Christoph Schnitzler war Geschäftsführer von 1992 bis 2022. Er hatte damals Willi Hoymann abgelöst. Sechs Monate lang hatte er jetzt Zeit gehabt, seinen Nachfolger Guido Severin einzuarbeiten. Worüber er sich freute: „Das Wetter hat mitgespielt, es gab nur einen Schauer, und der dauerte nicht länger als fünf Minuten.“

Was ihm besonders gut gefiel: „Die Menschen mit Behinderungen sind sehr gut mit einbezogen worden.“ Sie lieben Musik, gingen voll mit, als Sound Conoy auftrat – einige von ihnen waren auch auf der Bühne. Hingucker waren die Tänzerinnen und Tänzer einer Samba-Truppe. Sie trug mit ihren Tänzen zur hervorragenden Stimmung bei. Damit kein knurrender Magen die Musik übertönen konnte, standen Food-Trucks bereit, um den Hunger der Besucher zu stillen.

Gruppenleiter erinnerten an ihre Arbeit von einst. Alle wissen, dass die Gemeinnützigen Werkstätten Neuss zu einem Erfolgsmodell geworden sind. Gäbe es sie heute, wo Arbeitskräfte allen Ecken und Enden fehlen, noch nicht, müssten sie erfunden werden. Corona war übrigens auch ein Thema, wenn auch nur am Rande: Der Nachfolger von Christoph Schnitzler hatte bis zuletzt gehofft, sich freitesten lassen zu können, aber er konnte nicht kommen, war am Freitag leider immer noch „positiv“.