Neuss: So arbeitet das Palliativ-Netzwerk WIN

Großes Netzwerk : Bei Palliativ-Medizin ist Neuss spitze

Das Palliativnetzwerk „WIN“ ist eins der größten in Nordrhein-Westfalen.

Wenn die Medizin nicht mehr heilen und retten kann, ist der Zeitpunkt der Therapieumkehr erreicht. Dann tritt die Linderung von Schmerzen sowie die Unterstützung bei psychischen, sozialen und spirituellen Problemen in den Vordergrund. Um schwerstkranke Menschen in Neuss kümmert sich das Palliativnetzwerk. „WIN“– die Buchstaben stehen für „Wir im Rhein-Kreis Neuss Palliativnetzwerk“ – wurde 2007 gegründet und ist inzwischen eins der größten Palliativnetzwerke in NRW. Initiator war seinerzeit Gerhard Steiner, Facharzt für Allgemeinmedizin, Anästhesie und Palliativmedizin mit Praxis in Grimlinghausen. Als er erfuhr, dass die AOK Rheinland die Palliativversorgung organisatorisch und finanziell neu aufstellen wollte, lud er Mediziner verschiedenster Fachrichtungen ein. Kurz darauf wurde „WIN“ gegründet. Ihr Ziel: Schwerstkranke integrativ zu unterstützen.

Palliativmedizin ist grundsätzlich interdisziplinär und multiprofessionell. Das bedeutet: unterschiedlichste Berufsgruppen und Fachrichtungen der medizinischen Versorgung arbeiten im Team zusammen. So auch in Neuss: 65 Ärzte zählen dazu, darunter zwölf, die den Facharzt für Palliativmedizin absolviert haben. Darüber hinaus gehören dem Netzwerk fünf Apotheken, die Pflegedienste der Caritas sowie die Ambulante Krankenpflege Neuss, die ambulanten Hospizdienste in Kaarst, Meerbusch sowie des Diakonischen Werkes und der Stiftung Cor Unum an. Psychosoziale Betreuer sowie geistlicher Beistand beteiligen sich ebenso wie die stationären Hospize – das Marienheim Kaarst und das Augustinus-Hospiz Neuss – und die Altenpflegeheime im Kreis. „Wir sind nicht nur eins der größten Palliativ-Netzwerke in NRW, sondern bestens organisiert und schnell. Zudem regional gut aufgestellt – von Lank-Latum bis Rommerskirchen, von Jüchen bis Zons“, sagt Steiner. WIN stehe auf drei Säulen, sagt er und zählt auf: Da sei zum einen die interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie die Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helfer. Zum anderen gebe es berufsübergreifende Qualitätszirkel, um ganz individuell helfen zu können. Die dritte Säule bilde der Verein für Palliativmedizin. Dessen Förderbeiträge fließen unter anderem in ein besonders gesichertes EDV-Dokumentationssystem. So werde sichergestellt, dass alle, die einen Patienten gemeinsam betreuen, jederzeit auf dem neuesten Stand der Behandlung seien, erklärt Steiner.

Grundsätzlich sei die Palliativmedizin besonders herausfordernd. Denn ein Patient sei selten allein. Das Umfeld Sterbenskranker sei oftmals emotional aufgeladen, es gebe leicht Spannungen. „Doch Streit am Krankenbett geht gar nicht. Deshalb müssen wir manchmal ordnend eingreifen und für Harmonie und ein gutes Umfeld sorgen.“ Die Palliativmedizin leitet sich vom lateinischen Wort Pallium für Mantel ab. Und so wie der Mantel einst römischen Soldaten Schutz und Wärme bot, „schützen wir die Patienten vor Schmerz, Angst sowie jeglicher Form der Unbill“, so Steiner.

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